Mittwoch, 20.9.00
- 140 Meilen = 224 km -

Nach dem aufregenden gestrigen Abend verlief die Nacht dann doch noch ruhig. Noch vor dem Frühstück geht Horst auf "Spionage-Tour", um nach den Neuankömmlingen von gestern abend zu sehen. Es sind wirklich harmlose Camper, wie er bei seiner Rückkehr berichtet. Der Himmel ist von dichten Wolken bedeckt, aber es bleibt trocken. Als wir gegen 9 Uhr losfahren, schauen wir noch kurz bei den Zeltern vorbei, um zu fragen, ob sie nun ein Stück mitfahren wollen. Sie liegen noch im Tiefschlaf, und aus einem Auto ist lautes Schnarchen zu hören. Dann geht es wieder über den wunderschönen Richardson Hwy, aber diesmal bei nicht ganz so gutem Wetter. Wir haben aber immer noch phantastische Aussicht auf die Eisriesen der Wrangel-Mountains, die teilweise über 5.000 m hoch sind. In Glennalen biegen wir dann auf den Glenn Hwy. Richtung Anchorage ab, nachdem wir zuvor im dortigen Supermarkt unsere Lebensmittel aufgefrischt haben. Im Rückspiegel sehen wir noch lange den eisgepanzerten Mt. Wrangel und die anderen Berge dieses Gebirges. Am wunderschönen von buntem Herbstwald umgebenen Moose-Lake gibt es einen Mittagsimbiss, während draußen vor der Tür die Moskitos schwirren.

Bei unserer Weiterfahrt durch ein großes Waldgebiet haben wir wunderbare Ausblicke auf die schneebedeckten Berge der Klutina-Mountains links am Horizont. Entgegen unserer ursprünglichen Absicht entscheiden wir uns dann von einer Minute zur anderen, doch noch einen Abstecher zum Lake Louise zu machen. Nach einer 30 minütigen Fahrt auf einer Schotterstraße mit immer wieder schönen Aussichten, sind wir vom See so begeistert, dass wir dann auch noch kurz entschlossen beschließen, die heutige Nacht hier zu verbringen. Hier oben am See ist es übrigens auch ziemlich kalt, denn Pfützen und kleinere Wasserrinnen sind fast alle mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Am Ufer des riesigen Sees stehen im Wald überall versteckt Häuser, zum Teil auch auf den bewaldeten Inselchen mitten im See. In unmittelbarer Nähe des Campgroundes (die Übernachtung kostet 10 Dollar), liegt auf einem kleinen Hügel eine Lodge mit traumhaftem Ausblick über den See mit seinen kleinen Inseln, während in der Ferne der Mt. Wrangel aus den Wolken hervorblitzt. Trotz Moskitos lassen wir es uns nicht nehmen, am Seeufer einen Spaziergang zu machen und treffen auf zwei Angler, die gerade mit einer frischgefangenen riesengroßen Forelle zu ihrem Auto gehen. Auf unserem Rückweg zum Wohnmobil sitzen sie schon am Lagerfeuer und verspeisen gerade den frisch gegrillten Fisch. Als wir bei einsetzender Dämmerung gerade zu Abend essen, spaziert nur wenige Meter an unserem Häuschen ein großer Rotfuchs vorbei, der sich einen kurzen Augenblick lang diese merkwürdigen Touristen ansieht, bevor er wieder im Gebüsch verschwindet. Heute haben wir es dann endlich einmal geschafft: Wir stehen mutterseelenallein auf dem Campground. So ganz geheuer ist mir das nach dem gestrigen Abend zwar nicht, aber die unmittelbare Anwesenheit von Menschen in der Lodge ist dann doch beruhigend.



Donnerstag, 21.9.00
- 284 Meilen = 454 km -

Kurz nach 8.00 Uhr sind wir heute morgen schon abmarschbereit. Heute Nacht hat es einige Regenschauer gegeben, und nun ist es stark bewölkt aber trocken. Die Sicht ist aber noch gut, und man kann sogar noch das Wrangel Gebirge sehen. Außerdem ist es nicht mehr ganz so kalt wie gestern. In einer Zeitung im Supermarkt haben wir gestern gelesen, dass den USA angeblich der strengste Winter seit Jahrzehnten bevorstehen soll. Gegen 9.00 Uhr sind wir wieder auf dem Glenn Hwy., das Wetter hat sich gebessert, und wir haben einen herrlichen Ausblick auf den riesigen Tazlina Gletscher, dessen Eisfeld im Sonnenschein funkelt. Wir durchfahren ein großes Waldgebiet mit spargelähnlichen Engelmannsfichten. Weiter geht die Fahrt an der von der Sonne beschienenen, schneebe- deckten Gebirgskette der Chugach Mountains entlang. Immer wieder werden wir zu Fotostops verführt, und die Filmkamera kommt natürlich auch zum Einsatz. Urplötzlich endet der bisher gut ausgebaute Highway dann abrupt, und geht in eine schmale Landstraße über, die sich die Berge hinaufschraubt, um sich dann wieder kurvenreich ins Tal zu winden. Sie führt in der Nähe des Ausläufers des Matanuska-Gletschers vorbei. Die Landschaft um uns herum leuchtet in den schönsten Herbstfarben. Die Straße bleibt bis kurz vor Palmer so schmal, nur der Verkehr nimmt zu. Ab und zu tauchen am Straßenrand mehr oder weniger verfallene Häuser auf. Als wir dann Palmer erreicht haben, zieht an den vor uns liegenden Berghängen eine seltsame Dunstwolke entlang, und plötzlich erfassen uns heftige Windböen, die unser Wohnmobil zum Schaukeln bringen. Der Wind wird unsere Fahrt bis zum Abend begleiten. Horst hat manchmal ziemliche Mühe mit der Lenkung, da die Böen teilweise sehr stark sind.

Der Highway nach Anchorage hinein zieht sich sehr in die Länge. Von der Hinfahrt haben wir das so gar nicht mehr in Erinnerung. Schließlich haben wir dann doch die City erreicht und brummen mit unserem Camper mitten durch die verkehrsreiche Stadt auf dem Seward Hwy. Richtung Süden. Auch hier pfeift uns der Wind heftig um die Ohren, und erst recht, als wir den Turnagain-Arm, einen fjordähnlichen Meeresarm, erreicht haben. Inzwischen hat sich der zuvor blaue Himmel wieder restlos zugezogen. Zum Glück regnet es aber nicht. Der Highway schlängelt sich unmittelbar am Ufer des Fjords entlang. Dieser Meeresarm hat eine der weltgrößten Gezeitenhöhen (bis 10 m!). Überall im Schlick (z. Zt. ist gerade Ebbe) stehen Warntafeln, die auf die Gefahren beim Betreten des Sandes hinweisen. Teilweise handelt es sich um Treibsand, aus dem man sich bei einsetzender Flut nicht mehr retten kann. Hier auf dem Seward Highway herrscht äußerst reger Verkehr, fast so, wie bei uns in Europa. Uns fällt sofort auf, dass die staatlichen Campgrounds hier alle schon geschlossen haben. Eigentlich hatten wir gedacht, dass wegen des höheren Touristenaufkommens auf der Kenai-Halbinsel dort mehr Campgrounds offen sein würden, als oben im Norden. Das kann ja in den nächsten Tagen für uns noch heiter werden. Wo werden wir dann übernachten können? Nach dem Mittagessen am Fjord geht es weiter Richtung Süden. Die Straße zum Portagegletscher, der mit dem gleichnamigen See und seinen darin schwimmenden Eisbergen ein beliebtes Ausflugsziel ist, schenken wir uns, da das gesamte Tal bis fast in Bodennähe durch eine dicke Wolkenschicht bedeckt ist. Nun führt der Seward Hwy. nur noch wenige Meilen am Meeresufer entlang und macht dann eine Biegung in die Berge hinein. Die Landschaft hier ähnelt nun wieder der der Rocky Mountains. Hier gibt es dann hinter der nächsten Kurve auch wieder dichten grünen Nadelwald. Aber die vielen Autos....... Als wir die Tern Lake Junction erreichen, biegen wir hier auf den Sterling Highway ab, der in das bekannteste Lachsfanggebiet Alaskas führt, an den Kenai- und Russian River. Laut unserem Reiseführer herrscht hier während der Hauptwanderzeit der Lachse im Sommer auf dem Highway Stop- and Go-Verkehr, und zeitweise geht dann gar nichts mehr. Mit anderen Worten: Hier ist dann die Hölle los! Uns reicht der Verkehr eigentlich jetzt schon vollkommen. An den Ufern der Lachsflüsse stehen die Angler in der Saison dann Schulter an Schulter und übertrumpfen sich gegenseitig mit ihren gefangenen Lachsen. Schrecklich! In Cooper Landing reiht sich ein Angelcamp an das andere, und wir können uns so ungefähr vorstellen, wie es hier im Sommer aussieht.

Kurze Zeit später biegen wir vom Highway auf eine kleine Nebenstraße ab, die zum Russian-River-Campground führt. Ein Superplatz ,und er hat sogar noch geöffnet. Uns ist es auch völlig egal, dass hier mal wieder kein Service (sprich Wasserversorgung oder ähnliches) geboten wird. Dafür können wir umsonst stehen bleiben. Der Campground ist entlang des Russian Rivers angelegt, und wir haben das "seltene" Glück, einen von den 84 freien Plätzen zu ergattern. Mit uns steht nur noch ein einziger Camper hier. Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt haben, machen wir noch einen kurzen Spaziergang zum Fluss, an dessen Ufer es fürchterlich nach toten Lachsen stinkt. Überall in Ufernähe und auch im Wasser liegen welche. Wir bekommen dann einen einzigen Sockeye-Lachs zu Gesicht, der einsam gegen die Strömung den Fluss hochschwimmt. Im Wasser werfen zwei Angler ihre Angelschnüre aus und fangen tatsächlich eine prächtige Forelle. Die werfen sie aber wieder ins Wasser zurück, nachdem sie ihren Fang fotografiert haben. Sie wollen einen Silberlachs fangen, den es hier um diese Jahreszeit noch geben soll. Der Russian River ist bekannt dafür, dass sich zur Lachswanderzeit hier Bären am Fluss und auch auf dem Campground herumtreiben. Wir sind leider dafür zu spät gekommen. Als ich abends mein Tagebuch schreibe, stürmt und regnet es.



Freitag, 22.9.00
- 143 Meilen = 229 km -

So langsam werden wir zu Langschläfern und werden heute erst gegen 7.45 Uhr wach. Heute Nacht hat heftiger Regen auf unser Dach getrommelt. Aber oh Wunder, jetzt haben wir nur leichte Bewölkung mit blauem Himmel dazwischen. Es scheint ja doch noch ein schöner Tag zu werden, und es ist sogar relativ warm. Unsere Fahrt geht heute in Richtung Homer. Wir sehen überall am Ufer des Kenai-Flusses Angler stehen, die dort ihr Glück versuchen. Offensichtlich ist die Fischsaison hier doch noch nicht zu Ende. Der Highway ist auch heute wieder stark befahren. Uns gefällt es hier aus diesem Grunde ganz und gar nicht, obwohl die herbstlich getönte Landschaft sehr schön ist. Aber das Ganze entspricht einfach ganz und gar nicht unserer Vorstellung von der Einsamkeit Alaskas. Dann taucht plötzlich am Horizont von einer Minute zur anderen ein schneebedeckter Berg auf, der wie ein Vulkankegel wirkt (später stellt sich heraus, dass es sich wirklich um einen solchen handelt, nämlich den Redoubt Mountain im Lake-Clark-Nationalpark auf der gegenüberliegenden Seite der Kenai-Halbinsel). In Soldotna, einem geschäftigen kleinen Örtchen mit einer vierspurigen (!!!) Straße füllen wir den leeren Wassertank wieder auf und gehen dann noch in den für diese Ortschaft riesig dimensionierten Supermarkt, wo es endlich einmal geräucherten Lachs zu halbwegs annehmbaren Preisen gibt. Kurz hinter dem 4.000 Einwohner zählenden Ort wird die Straße dann wieder zweispurig und führt durch dichten Herbstwald, ansonsten hat sie wenig Sehenswertes zu bieten. Sie ist relativ flach, nur hin und wieder sind vereinzelt kleinere Berge am Horizont zu sehen. Später führt die Straße fast unmittelbar am Cook Inlet vorbei. Leider hat sich die Bewölkung mittlerweile verdichtet, und wir haben nur noch eingeschränkte Sicht auf die schneebedeckten Berge des gegenüberliegenden Lake-Clark-Nationalparks. Es ist trotzdem noch ein schöner Anblick, und wir sind froh, dass es nicht regnet. Die Strände des Cook Inlets sind dafür bekannt, dass man schmackhafte Muscheln (Clams) aus dem Sand graben kann. Die russisch-orthodoxe Kirche mit dem kleinen sehenswerten Friedhof in Ninilchik, einem 1820 erbauten Russendorf, wollen wir dann auf unserer Rücktour besuchen. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir das kleine Städtchen Homer, das trotz Saisonende noch sehr geschäftigt wirkt. Der Ort ist im Sommer vor allem wegen seiner riesigen Heilbutt-Fänge bekannt. Wenn wir hier keinen Stellplatz finden sollten, werden wir nachher nach Anchor Point zurückfahren, wo es einen Campground am gleichnamigen Fluss gibt, der hauptsächlich von Anglern benutzt wird. Auf dem Weg zum Homer-Spit, einer windumtosten Landzunge in der Kachemak-Bucht, führt die Straße mitten durch einen See, an dessen Ufer zahlreiche Wasserflugzeuge festgemacht haben. Am Ende dieser Landzunge endet der Sterling Hwy. am Fährterminal, von dem aus man u. a. nach Kodiak fahren kann. Die Straße wird rechts und links vom Fjord eingefasst. Wir kommen an den üblichen Hafenanlagen vorbei, und auch einen einfachen Campground gibt es hier (eigentlich nur ein Parkplatz). Kurz vor Straßenende sind rechts und links kleine Holzhäuschen auf Stelzen in den Sand gesetzt. Sie sind durch Holzstege verbunden. In ihnen sind Restaurants, Souvenirgeschäfte und vor allem Fish-Charter-Büros untergebracht. Einige bieten auch Flüge mit garantierter Bärenbeobachtung auf Kodiak-Island oder im Katmai-Park an.
In den Schaufenstern der Chartergesellschaften zeugen Bilder von den beeindruckenden Heilbuttfängen. Die sind zum Teil gigantisch groß. Wir können uns kaum vorstellen, dass es so große Fische geben soll. Inzwischen ist die Fischsaison aber auch hier so gut wie zu Ende. Es ist mittlerweile immer grauer geworden und fängt an zu regnen. Da wir die 14 Meilen bis Anchor Point nun doch nicht mehr zurückfahren wollen, zumal wir uns morgen noch ein wenig in Homer umsehen wollen, stellen wir den Camper kurze Zeit später bei strömendem Regen bei "Pier 1" (so steht es auf einem alten verrosteten Eisenschild) auf dem Campground direkt am Cook Inlet ab. Die Atmosphäre hier ist urig, und wir genießen bei prasselndem Regen und Ausblick auf den Fjord unseren geräucherten Lachs bei einem Glas Rotwein. Was geht es uns gut, während die Angler draußen, dick verpackt in Regenzeug und Gummistiefeln. am Pier stehen und erst noch ihr Abendessen fangen müssen. Hoffentlich regnet es für die restlichen Tage unserer Reise nicht noch weiter, obwohl das für Alaska und vor allem für die Küste durchaus normales Wetter wäre.



Samstag, 23.9.00
- 159 Meilen = 254 km -

Mit nur wenigen Unterbrechungen hat es die ganze Nacht geregnet. Als wir die Rollos hochziehen, reicht die Sicht gerade mal bis zum Wasser. Beim Frühstück mit frisch aufgebackenen Brötchen aus der Mikrowelle trommelt der Regen fröhlich auf unser Wohnmobildach. Nur wir sind darüber nicht gerade begeistert. Am Rand der nahen Lagune stehen schon wieder zahlreiche Angler im strömenden Regen. Wir tanken noch einmal Wasser nach (man weiß ja nie, wo es das nächste Mal etwas gibt)und fahren noch einmal zum Fährterminal. Seit gestern haben wir unsere 1400 Freimeilen erreicht und müssen nun für jede gefahrene Meile am Ende unserer Reise 15 Cents dazubezahlen. Bei dem miesen Wetter kommen unsere Regenjacken heute zum ersten Mal zum Einsatz. Eigentlich hatten wir gehofft, sie unbenutzt wieder mit nach Hause nehmen zu können. Aber daraus wird ja nun nichts werden. Beim Stöbern in dem kleinen Buchladen im Einkaufszentrum werden wir bei Büchern natürlich wieder fündig. Als wir bepackt mit Büchern und Kalendern wieder zum Camper gehen, regnet es in Strömen. Um die Mittagszeit verlassen wir Homer wieder. Auf unserem Rückweg haben wir zeitweilig wegen tief hängender Wolken kaum mehr Sicht als 20 m. Nur gut, dass wir gestern noch einige Fotos vom Cook Inlet gemacht haben, heute wäre das unmöglich gewesen. Von der restlichen Fahrt ist aufgrund des schlechten Wetters dann nichts Nennenswertes mehr zu berichten. Es ist und bleibt den ganzen Tag lang nass. Der Rückweg führt uns über den Ort Kenai mit seinen 6.000 Einwohnern. Wir halten uns dort erst gar nicht lange auf, da es uns viel zu städtisch vorkommt. Dann fahren wir über eine Querverbindungsstraße nach Soldotna. Im Radio habe ich gerade den Wetterbericht für die Kenai-Halbinsel gehört. Das schlechte Regenwetter soll noch bis Dienstag dauern. Na prima, dann werden wir ja auch Seward im Regen erleben. Kurz hinter Sterling halten wir an der East-Fork des Moose River. Es ist ein kleiner unscheinbarer Bach, der sich da durch das Gras schlängelt, und in dem sich zahlreiche "Red Sockeyes" also rote Lachse, ihren Weg flussaufwärts bahnen. Es ist ein tolles Schauspiel, auch wenn es von Himmel hoch regnet und wir von oben und unten nass werden. 20 Minuten später haben wir dann wieder den Campground am Russian River erreicht, auf dem heute zu unserem großen Erstaunen zahlreiche Camper stehen.





MAI   2013

Polarlicht Alaska / Kanada
Polarlicht Norwegen