Im Land des Denali
Mit dem Wohnmobil durch Alaska
vom 13.9. - 27.9.2000
Mittwoch, 13.9.00 - Übernahme des Wohnmobils bei 40.807 Meilen -
- gefahrene Meilen = 25 (40 km) -
Gegen 9.00 Uhr treffen wir mit dem Zug am Düsseldorfer Flughafen ein. Wir haben gestern abend schon unsere Koffer im Late-Night-Check-in aufgegeben, so dass wir heute nur noch
mit dem Handgepäck anreisen müssen. Im Warteraum passiert dann das, was wir auf unseren Flügen bisher eigentlich ganz selten erlebt haben, nämlich, dass das mitgeführte Handgepäck gewogen wird.
Die Mitarbeiterin der LTU pickt sich zielsicher hauptsächlich diejenigen heraus, die einen Trolly mit sich führen oder bei denen das Gepäckstück schon von weitem so aussieht, dass es die
Gewichtsgrenze von 8 kg überschreitet. Wir sind dann bei den Ausnahmen, deren Handgepäck nicht kontrolliert wird. Um 10.25 Uhr hebt die Boeing 767-300 endlich vom Düsseldorfer Flughafen ab. Zu
unserem allergrößten Erstaunen ist die Maschine noch nicht einmal halb besetzt! Lediglich 60 Passagiere fliegen nach Anchorage. Werden wir dann in Alaska überhaupt noch auf Touristen treffen? Auf
welches Abenteuer haben wir uns denn diesmal eingelassen? Und warum hat man uns bei unserer Buchung geraten, gleich einen Sitzplatz zu reservieren? Wir können doch jetzt bequem jeder eine ganze
Reihe belegen! Fragen über Fragen. Die Stewardess erzählt uns dann (soviel Zeit für ein Gespräch mit den Passagieren haben sie wahrscheinlich noch nie gehabt), dass heute nur 60 Passagiere
mitfliegen, es aber auf unserem Rückflug mit Sicherheit voller werden wird, da es ja der letzte Rückflug der LTU für dieses Jahr ist. Der letzte Rückflug ist auch der Grund dafür, dass die
heutige Besatzung eine komplette Woche in Alaska bleiben wird. Auf diese Art und Weise werden sie endlich auch einmal in dem Genus kommen, sich das Land etwas näher anzusehen.
Die Flugzeit soll 8 Stunden 50 Minuten betragen und wird über England, Schottland, Shettland-Inseln, Island, Nordgrönland nach Alaska gehen. Wir haben keine Sicht wegen dicker
Bewölkung, die uns auch noch längere Zeit begleiten wird. Gegen 13 Uhr wird uns dann das Mittagessen serviert und damit die aufgekommene Langeweile ein wenig unterbrochen. Über Bordlautsprecher
meldet sich der Kapitän und teilt den Passagieren mit, welches Wetter uns in Anchorage erwarten wird: leichtes Schauerwetter und 12 Grad; . Das sind ja auch keine allzu rosigen Aussichten. Als
wir Island erreichen, haben wir immer noch nicht die geringste Chance, einen Blick auf dieses Land zu werfen. Erst über Nordgrönland wird es dann auf einmal sonnig, und wir bewundern Berge, Eis
und Schnee aus der Vogelperspektive. Gegen 17 Uhr überfliegen wir Nordkanada und landen um 9.40 Uhr Alaska-Time wohlbehalten in Anchorage. Die Einreise- und Zollformalitäten lassen wir schnell
und problemlos hinter uns. Die Gepäckausgabe geht aufgrund der wenigen Passagiere auch zügig vonstatten. Dann kaufen wir uns noch eine Telefonkarte für 10 Dollar, um nach Hause telefonieren zu
können. Die äußerst freundliche Deutsch sprechende Dame hinter dem Infoschalter greift auf meine Frage, wie wir am besten zu unserer Vermietstation (Alaska Panorama RV Rentals) kommen, sofort zum
Telefonhörer, und 10 Minuten später werden wir dann mit unserem Gepäck von einem Mitarbeiter der Wohnmobilvermietung abgeholt. Wir sind offensichtlichen die Einzigen, die dort heute ein Wohnmobil
abholen.
Nach kurzer Fahrzeit erreichen wir die Station, deren Besitzerin eine Deutsche ist, was die Übergabeformalitäten natürlich vereinfacht. Als wir unsere "Unterkunft auf Rädern" für
die nächsten 14 Tage sehen, trifft uns fast der Schlag: Das ist ja ein kleines Haus, und dabei haben wir schon den kleinsten Camper gebucht. Für amerikanische Verhältnisse scheint das Ungetüm
allerdings "very small" zu sein. Die Einweisung durch einen Englisch sprechenden Mitarbeiter ist äußerst ausführlich, gut verständlich und dauert ungefähr 1 1/2 Stunden. Dann überlässt er uns
unserem Schicksal. Uns ist es ziemlich mulmig zumute, wenn wir daran denken, dass wir mit diesem Ungetüm nun quer durch Anchorage müssen. Horst ist inzwischen von einer bleiernen Müdigkeit
überfallen worden. Er will erst mal ein paar Runden an der frischen Luft drehen, während ich die Zeit nutze, um uns im Wohnmobil häuslich einzurichten. Bei seiner Rückkehr habe ich schon alles in
die Schränke geräumt (der Stauraum ist gewaltig), meine beiden Pakete mit dem glutenfreien Brot in das riesengroße separate Tiefkühlfach gestapelt, das Alkovenbett ist bezogen und gegen 14 Uhr
stürzen wir uns dann zunächst im Schritt-Tempo in den Großstadtverkehr von Anchorage, was besser geht, als wir gedacht hatten. Den von der Vermieterin in einer Skizze eingezeichneten Supermarkt
finden wir allerdings gar nicht, da wir uns nach unserem Stadtplan restlos verfahren haben. Ich bin eigentlich eine gute Kartenleserin, aber mit diesem Plan stimmt irgend etwas nicht. Die Straßen
verlaufen teilweise nicht so, wie sie eingezeichnet sind und heißen hinter der nächsten Kurve dann manchmal auch noch anders. Lediglich die nördliche Richtung stimmt zunächst einmal. Wir steuern
den erstbesten Supermarkt an und machen einen Großeinkauf. Die Preise hier oben sind gewaltig! Da kostet beispielsweise ein Paket Kaffee über 20 DM, ein 100g Paket Käse in Scheiben 8,-- DM usw.
Und was die Fischpreise angeht (die Alaskaner sitzen ja hier direkt an der Quelle), da wird es einem schier schwindelig. Die wollen für ein kleines Stück geräucherten Lachs fast 30 DM haben! Als
wir mit dem Einkaufswagen und den zahlreichen mit Lebensmitteln vollgepackten Plastiktüten nach draußen kommen, ist unser Wohnmobil weg! Es dauert einige Sekunden, bis wir registriert haben, dass
wir einen anderen Ausgang genommen haben und unser Parkplatz auf der anderen Seite liegt, reicht aber, um das Adrenalin erst mal in schwindelerregende Höhen zu treiben. Aber mittlerweile fordert
der Jetlag seinen Tribut, und es wird Zeit, dass wir schleunigst einen Campground ansteuern und ein paar Stunden schlafen. Schließlich gehen wir in Deutschland ja auch nicht nachts um 4 Uhr
einkaufen (so spät ist es mittlerweile zuhause). Ich bin inzwischen unfähig, überhaupt noch klar zu denken. Glücklicherweise sind wir gleich nach der ersten Ampelkreuzung auf dem aus der Stadt
herausführenden Glenn-Highway in Richtung Norden. Wir steuern gleich den ersten Campground an, der in der Nähe der Militärbasis Elmendorf liegt. Dort fliegen fast pausenlos lärmende
Düsenflugzeuge durch die Gegend, so dass wir hier heute bestimmt kein Auge zutun werden. Und dann wollen sie auch noch 29 Dollar für den Platz haben! Horst fühlt sich noch fit genug, um noch 10
Meilen weiterzufahren, bis wir den idyllisch im Wald und an einem Fluss gelegenen staatlichen Campground Eagle River erreichen, der 15 Dollar Gebühr kostet. Wir sind mittlerweile so müde, dass
wir zwar die drei Elche am Campgroundeingang wahrnehmen, aber überhaupt nicht mehr auf die Idee kommen, sie zu fotografieren oder zu filmen. Wir fallen in unsere Betten und schlafen bei
himmlischer Ruhe mitten im Wald von einer Minute zur anderen ein. Nachts höre ich einige Male, dass unsere Heizung anspringt.
Donnerstag, 14.9.00
- 178 Meilen = 285 km -
Gegen 4 Uhr ist dann unsere erste Nacht in Alaska vorbei. Wir genießen eine warme Dusche und frühstücken ausgiebig. In den Nachrichten sagen sie Schneefall im Denali Park voraus,
und die Road-Lotteriegewinner können voraussichtlich die Parkstraße nicht mehr befahren. In den Denali Park kommt man nur mit Shuttlebussen. Privater Autoverkehr ist nur für ein kurzes Teilstück
erlaubt (bis zum Teklalina Campground). Lediglich am Ende der Saison und nach Einstellung des Busverkehrs am 15. September wird die Straße per Losverfahren (Road-Lotterie) 4 Tage lang für den
privaten Verkehr frei gegeben. Man muss sich in der Zeit vom 1. - 31. Juli mit einem frankierten Rückumschlag an diesem Losverfahren beteiligen, was wir natürlich auch gemacht haben. Wir hatten
nur leider beide nicht das Glück, zu den Gewinnern zu gehören, haben aber trotzdem vor, zum Denali Park fahren, in der Hoffnung, wenigstens noch einen Teil davon sehen zu können. Wenn es die
Wetterverhältnisse erlauben, wollen wir dann auch von Cantwell aus noch den Denali-Highway befahren, der nach Aussage unseres Reiseführers eine "Traumstraße" sein soll.
Nachdem wir nach dem Aufräumen und Spülen unsere Siebensachen wieder sicher verstaut haben, verlassen wir den Campground und sehen bei der Ausfahrt, dass der Platz am 18.9. geschlossen wird! End
of Season! Das kommt uns von unserer Yukonrundreise im letzten Jahr höchst bekannt vor. Offensichtlich haben wir die Reise zwei Wochen zu spät geplant, denn dieses "End of Season" wird uns auf
unserer Fahrt noch sehr oft begegnen.
Unseren ersten Stop legen wir schon wenige Meilen später am Infocenter von Matanouska ein, dass heute den letzten Tag geöffnet hat (wir scheinen demnächst ja wohl nur noch vor verschlossenen
Campgrounds und anderweitigen Einrichtungen zu stehen). Im Matanouska Tal wird aufgrund des günstigen milden Klimas sehr viel Obst und Gemüse angebaut. Berühmt sind außerdem die riesigen
Kohlköpfe, die hier wachsen. Wir erstehen im Infocenter einen Bärenkalender und setzten unseren Weg dann auf dem Georg-Parks-Highway , der in dieser Gegend noch sehr stark befahren ist, Richtung
Norden fort. Er ähnelt dem Alaska-Highway und führt meistens schnurgeradeaus. Rechts und links wird er von leuchtend bunten Herbstwäldern begrenzt. Bald lassen wir auch die Stadt Palmer hinter
uns und kaufen weiteren Reiseproviant in einem preiswerten und sehr gut bestückten Supermarkt in Wassilla (ein Tipp: nach Möglichkeit die Supermärkte in Anchorage meiden und lieber außerhalb
einkaufen). Hier in Wassilla begegnen wir auch zum ersten Mal einem Zug der Alaska-Railway mit Aussichtswagen. Wir sind erstaunt, dass die Waggons mit zahlreichen Touristen besetzt sind.
Anscheinend sind wir nun doch nicht ganz alleine unterwegs. Der Zug fährt am Denali-Park vorbei bis nach Fairbanks und war bis zum Bau des Georg Parks Highways die einzige Verbindung zum
Denali!
Heute haben wir schönes Wetter, Sonnenschein und können bei strahlend blauem Himmel mit vereinzelt dicken Wolken herrliche Ausblicke auf die Landschaft genießen. Je weiter wir
nach Norden kommen, desto mehr schneebedecktes Gebirge bekommen wir zu Gesicht. Ein herrlicher Kontrast zur herbstlich bunt gefärbten Landschaft um uns herum. Dann biegen wir irgendwann vom
Highway auf die Nebenstraße ab, die nach Talkeetna, einem kleinen Städtchen am Susitna River führt. Auf dem Weg dorthin werden wir durch ein Hinweisschild auf einen "Lookout" aufmerksam, und als
wir dann um die nächste Kurve biegen, liegt er im strahlenden Sonnenschein in voller Pracht vor uns: Der Denali! Es ist ein wirklich grandioser Anblick. Und wenn man bedenkt, dass man diesen
majestätischen Berg, den höchsten Nordamerikas mit seinen 6.194 m, nur an ganz wenigen Tagen im Jahr überhaupt zu Gesicht bekommt, fühlen wir uns nun wie Glückspilze, was wir ja auch
offensichtlich sind. Das wunderschöne Wetter hat ein ortsansässiges Flugunternehmen (Talkeetna Airtaxi) gleich zum Anlass genommen, an diesem Aussichtspunkt für seine Rundflüge Reklame zu machen.
Da brauchen wir natürlich gar nicht lange zu überlegen, besser wird das Wetter nicht mehr (und außerdem bekommen wir noch 10 Dollar Rabatt auf den Flugpreis!). Im letzten Infocenter haben wir
noch gelesen, dass die Rundflüge am Denali ab 5.9. eingestellt würden. Wir können unser Glück kaum fassen und fahren sofort zum Flugplatz, wo viele kleine Flugzeuge auf dem relativ kleinen
Rollfeld stehen. Vor unserer Nase schrauben sich die kleinen Flieger in den stahlblauen Himmel und fliegen dann in Richtung Denali davon. Ich komme gar nicht mehr großartig zu Überlegungen, ob
ich in diese kleine Kiste wirklich einsteigen will, da haben wir schon die große Rundflugroute für 140 Dollar und eineinhalb Stunden Flugdauer pro Person gebucht. Ein paar Minuten müssen wir noch
auf den dritten Fluggast warten, und dann quetschen wir uns auch schon etwas mühsam in die kleine Cessna 180. Meine Güte, auf welches Abenteuer habe ich mich denn nun schon wieder eingelassen?
Der Vertrauen erweckende Eindruck des Piloten beruhigt mich dann wieder ein wenig. Dann hebt die kleine Maschine von der Rollbahn ab, und vor uns liegt der grandioseste Flug unseres Lebens!
Zuerst überfliegen wir ein Taiga-Gebiet, gesprenkelt mit vereinzelten dürren Bäumen und unendlich vielen großen und kleinen Seen, an deren Ufer teilweise Häuser mit eigenem Bootsanlegesteg
stehen. Sie sind nur mit dem Wasserflugzeug erreichbar und liegen völlig abgeschieden in der Einsamkeit. Dann werden unter uns allmählich die ersten Bergketten sichtbar, deren schneebedeckte
Gipfel im Sonnenlicht glitzern. Wir überfliegen den Kahitna-Gletscher, der mit 50 Meilen Länge der größte Nordamerikas ist. Die kleine Maschine fliegt haarscharf an schroffen Felswänden vorbei,
überquert riesige Eisfelder und von Minute zu Minute tauchen immer großartigere Landschaften vor unseren Augen auf. Vom Fluglärm einmal abgesehen herrscht in der engen Kabine andächtige Stille.
Wir finden einfach keine Worte mehr für das, was wir zu sehen bekommen. Wir umrunden den Denali, der mit 4.000 m an seiner Rückseite eine der steilsten Felswände der Welt aufzubieten hat. Auf dem
Rückflug nach Talkeetna sehen wir auf den Berghängen zwei Grizzlys. Wohlbehalten und mit leicht dröhnendem Kopf (schließlich sind wir ohne Druckausgleich teilweise in über 4.000 m Höhe geflogen)
landen wir nach eineinhalb Stunden wieder auf dem kleinen Flughafen. Dann fahren wir zum Susitna River, stellen den Camper dort ab und versuchen, die Eindrücke der letzten Stunden bei einem
kleinen Mittagessen zu verdauen. Anschließend bummeln wir noch etwas durch den gemütlichen kleinen Ort und fahren gegen 17 Uhr wieder weiter. Die nächsten eineinhalb Stunden finden wir keinen
geeigneten Platz für die kommende Nacht. Der nächsterreichbare Campground am Troublesome Creek liegt direkt am Highway. Dort steht auf einer Hinweistafel, dass der Wanderweg am Fluss entlang von
Juli bis Anfang September wegen Bären gesperrt ist. Uns gefällt es hier nicht, und so fahren wir weiter bis zum Bylake. Dort bleiben wir auf dem wunderschön mitten im Wald gelegenen Campground am
See für 10 Dollar stehen. Auch hier stoßen wir bei einem kleinen Spaziergang überall auf Bärenwarnungen. Im Juli/August sollen sogar welche auf dem Campground gewesen sein! Als wir uns in unsere
warmen Schlafsäcke gerollt haben, trommelt leise der Regen auf unser Dach. Welch ein wundervoller Tag liegt hinter uns, und welch ein Glück hatten wir mit dem Wetter.
Freitag, 15.9.00
- 143 Meilen = 229 km -
Heute morgen sitzen wir schon um 5.30 Uhr am Frühstückstisch. Das zunehmende Geräusch der Pumpe zeigt, dass unser Wassertank fast leer ist. Draußen wird es so langsam hell, und
blauer Himmel mit weißen Wattewölkchen kommt zum Vorschein. Es wird wohl wieder ein schöner sonniger Tag werden. Heute wollen wir zum Denali Park. Bei unserer Weiterfahrt lösen sich die kleinen
Wolken immer mehr auf, und bald haben wir nur noch blauen Himmel, sozusagen "Alaska-Traumwetter". Immer wieder genießen wir staunend den atemberaubenden Blick auf das mit Schnee bedeckte Gebirge
rechts und links der Straße und machen zahlreiche kurze Fotostops. In Cantwell tanken wir zum ersten Mal auf (der Liter Benzin kostet hier in Alaska umgerechnet zwischen 1,05 DM und 1,10 DM - ein
Traumpreis, wenn man an die deutschen Benzinpreise von über 2,-- DM denkt). Wasser gibt es an dieser Tankstelle auch (das wird auf unserer Tour manchmal zu einem kleinen Problem werden, denn
nicht überall kann man Wasser auffüllen!), so dass unser Wassertank auch wieder rasch voll ist. Wir haben uns nur gewundert, wieso wir so schnell das kostbare Nass nachfüllen mussten, denn
unserem Gefühl nach haben wir noch gar nicht so viel verbraucht. Dann bemerkt Horst, dass aus der Entlüftung des Wassertanks ständig Wasser herausläuft. Hier liegt also das Problem, dass wir aber
etwas später auf unnachahmliche Weise lösen: wir kleben während der Fahrt einfach Kaugummi auf die Öffnung und stabilisieren das Ganze mit einen Taschentuch. Nun ist es zwar immer noch nicht
absolut dicht, wir verlieren aber wesentlich weniger Wasser. Wir müssen ab jetzt nur immer daran denken, die Öffnung der Belüftung frei zu machen, damit die Pumpe Wasser ansaugen kann. Falls wir
das mal vergessen, macht sie sich aber sofort mit lauteren Geräuschen bemerkbar, so dass es uns spätestens dann auffällt.
Weiter geht es bei strahlendem Sonnenschein und goldgelber Laubfärbung Richtung Parkeingang. Unterwegs haben auch hier viele Campgrounds schon geschlossen oder schließen in den
nächsten Tagen. Uns fällt auf, dass die allermeisten unmittelbar am Highway liegen, also ziemlich laut sein werden. Gegen 11.30 Uhr sind wir dann an der Visitor-Info. Jeder Besucher, der auf die
Straße zum Park einbiegt, wird durch ein großes Schild dazu aufgefordert, hier anzuhalten. Heute ist der erste Tag, an dem die glücklichen Losgewinner die Parkstraße bis zum Wonderlake ganz am
Ende befahren dürfen. Sie erhalten hier eine Kennzeichnung für ihr Fahrzeug, die gut sichtbar an der Frontscheibe ihres Autos angebracht werden muss und mit einer "1" für den ersten Tag
gekennzeichnet ist. Für alle anderen, die nicht unter den Losgewinnern sind, ist bei der Kontrollstelle am Savage Creek Schluss, es sei denn, man hat einen Platz auf dem
Teklalina-River-Campground reserviert. Dann darf man mit einem speziellen Permit bis dorthin fahren. Das Permit gilt aber nur für die Hin- und Rückfahrt. D.h., wenn man auf dem Campground
angekommen ist, muss man sein Fahrzeug dort abstellen und darf es erst wieder für die Rückfahrt benutzen, man kann also nicht einfach auf der Parkstraße hin- und herfahren. Auf diese Weise will
man den Verkehr regulieren und in engen Grenzen halten. Normalerweise erhält man für dieses Camp im Sommer auch nur ein Permit, wenn man mindestens drei Tage reserviert.
Wir sehen uns erst einmal in aller Ruhe im Info-Gebäude um und sammeln Kartenmaterial. Nach dem Mittagessen fahren wir noch einmal zur Infostelle, kaufen ein Permit für das
Befahren der Parkstraße, und mit einem Riesenglück gelingt es uns dann sogar noch, wegen einer Absage den letzten Stellplatz auf dem Teklalina-River-Campground zu bekommen. Die Dame hinter dem
Schalter guckt Horst leicht irritiert an, als der noch zögert (später wissen wir auch warum). Die anschließende Fahrt über die Parkstraße ist eine Traumreise, die wir bei strahlend blauem Himmel
und herbstlichen Sonnenschein genießen. Hier oben ist es schon ziemlich frisch (die Schneefallgrenze liegt bei ungefähr 800 m), und man muss sich schon warm anziehen. Nach dem Überqueren der
Gleise der Alaska-Railroad steigt die Straße an, und wir fahren zunächst durch einen noch relativ dichten Taigawald, der bald immer spärlicher wird. Kurz darauf haben wir die Baumgrenze erreicht
und fahren von nun an, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durch unendliches Tundragebiet. Das Bergpanorama rechts und links der Straße verleitet uns immer wieder zum Anhalten, um Fotos und
Filmaufnahmen zu machen. Diese grandiose Aussicht werden die allermeisten Besucher des Parks nicht genießen können, da hier die Berge meistens wolkenverhangen sind und es oft regnet. Laut
Wetterbericht soll es die nächsten beiden Tage noch so schön bleiben, so stand es zumindestens im Wetterbericht, den ich vorhin im Visitor-Center gelesen habe. Allmählich kommt dann auch der in
der Sonne glänzende mit Schnee bedeckte Gipfel des Denali in Sicht. Vom Parkeingang aus ist er noch nicht zu sehen. Bei diesem Traumpanorama könnte man die Videokamera pausenlos laufen lassen!
Immer wieder halten wir an den Berghängen Ausschau nach Bären, bekommen aber leider keine zu Gesicht. Vielleicht haben sie sich wegen des unmittelbar hier bevorstehenden Wintereinbruchs doch
schon in ihre Höhlen zurückgezogen. Gegen 17.30 Uhr haben wir auf der Gravelroad den Campground erreicht, der 28 Meilen vom Eingang entfernt liegt. Am Savage River wurden wir kontrolliert, ob wir
auch ein gültiges Permit für die nachfolgende Strecke haben. Außerdem ermahnte man uns, mit Licht und äußerst vorsichtig auf der nun noch schlechter werdenden Holperstrecke zu fahren. Vom
Campground selbst sind wir zunächst etwas enttäuscht. Die 50 Stellplätze liegen mangels Bäumen hier oben relativ dicht beieinander und sind nur durch niedrige Büsche getrennt. Sie sind bis auf
eine Handvoll schon alle besetzt, und wir suchen uns nun von dem spärlichen Rest noch den schönsten aus. Schräg gegenüber unserem Stellplatz hat jemand seinen Generator angeworfen. Hier oben ist
es mächtig kalt, so dass wir als allererstes die Heizung in Betrieb nehmen. Man glaubt es kaum, aber hier übernachten sogar noch Touristen im Zelt, für mich bei dieser Kälte unvorstellbar.
Beim Abendimbiss ziehen einige dick vermummte Camper, bewaffnet mit Kamera und Fernglas an unserem abgestellten Häuschen vorbei. Wo wollen die bloß hin? Wahrscheinlich gleich den
Sonnenuntergang beobachten. Wir beeilen uns, und ziehen dann auch unsere dicken Winterpullover an, denn es ist trotz der Taghelle schon bitterkalt. Hier oben kommen sogar dann meine mitgebrachten
Handschuhe und der dicke Schal zum Einsatz, bei deren Einpacken Horst zuhause noch schallend gelacht hat. Nun lacht er nicht mehr so laut, denn in seinem Gepäck sind diese Dinge nicht vorhanden.
Wir schlendern über den Campground und stoßen schon bald auf das weite Kiesbett eines großen Flusses. Aus der jetzt von der Abendsonne rosa angestrahlten tiefverschneiten Bergkette am Horizont
strömen um diese Jahreszeit nur noch wenige kleine Flussarme durch das weite Tal. Das allererste, was mir ins Auge springt, sind deutlich sichtbare Bärenspuren! "Kann nicht sein", ist der erste
Kommentar von Horst "die liegen bei dieser grimmigen Kälte doch alle schon im Winterschlaf", und schon stolpert er über eine ausgegrabene und angefressene Wurzel im Kies. Jetzt ist er auch wie
ich elektrisiert. Hier gibt es tatsächlich Bären, und der Bärenhaufen, der kurz darauf vor unseren Füßen liegt, ist nur wenige Stunden alt! Bei unserem Streifzug durch das Flussbett sind wir
jetzt wachsam und suchen die Gegend erst einmal mit dem Fernglas ab. Nichts! Kurz darauf kommt ein deutsches Ehepaar über das Geröll den Fluss hinauf. Beide haben eine Film- und Fotoausrüstung
dabei. Wir kommen mit den beiden ins Gespräch, und sie erzählen uns, dass vor eineinhalb Stunden hier mehrere Grizzlys gewesen sind, unter anderem auch eine Bärin mit zwei verschiedenfarbigen
Jungen! Nun sind wir natürlich vollends aus dem Häuschen und hoffen inständig, sie heute Abend im Sonnenuntergang vor der Traumkulisse der Berge auch noch zu sehen. Nach einer weiteren halben
Stunde sind wir total durchgefroren, und außerdem wird es so langsam dunkel. Bären bekommen wir zu unserer großen Enttäuschung nicht mehr zu Gesicht. Morgen früh wollen wir dann früh aus den
Federn und dann hier noch einmal auf "Bärenjagd" gehen. Jetzt freuen wir uns erst mal auf unseren warmen Camper. Um uns herum herrscht eine urige Atmosphäre: Zelter, die in der Abenddämmerung
draußen ihr Essen kochen; Wohnmobilisten, aus deren Behausung das leise Geräusch der ständig laufenden Gasheizung dringt und dazwischen zahlreiche Lagerfeuer (das Betreiben von Generatoren ist ab
20 Uhr wegen Nachtruhe verboten). Müde und doch noch aufgekratzt von diesem ereignisreichen Tag mit all seinen unvergesslichen Eindrücken rollen wir uns im Schlafsack zusammen. Die Heizung wird
heute Nacht sicherlich mehr laufen als stillstehen. Irgendwann in der Nacht werde ich wach und will einen Blick nach draußen werfen. Geht nicht, denn an der Innenseite der Scheiben hier oben im
Alkoven haben sich trotz der fast ständig laufenden Heizung überall Eisblumen gebildet! Ich taue mir ein Loch auf und blinzle nach draußen. Atemberaubend der Ausblick, der sich mir da bietet: Es
ist Vollmond, und mein Blick fällt auf eine schneebedeckte im Mondschein liegende Bergkette. Am liebsten würde ich ja jetzt nach draußen gehen, aber der Gedanke an die Eisschranktemperaturen
lässt mich dann wieder in den warmen Schlafsack kriechen. Bald darauf bin ich wieder eingeschlafen und träume von kleinen und großen Bären, Schneebergen, Flugzeugen, Wäldern und Seen.