Osten und Westen
Mit einem Kurzaufenthalt in Ostkanada (Toronto) und anschließender Mietwagenrundreise
durch Alberta und British-Columbia
vom 2.6.97 - 24.6.97
Montag, 2.6.97
- Toronto -
Um 11.00 Uhr geht unsere zweite Reise nach Kanada am Bahnhof mit schwerem Gepäck los. Mein Koffer wiegt mal wieder 30 kg. Um 11.54 Uhr startet der Eurocity in Köln in Richtung Frankfurter Flughafen. Das Einschecken am Flughafen ist problemlos und geht schnell vonstatten. Uns fehlt die richtige Urlaubslaune, aber das wird sich schon geben, wenn wir erst am Ziel sind. Wir rufen noch schnell zuhause an, bevor die 20 Jahre alte Boing 747-200 um 17.30 Uhr verspätet vom Boden abhebt. Die Flugzeit bis Toronto soll sieben Stunden und zehn Minuten sein. Gegen 18.45 Uhr haben wir die irische Küste erreicht und an Bord unseren ersten Drink genommen (Orangensaft pur) -950 km Stundengeschwindigkeit, 10.600 m Höhe, - 55 C;). Um 19.00 Uhr gibt es Abendessen (Hühnchen, Reis, Salat, Brötchen, Käse, Kaffee). Aus dem Cockpit meldet sich der Pilot und teilt uns mit, dass wir wegen des starken Ostwindes 40 Minuten weniger als erwartet fliegen werden. Das erklärt dann auch den verspäteten Start. Die Entfernung Frankfurt - Toronto beträgt 6.228 km. Als wir Kanada erreicht haben, fliegen wir lange über ein riesiges Wald- und Seengebiet. Die Ufer sind zum Teil noch vereist. Um 19.47 Uhr Ortszeit (6 Stunden Zeitunterschied) landen wir auf dem Flughafen von Toronto. Die Stadt gefällt mir schon aus der Luft nicht besonders gut und ist mit Vancouver schon gar nicht zu vergleichen. Eine Zeitlang irren wir hin und her, um den Shuttlebus in die Stadt zu finden, schließlich fahren wir mit dem Taxi für 35 Dollar zu unserem Hotel (Sheraton). Dort landen wir in einem schönen Zimmer im 32. Stock! Wir duschen, ziehen uns um und kaufen im Eaton-Centre, das direkten Anschluss ans Hotel hat, eine Telefonkarte. Und dann bricht mal wieder das Chaos aus. Nichts geht! Wir probieren hin und her und wählen alle möglichen Nummern, die auf der Rückseite der Karte stehen. Dann geben wir auf und wollen es morgen erneut probieren. Wir sehen uns noch ein bisschen das Einkaufszentrum an und liegen gegen 22 Uhr geschafft im Bett. Das Zimmer ist furchtbar warm, denn die Klimaanlage funktioniert nicht richtig. Das einzige Fenster, das man ein wenig öffnen kann, ist winzig und lässt auch kaum kühlere Luft hinein.
Dienstag, 3.6.97
- Toronto -
Gegen 6.00 Uhr ist bei uns die Nacht zu Ende, und um 7.00 Uhr sitzen wir schon am Frühstückstisch. Wir sind allerdings dort nicht die ersten Frühaufsteher. Nach dem Frühstück starten wir einen erneuten Versuch, mit unserer Telefonkarte nach Deutschland zu telefonieren. Es klappt wieder nicht. Die Ladeninhaberin, bei der wir die Karte gekauft haben, versucht es von ihrem Telefon aus. Auch dort funktioniert es nicht. Sie gibt uns das Geld für die Karte zurück (die Telefongesellschaft "Bell" sollte man sich merken!). Wir erkunden die Umgebung unseres Hotels und gehen zu Fuß zu dem nicht allzu weit entfernten CN-Tower, dem höchsten freistehenden Gebäude der Welt (538 m hoch). Von der Aussichtsplattform hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und kann bei klarer Sicht sogar die fast 130 km entfernt liegenden Niagarafälle sehen, die wir morgen besichtigen wollen. Leider ist es dazu am Horizont zu dunstig, obwohl das Wetter heute sonnig und angenehm warm ist. Beim Rundgang stoßen wir dann auf eine große durchsichtige Glasfläche im Fußboden, durch die man bis auf die Erde sehen kann. Da sie aus dickem Panzerglas besteht, kann man sie ohne Gefahr betreten. Es ist ein irres Gefühl, und zuerst geht man ganz vorsichtig wie auf rohen Eiern darüber. Manche Besucher trauen sich erst gar nicht. Zugegeben, es kostet auch eine Menge Überwindung. Nach unserem Tower-Besuch steht noch ein Besuch beim Sky Dome auf unserem Programm. Das ist ein riesiges Stadion, dessen Kuppel bei schlechtem Wetter komplett geschlossen werden kann. In das Stadion hinein ist am Außenrand ein Hotel gebaut, dessen Fenster zum Teil auf die Spielfläche zeigen. Es ist schon sehenswert, obwohl bei unserem Besuch die Kuppel geschlossen ist, aber wohnen möchte ich hier nun doch nicht. Zurück im Hotel telefonieren wir mit Münzen (9,70 Dollar pro Minute!!) nach Deutschland und geben unsere glückliche Landung bekannt. Die für heute geplante Niagara-Tour ist schon ausgebucht, und so können wir erst morgen mitfahren. Wir legen eine kurze Kaffeepause ein, dann geht es weiter zu Fuß ins Eaton-Centre, wo wir in der dortigen Foot-Street zu Mittag essen (natürlich wie üblich chinesisch). Als wir ins Hotel zurückkehren, hat man uns auf dem Zimmertelefon eine fehlgeleitete Mitteilung hinterlassen. Vorsichtshalber fragen wir bei der Rezeption nach, aber da scheint sich jemand verwählt zu haben. Dann machen wir uns auf den Weg zur Harbourfront am Ufer des Ontariosees. Direkt gegenüber liegt eine langgezogene Insel im See, die als Freizeitpark mit eigenem kleinen Flugplatz, Yachthafen usw. ausgebaut wurde. Unsere Zeit reicht leider heute nicht mehr für eine Besichtigung, denn es ist schon reichlich spät. Hier fällt uns besonders auf, dass die Natur noch ca. 3 - 4 Wochen zurück ist. Manche Bäume bekommen gerade erst Blätter, und Tulpen und Narzissen stehen teilweise noch in voller Blüte. Nach "Toronto zu Fuß" fallen wir um 20.00 Uhr total geschafft ins Bett.
Mittwoch, 4.6.97
- Toronto, Niagara-Falls -
Als wir aufstehen, liegt Toronto im strahlenden Sonnenschein. Beim Frühstück gegen 7.00 Uhr, hat sich Horst ein Ei vom Buffet geholt. Er will es gerade aufklopfen, als der Ober ihn über beide Ohren grinsend darauf hinweist, dass es sich um ein japanisches Ei handelt, das nicht gekocht ist! Die zahlreichen im Hotel wohnenden Japaner scheinen tatsächlich die Eier roh zu verspeisen. Horst hatte mich vorher gefragt, was denn "Rain-Eier" wären, denn so stände es auf dem Buffet. Jetzt gehe ich noch mal nachsehen. Die Buchstaben sind so verwischt, dass man statt "Raw-Eggs", also "rohe Eier" tatsächlich "Rain" lesen konnte. Bei der Vorstellung, was passiert wäre, wenn der Ober nicht rechtzeitig gekommen wäre, laufen uns vor Lachen die Tränen die Wange runter. Um 9.00 Uhr starten wir mit einem kleinen Bus (insgesamt 12 Personen) zu unserer Niagara-Tour. Die Fahrt dorthin soll ca. 1,5 bis 2 Stunden dauern. Unterwegs machen wir eine kurze Rast auf einer Obstfarm und fahren dann anschließend durch den Ort Niagara on the Lake. Dort gefällt es uns sehr gut, aber der Ort ist völlig in Touristenhand. Inzwischen strahlt die Sonne bei 26 C; vom blauen Himmel, und nur die Klimaanlage im Auto rettet uns vor einem Hitzschlag. Als wir die Niagarafälle dann erreichen, sind wir zunächst ein bisschen enttäuscht, denn wir haben sie uns größer vorgestellt. Auch hier wimmelt es nur so von Touristen. Vom naheliegenden Aussichtsturm aus haben wir einen schönen Blick auf die amerikanischen und kanadischen Fälle und können am Horizont sogar die Skyline von Toronto erkennen. Nach dem Mittagessen geht es mit einem kleinen Boot (mit der "Maid of the Mist") direkt bis unterhalb der Wasserfälle, deren gigantische Größe erst dort so richtig sichtbar wird. Sie bieten einen überwältigenden Anblick. Aber auch wir Touristen sehen nicht schlecht aus, denn wir sind zum Schutz vor der Gischt alle in blaue Plastikumhänge gehüllt. Horst und ich gehen anschließend noch bis zur Abbruchkante der Fälle, die dort mit Donnergetöse in die Tiefe stürzen. Dann geht es wieder mit dem Bus zurück. Im Hotel angekommen packen wir für unseren morgigen Weiterflug nach Calgary unsere Sachen zusammen. Welches Wetter wird uns wohl auf der anderen Seite erwarten? Der Wetterkanal im Fernsehen verkündet von Westkanada leider nicht allzu viel Gutes.


