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1998 BC und Alberta

1997 Toronto u. Westkanada

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1995 Westkanada

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Donnerstag, 5.6.97 - km 17.157 - B 06058
- Calgary, Banff National Park, Lake Louise -

Um 8.15 Uhr fährt uns ein Taxi zum Flughafen. Der Fahrer hat uns leider an den Schaltern für internationale Flüge abgesetzt, so dass wir mit unserem ganzen Gepäck quer durch die große Flughafenhalle zum richtigen Abflugschalter laufen müssen. Auf dem Flug nach Calgary sind die begehrten Fensterplätze leider schon alle ausgebucht. Wir sitzen in der Boing 767-200 buchstäblich in der letzten Reihe. Hinter uns gibt es nur noch die Bordküche. Ironie des Schicksals, wir sind auch die letzten, die Essen bekommen. Nach einer Flugzeit von 3 Stunden und 40 Minuten landen wir in Calgary. Hier sind dicke Regenwolken am Himmel, und es ist auch kühler, regnet aber nicht. Unsere Koffer kommen fast ganz zum Schluss vom Band (alles andere hätte mich auf diesem Flug auch gewundert). Am Hertz-Autoschalter erhalten wir unsere Papiere und die Schlüssel für unseren Mietwagen (Ford Mustique). In diesem Urlaub werden wir im Gegensatz zum letzten mal nur 200 km pro Tag frei haben, müssen also unsere tägliche Fahrleistung etwas im Auge behalten. Auf dem Parkplatz laufen wir zuerst am Auto vorbei, da die vorderen Nummernschilder fehlen. Erst dann fällt uns auf, dass die Autos in Alberta alle vorne keine haben. Schließlich haben wir unseren Begleiter für die nächsten Wochen gefunden und laden unser Gepäck ins Auto. Sogar mein Riesenkoffer passt in den Kofferraum (Glück gehabt!), dann sausen wir los. Wegen der schlechten Beschilderung verfahren wir uns prompt und fahren nördlich an Calgary vorbei durch eine schöne Landschaft auf die 1 a in Richtung Rocky Mountains. Durch die Wolken hindurch kann man am Horizont schon die schneebedeckten Berge erkennen, bei deren Anblick ich mich gleich viel wohler als in Toronto fühle. Auf einer einsamen Straße unterwegs geraten wir in eine Polizeikontrolle, die die Gurtpflicht überprüft. Am Parkeingang zum Banff-Nationalpark berappen wir für den Eintritt 70 Dollar, dafür gilt die Plakette aber auch für alle Nationalparks und verliert die Gültigkeit erst im Juni nächsten Jahres. D. h., spätestens nächstes Jahr um diese Zeit müssen wir wieder hier an Ort und Stelle sein! Hier in der Nähe von Banff scheint die Sonne zwischen den Wolken, und gegen 16.30 Uhr erreichen wir dann die Baker-Creek-Chalets, wo wir schon auf unserer letzten Reise gewohnt haben. Da sich hier bis zum Wochenende eine Hochzeitsgesellschaft eingenistet hat, sind die wunderschönen Blockhäuser bis auf eine kleine Hütte alle besetzt. Zuerst sind wir etwas enttäuscht, aber dann fühlen wir uns in unserer gemütlichen Behausung ganz wohl. Wir wollen hier gleich zwei Tage bleiben. Das einzige, was uns an unserer Unterkunft stört, ist das winzig kleine Badezimmer, das außerdem auch eine Renovierung gebrauchen könnte. Alles ist aber sehr sauber. Nachdem wir unser Gepäck ausgeladen haben, fahren wir nach Lake Louis zum Einkaufen, denn ab sofort müssen wir unser Frühstück selbst fabrizieren. Der einzige Supermarkt am Ort wird gerade umgebaut und sieht aus wie eine Baustelle. Außerdem sind die Preise hier ziemlich hoch. Nachdem wir uns mit Lebensmitteln eingedeckt und eine Telefonkarte gekauft haben, fahren wir zu den Patricia Bungalows. Die Blockhäuschen liegen mitten im Wald und haben einen herrlichen Ausblick auf ein bewaldetes Tal. Hier werden wir Samstag und Sonntag bleiben, denn im Baker Creek ist nichts mehr frei. Die nächsten Tage wollen wir uns die Gegend hier gründlicher ansehen als bei unserem ersten Besuch. Draußen ist es inzwischen ziemlich frisch geworden, und ein T-Shirt reicht nicht mehr aus. Wir fahren zurück zu unserer Hütte und hoffen, unterwegs "unserem" Grizzly zu begegnen. Der letzte Winter hat hier in Kanada außergewöhnlich lange gedauert und war wohl sehr kalt. So langsam kehrt erst Frühling ein, und die Berge sind teilweise noch dick verschneit. Wir glauben nicht, dass schon viele Bären hier im Tal zu sehen sein werden. Nach dem Abendessen blättere ich noch in dem in der Hütte ausliegenden Gästebuch, während Horst schon tief und fest schläft. Der Zeitunterschied zu Toronto beträgt noch einmal zwei Stunden, so dass wir jetzt insgesamt acht Stunden haben. Unser Bett ist furchtbar hart und das Oberbett viel zu warm (das scheint dem Tagebuch nach außer mir schon vielen anderen Hüttenbewohnern ähnlich aufgefallen zu sein). Trotzdem schlafe ich einigermaßen gut, während draußen der Regen aufs Dach trommelt.



Freitag, 6.6.97
- km 17.395 -
- Lake Louise, Banff, Sulphur Mountain, Bow-Falls, Johnston Canyon -

Um 5.30 Uhr ist für uns die Nacht vorbei. Draußen ist es diesig, aber es regnet nicht. Gegen 8.00 Uhr haben wir strahlend blauen Himmel mit kleinen weißen Wölkchen. Es ist zwar frisch, aber für die Berge einfach ein Traumwetter. Wir fahren nach dem Frühstück zunächst nach Lake Louis und lassen uns bei der dortigen Information einen neuen gültigen Übernachtungsführer für Alberta geben (meiner stammt noch aus 1995). Dann geht's weiter zum Lake Louise. An den Straßenrändern liegen noch große Schneereste, und die Bäume und Büsche werden gerade erst grün. Hier ist die Natur doch noch weit zurück. Auch am See ist es noch ziemlich kalt, am rechten Seeufer treiben noch kleine Eisschollen auf dem Wasser. Ansonsten ist der See aber schon eisfrei. Heute sind hier längst nicht so viele Touristen wie vor zwei Jahren. Unsere Freunde, die putzigen Erdhörnchen, haben sich auch wieder am Wegrand aufgebaut und beäugen neugierig die vorbeigehenden Menschen. Nach einem kurzen Spaziergang am Seeufer entlang fahren wir bei strahlendem Sonnenschein auf der alten 1 a in Richtung Banff. Nach dem Mittagessen bummeln wir noch etwas durch die Stadt. Ich bleibe natürlich wieder mal im Weihnachtsladen hängen. Anschließend fahren wir zum Parkplatz des Sulphur Mountain. Von dort aus kann man in zwei Stunden auf den Berg klettern oder für 12,50 Dollar pro Person mit der Gondel hinauffahren. Wir entschließen uns fürs Klettern. Auf halber Wegstrecke gebe ich auf, denn ich habe rasende Kopfschmerzen, die beim Abstieg allmählich wieder verschwinden. Ich scheine mich noch nicht an die Höhenluft gewöhnt zu haben. Außerdem lässt meine Kondition einiges zu wünschen übrig. Anschließend besichtigen wir die Bow-Falls und fahren dann die kurze Strecke bis zum Banff-Springs-Hotel, wo wir damals nicht gewesen sind. Es ist schon ein beeindruckendes Bauwerk. Mit einem schönen Blick auf das Tal genießen wir einen Drink auf der Terrasse. Im Untergeschoss des Hotels gibt es eine große verzweigte Ladenstraße mit allen möglichen Geschäften. Gegen 18.00 Uhr machen wir uns auf die Rückfahrt zu unserem Blockhäuschen. Zuvor frischen wir aber noch unsere Lebensmittelvorräte in Banff auf und legen uns auch dort Kühlakkus für unsere mitgebrachte Kühltasche zu. Unterwegs stoppen wir noch am Johnston-Canyon. Weil es schon spät ist, können wir nur bis zu den unteren Wasserfällen laufen. Der Weg zu den oberen 30 m hohen Fällen dauert hin und zurück ca. 3 Stunden. Dafür reicht unsere Zeit heute nicht mehr. Der Weg führt in einer wunderschönen Schlucht teilweise direkt am tosenden Wasser vorbei. Von der am Canyon liegenden Lodge mit Hütten nehmen wir uns noch einen Prospekt mit und landen gegen 20.30 Uhr wieder wohlbehalten am Baker Creek. Während Horst noch einen kurzen Spaziergang durch die Anlage macht, lese ich noch ein wenig. Dann fallen uns beiden vor Müdigkeit die Augen zu. Wieder geht ein "bärenloser" Tag zu Ende.



Samstag, 7.6.97 - km 17.546 -
- Lake Louise, Moraine Lake, Emerald Lake -

Heute morgen scheint wieder die Sonne vom Himmel, aber es ist wärmer als gestern. In Lake Louis tanken wir unseren fahrbaren Untersatz auf und telefonieren nach Hause. Dort sind sie bei 30 C; mächtig ins Schwitzen geraten. Wir sind froh, dass es bei uns wesentlich kühler ist. Für Hitze sind wir sowieso nicht zu haben. Unsere heutige Tour führt zunächst zum Moraine-Lake, der noch fast zugefroren ist! Am Seeufer liegt der Schnee im Wald teilweise noch bis zu 50 cm hoch! Wir laufen bis zum Ende des Sees und sind froh, dass wir unsere dicken Jacken angezogen haben. Schon bei unserem ersten Besuch vor zwei Jahren war es hier oben relativ kalt und die Natur viel weiter zurück als am Lake Louise. Aber heute herrscht hier fast noch Winter. Auf dem See versuchen zwei Kanufahrer mit ihren Booten durch die aufbrechenden Eisschollen zu fahren. Weit kommen sie dabei nicht. Die Eisdecke ist noch zu fest. Nach einem kleinen Mittagessen fahren wir auf der alten 1 a (einer Nebenstrecke vom Highway 1) in Richtung Emerald Lake. An der Kicking-Horse-Divide, einer Wasserscheide, ist unser nächster Halt. Dort wird an einem Bachlauf eindrucksvoll demonstriert, wie sich der Wasserweg in Richtung Atlantik und Pazifik aufteilt. Die eine Hälfte des Baches fließt 2.500 km weit zum Pazifik, die andere in Richtung Atlantik (1.950 km bis in den Hudson, der in den Atlantik mündet). Auf der Weiterfahrt steht plötzlich ein Wohnmobil mit roten Bremslichtern am Straßenrand. Bärenalarm! Mutter Bär tapst mit zwei kleineren Bären über die Straße auf das Wohnmobil zu. Sie scheinen schon einmal gefüttert worden zu sein, denn sie zeigen keinerlei Scheu vor Menschen oder Autos. Arme Bären. Große Überlebungschancen haben sie damit nicht mehr. Denn irgendwann werden sie aggressiv reagieren und müssen dann abgeschossen werden. Horst hat natürlich seinen Fotoapparat nicht startklar (wir hatten aber auch gar nicht mit Bären gerechnet). Als noch weitere Autos stoppen, rennen die Bären ins Gebüsch, und zwei Autos folgen ihnen auf einem Schotterweg! Wir fahren weiter zum Emerald Lake. Der dortige Parkplatz ist fast voll. Damals waren wir dort fast alleine. Wir wandern 5,2 km über einen morastigen und teilweise mit Schneematsch bedeckten Weg durch einen wunderschönen Wald um den See. Im Wald blühen jede Menge Wildorchideen. Am hinteren Ende des Sees sehen wir auf einer Wiese ein Kanada-Gänsepaar. Auf der Rückfahrt zu unserer Unterkunft treffen wir kurz vor der Abzweigung auf die 1 a wieder auf rote Bremslichter, dem obligatorischen Bärenzeichen. Es sind die drei von heute Mittag. Sie grasen jetzt weit entfernt von der Straße am Bahndamm. Kurz darauf sehen wir, dass mehrere Leute die Bären über eine Wiese verfolgen. Es ist einfach unglaublich! Ein auch am Straßenrand stehender italienischer Tourist erzählt uns, dass er gestern abends in Lake Louise am Hang einen Grizzly gesehen hat! Ob das wohl "unser" Bär von vor zwei Jahren ist? Wir fahren zu unserer heutigen keinen. Gegen 21.20 Uhr liegen wir geschafft im Bett.



Sonntag, 8.6.97 - km 17.682 -
- Johnston Canyon, Lake Louise -

Unsere Hütte ist nicht isoliert, und wir haben heute Nacht ein bisschen gefroren. Im Badezimmer gibt es keine Heizung, dort ist es eiskalt. Wir starten erst einmal die Gasheizung, und kurze Zeit später ist es überall mollig warm. Als wir uns um 7.30 Uhr aus unseren Betten erheben (es wird von Tag zu Tag später), gibt es einen kleinen Schauer. Heute wollen wir noch einmal zum Johnston-Canyon und dort bis zum oberen Wasserfall laufen. Nach unserer üblichen morgendlichen Arbeit nach dem Frühstück geht es los. Unterwegs halten wir noch kurz in Lake Louise, um unsere Vorräte aufzufrischen. Dann geht es zum Canyon. Bevor wir vom Parkplatz losmarschieren, nehmen wir draußen auf der Terrasse bei herrlichem Sonnenschein und einem frischem Lüftchen einen kleinen Mittagsimbiss (Salat mit Pute - lecker!). Die Touristenschar hat auch durch einige Busse beträchtlich zugenommen. Den oberen Wasserfall erreichen wir nach knapp einer Stunde. Der Weg dorthin führt durch einen wunderschönen Wald.
Bei herrlicher Abendsonne, die die schneebedeckten Berge ringsherum anstrahlt, fahren wir einige Stunden später noch eine Stunde über den Icefield-Parkway und genießen dort die traumhaften Ausblicke auf die Landschaft der Rocky Mountains. Wenn ich wüsste, dass ich meinen Lebensunterhalt durch irgendeine Arbeit hier sicherstellen könnte, würde ich ernsthaft in Erwägung ziehen, hierher auszuwandern. Das Leben hier ist natürlich auch kein Zuckerschlecken, im Gegenteil, es ist sicherlich schwerer als bei uns. Dabei lebt man aber auch um Klassen besser und hat vor allen Dingen diese herrliche Natur und unendliche Weite um sich herum. Ich denke jetzt schon wieder mit Schrecken an die Enge, die vielen Menschen und vor allem den Lärm bei uns zu Hause. Wenn man sich hier nicht gerade bei den touristischen Sehenswürdigkeiten aufhält, kann man fast überall die bei uns schon lange nicht mehr vorhandene Ruhe genießen. Na ja, träumen ist ja schließlich erlaubt.
Bei unserer Rückkehr nach Lake Louise überlegen wir uns dann kurz- entschlossen, aufgrund des wunderschönen Abends noch bis zum See zu fahren. Er ist nur zwei Kilometer von uns entfernt. Es ist inzwischen schon nach 21.00 Uhr und wir dachten, um diese Zeit wären wir hier oben fast die Einzigen. Aber außer uns sind wohl noch mehrere Leute auf die Idee gekommen. Am See herrscht eine himmlische Ruhe, es ist allerdings bitterkalt. Wir genießen noch eine Zeitlang die unbeschreiblich schöne Aussicht auf die Berge und den See. Bei unserer Rückkehr ist unsere Hütte gemütlich warm, denn wir haben bei unser Abfahrt vorhin die Heizung angelassen. Außerdem werden wir wohl heute Nacht nicht mehr so bibbern müssen. Hoffentlich bleibt morgen das Wetter noch genauso schön, denn wir wollen über den Icefield-Parkway nach Jasper. Vor zwei Jahren hatten wir ja schlechtes Wetter und konnten von den Bergen kaum etwas sehen.