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1998 BC und Alberta

1997 Toronto u. Westkanada

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1995 Westkanada

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Samstag, 14.6.97 - km 18.960 -
- Wells Gray Park, Bridge Lake, 100-Mile-House, Lac des Roches -

Unser Frühstück müssen wir uns heute erst noch mühsam verdienen. Denn bevor es auch nur einen Krümel zu essen gibt, müssen wir erst noch mindestens 25 Mücken erschlagen. Ansonsten fühlen wir uns aber bei strahlendem Sonnenschein und kleinen Wölkchen am Himmel sowie den Pferden vor unserem Fenster pudelwohl. Wir haben unsere gestrigen Pläne geändert und fahren gegen 10.00 Uhr Richtung Bridge Lake. Im Ort Little Ford biegen wir auf die Straße 24 in Richtung 100-Mile-House (eine frühere alte Postkutschenstation) ab. Von hier ab geht es hoch in die Berge, die hier längst nicht die Höhen der Rockys erreichen. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen durch eine schöne Waldlandschaft mit zahlreichen Seen. Am Lac des Roches stoßen wir auf eine wunderschöne Lodge direkt am Seeufer. Wir halten an und besorgen uns im Büro ein Prospekt. Der überaus freundliche Besitzer lässt uns zwei Zimmer mit Kochgelegenheit besichtigen. Hier würden wir sofort bleiben und bedauern schon wieder, dass wir vier Nächte auf der Ranch gebucht haben, obwohl es uns dort auch gut gefällt. Weil es fürs Mittagessen noch zu früh ist (die Lodge hat ein gutes Restaurant), entschließen wir uns, noch bis nach 100-Mile-House zu fahren. Kilometer für Kilometer geht es weiter, und als wir nach einer 110 km langen Fahrt dort endlich ankommen, trifft uns fast der Schlag. Wir sind in eine Präriestadt in einer nichtssagenden Landschaft gelandet. Sonst gibt es weit und breit nichts zu sehen. Wir sehen uns kurz im Informationszentrum um, in der Hoffnung, noch auf etwas Interessantes zu stoßen, aber vergeblich. Ursprünglich hatten wir ja vor, diese Strecke bis zu der Bowron Lake Seenkette hochzufahren und dort noch zwei Tage zu bleiben. Über Prince George wären wir dann zum Hidden Lake gefahren. Jetzt sind wir froh, dass unsere Zeit dazu zum Glück nicht reicht. Auf einer Nebenstrecke am Horse Lake vorbei fahren wir wieder zur Straße 24 zurück und halten erneut am Lac des Roches, um dort wenigstens noch ein bisschen mit dem Boot auf dem See herumzupaddeln. Als Pfand für die Bootmiete hinterlegen wir einen Reisepass. Während Horst noch mal zum Auto geht, um unsere Jacken zu holen (am Wasser ist es frisch geworden), ziehe ich mir schon meine Schwimmweste über und lege die Fotoapparate ins Boot. Dabei wundere ich mich über die Wasserstellen vorne und hinten im Kahn. Kurze Zeit später stellt sich heraus, dass das Kanu ein Leck hat. Ich glaube, da wäre ich auch ohne ihren Hinweis nicht eingestiegen. Also: paddeln auch ade! Wir fahren mit Bedauern weiter zum nächsten Ressort am See. Dort gibt es zwar auch keine Boote mehr zu mieten, dafür sind unsere Freunde, die Moskitos aber zahlreich vertreten. Frustriert geht es nun wieder zurück. In unserer "Villa" vertreiben wir unsere Enttäuschung mit Ingwerreis und Hühnchen sowie Schokoladenpudding. Nach dem abendlichen Besuch bei den Fohlen habe ich für heute von Moskitos die Nase voll und setze mich rein. Mein Reisetagebuch wartet dort auf mich.



Sonntag, 15.6.97 - km 19.305 -
- Wells Gray Park, Dawson Falls, Helmcken Falls Clearwater Lake -

Heute morgen blitzt zwischen der leichten Bewölkung immer mal wieder die Sonne hervor. Heute geht's auf Besichtigungstour in den Park. Unser erster Halt ist an den eindrucksvollen Dawson-Falls, die auch der kleine Niagarafall genannt werden (91 m breit und 18 m hoch). Schon auf dem Parkplatz empfangen uns große Mückenschwärme, so dass wir uns von oben bis unten einsprühen müssen. Andere Touristen sind aus diesem Grund von Kopf bis Fuß in Regenkleidung gehüllt. Nur die Gesichter sind manchmal noch zu erkennen. Nach einer sieben km langen Fahrt erreichen wir dann die 139 m hohen Helmckenfalls. Das ist neben dem Milla-Milla-Fall in Australien der schönste Wasserfall, den wir bisher gesehen haben. Wir sind total begeistert und könnten stundenlang zugucken, wie das sprühende Wasser in die tiefe Schlucht fällt. Dieser Wasserfall übt eine eigenartige Anziehungskraft aus. Hier bleiben fast alle Touristen längere Zeit und bestaunen das hinabstürzende Wasser. Heute ist mein erster Fahrtag mit dem Auto (bisher ist Horst immer gefahren) und mein Beifahrer erlaubt mir noch, die 23 km auf einer Gravelroad zum Clearwatersee zu fahren (Glück gehabt!). Unterwegs entdecken wir an einem Aussichtspunkt ein großes Warnschild: Vorsicht, Bär im Gebiet!! Wir verzichten dankend auf eine Wanderung durch den Wald und fahren lieber weiter zum völlig in der Einsamkeit liegenden See. Dort machen wir ein Picknick und sehen uns den dortigen Campingplatz an (wir überlegen schon, ob wir nächstes Mal mit einem Wohnmobil fahren sollen, denn die Hüttenübernachtungen sind auch längst nicht mehr so preiswert wie vor zwei Jahren). Auf unserer Rückfahrt halten wir noch einmal an beiden Wasserfällen. Abends sitzen wir noch bisschen vor unserer Hütte, denn es ist windig, und nur vereinzelt lassen sich die Mücken blicken.



Montag, 16.6.97 - km 19.405 -
- Blue River, Murtle Lake -

Heute ist unsere letzte Urlaubswoche angebrochen, die Zeit fängt an zu rasen. Wir haben jetzt noch 1.150 Freikilometer, die wir gut planen müssen. Nach dem Bezahlen fahren wir gegen 10.15 Uhr los und sind kurz vor 13.00 Uhr in Blue River. Der Himmel ist zwar dick bewölkt, aber es ist sehr warm und regnet zum Glück nicht. Wir beziehen unser Luxusblockhaus und wollen dann etwas zu Mittag essen gehen. Mittlerweile werden die Wolken immer dunkler, und so wollen wir vorher noch die Anlage fotografieren, bevor es anfängt zu regnen. Ich verknipse vor Begeisterung fast einen halben Film. Nach dem Mittagessen in dem kleinen Restaurant, wo wir vor ein paar Tagen schon einmal waren, entschließen wir uns, über die 28 km lange Gravelroad zum Murtle Lake, Kanadas angeblich schönstem See zu fahren. Wir holen noch schnell unsere Fotoapparate und düsen los. Nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt, fängt dann auch gleich die Schotterstraße an. Anfänglich ist sie noch gut befahrbar, aber dann wird der Weg immer steiler und schmaler. An einigen Stellen ist er leicht schlammig und rutschig. Unsere Mienen werden von Kilometer zu Kilometer bedenklicher. Links geht es hunderte von Metern steil bergauf, rechts entsprechend hinab. Der Wald neben der schmalen Straße ist Natur pur, und ich wette, dass ihn an vielen Stellen noch nie ein Mensch betreten hat, denn er macht durch die dichte Unterholzbewachsung einen undurchdringlichen Eindruck. Auf uralten umgestürzten Bäumen, die mit einem dichten Moospelz bewachsen sind, wachsen schon wieder meterhohe neue Bäume. Sogar um riesige Steinblöcke sind Baumwurzeln gewachsen. Uriger geht es schon fast nicht mehr. Selbst Bären scheinen durch dieses Dickicht nicht durchzukommen, wir sehen sie jedenfalls auf der gesamten Strecke nicht, und auch andere Tiere begegnen uns nicht. Mit anderen Worten: totale Einsamkeit und fast schon ein wenig unheimlich. Da die Gravelroad immer schlechter zu befahren ist, geben wir nach 17 km auf und fahren langsam zurück. Sollten wir hier oben eine Panne haben, na dann gute Nacht! Wir sind in unserer jugendlichen Begeisterung nämlich ohne Pullover und Regenbekleidung losgefahren, und ob das Reserverad funktioniert und ausreichend Werkzeug vorhanden ist, ist auch äußerst fraglich. Jedenfalls atmen wir erleichtert auf, als wir wieder heil auf der Hauptstraße ankommen. Später erzählen uns zwei Berliner, die auch in der Lodge wohnen, dass sich die Fahrt zum See nicht gelohnt hat. Vom Parkplatz oben in den Bergen waren es noch vier Kilometer zu Fuß zum See (das stand auch nirgends). Den See selbst konnte man wegen überschwemmten Wegen nicht erreichen, und "schönster See Kanadas" war wohl auch leicht übertrieben. Wir sind froh, dass wir nicht mehr weitergefahren sind. Nach einer kleinen Kaffeepause in unserer "bescheidenen Hütte" spazieren wir noch durch die Anlage. Ich habe mir vorsichtshalber die Regenjacke mitgenommen und kann sie unterwegs gut brauchen, denn es fängt an zu regnen. Gegen 19.30 Uhr sitzen wir vor dem knisternden Kamin und genießen die feudale Umgebung. Allerdings kommen wir uns in den riesigen Räumen etwas verloren vor. Inzwischen regnet es stark, und die Berge sind hinter dicken Regenwolken verschwunden. Hoffentlich versinkt unsere letzte Woche nicht noch im Regen, denn momentan sieht es draußen ganz so aus. Wir studieren das im Wohnzimmer ausliegende Heli-Skiing-Buch (ein Sport für "Schneeverrückte", nicht für uns und schon gar nicht für uns bezahlbar). Müde sinken wir dann abends in unserem Separee in die Federn.



Dienstag, 17.6.97 - km 19.583 -
- Blue River, Valemount, Hidden Lake -

Heute nacht war ich zwei Stunden auf und habe Zeitung gelesen. Beim Frühstück kommen wir uns an dem riesengroßen Esstisch ziemlich verloren vor. Das Blockhaus wäre für zwei Ehepaare dagegen ideal, denn Platz genug wäre vorhanden. Die Berge sind immer noch von dicken Regenwolken verhangen, und als wir unser Auto packen, regnet es in Strömen. Wir telefonieren noch mit der Ranch, wo wir gestern die Quittung für unseren Aufenthalt vergessen haben (ohne Quittung bekommen wir die Tax nicht zurück. Um 11.00 Uhr sind wir dann endlich startbereit, und ich bin heute der Fahrer. Ca. 50 km vor Valemount mache ich fast eine Vollbremsung, weil plötzlich ein mittelgroßer patschnasser Bär am Straßenrand sitzt und gemütlich Gräser in sein Maul stopft. Da wir in dieser Gegend nun überhaupt gar keine Bären erwartet haben, dauert es etwas lange, bis wir den Fotoapparat schussbereit haben, aber da ist der Bär schon fast gänzlich auf der gegenüberliegenden Seite im Gebüsch verschwunden. Knapp einen Kilometer hinter dieser ersten Bärenbegegnung muss ich wieder plötzlich und unerwartet auf dem Randstreifen anhalten, da ich am Waldrand eine Bärin mit einem Winzling von Bärchen sichte. Der kleine Bär sieht zum Knuddeln aus. Diesmal hat sich Horst rechtzeitig mit seiner Kamera präpariert. Für meinen Apparat sind die Tiere aber zu weit weg. Auf unserem weiteren regenreichen Weg passiert dann nichts mehr derartiges. In Valemount sehen wir, wie ein weiteres großes Blockhaus für das Mike Wiegele Ressort entsteht. Wir erfahren auch, dass ein komplett fertiggestelltes Holzhaus mit Fenstern, Dach und Türen pro qm 800 Dollar kostet und auch nach Deutschland verschifft werden kann (bei uns würde der qm sicherlich 3.000 DM kosten). Gegen 14.30 Uhr sind wir dann am Hidden Lake. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen, ist teilweise sogar sonnig und relativ warm. Als wir aus dem Auto steigen, kommt es mir so vor, als wäre ich nie weggewesen. Ich fühle mich so, als wäre ich endlich zu Hause angekommen. Ich kann es einfach nicht erklären, warum, aber das war vor zwei Jahren schon genauso. Wir sind ja nun wirklich schon viel in der Welt herumgekommen, aber nur hier fühle ich mich wirklich "Zuhause". Auch mein Freund Snow sitzt schon da und begrüßt uns schwanzwedelnd. Zu meinem Bedauern bekommen wir aber nicht unsere damalige, mittlerweile jetzt umgebaute Cabin, sondern das direkt an das Haupthaus angebaute Chalet. Es ist eine große Wohnung mit zwei Schlafzimmern, großer Wohnküche mit angrenzender Wohnecke und Bad. Uns gefällt es auch hier, obwohl die weißen Wände kein richtiges Blockhausgefühl aufkommen lassen. Direkt vor der Tür haben wir eine große Terrasse mit Gartenstühlen und Tisch. Wir laden unsere Sachen aus, essen und fahren 23 km nach Mc. Bride zum Einkaufen. Bei unserer Rückkehr ist rudern auf dem Hidden Lake angesagt. Wir sind noch keine fünf Meter vom Ufer entfernt, da paddelt mitten durch den See und die Seerosen eine große Elchkuh zum anderen Ufer. Zwei Paddelschläge weiter schwimmt ein Bisam mit irgendwelchem Grünzeug am Ufer entlang, und von der Gegenseite kommt ein Biber angeschwommen, der uns neugierig betrachtet. Die Ente mit den beiden Küken ist dann ja schon gar keine Rede mehr wert. Jetzt fängt es leider auch wieder an zu regnen, aber wir paddeln trotzdem noch zum anderen Ende des Sees. Als es uns dann aber doch zu feucht wird, geben wir auf und bahnen uns einen Weg durch schwärmende Mücken zu unserer gemütlichen Behausung.



Mittwoch, 18.6.97 - km 19.786 -
- Hidden Lake -

Bis zum Mittag gibt es immer mal wieder Regenschauer. Wir sind heute faul und unterhalten uns über eine Stunde mit Paul. Währenddessen liegt Snow vor unserer Tür und passt auf uns auf. Horst ist total begeistert, denn Paul hat eine Eisenbahn im Keller. Als wir während des Gesprächs kurz erwähnen, dass Horst gerne eine Wildwasserfahrt mitmachen würde, telefoniert Paul kurz, und gegen 13.30 Uhr rasen wir in 30 Minuten die 50 km bis zur Mt. Robson Lodge, wo das Wildwasserrafting losgeht. Mein verrückter Mann wirft sich in eine Art Taucheranzug und steigt mit fünf anderen Verrückten auf ein Schlauchboot, um den Fraser hinabzurauschen. Ich bin jedoch nicht lebensmüde und bleibe statt dessen lieber am sicheren Ufer. Mit dem Auto fahre ich wieder bis zu den Reguard-Falls zurück, wo das Schlauchboot eine halbe Stunde später eintrifft. Da es inzwischen stark regnet, flüchte ich mich mit dem Fotoapparat unter die Bäume, um wenigstens halbwegs vernünftige Bilder zu machen. Nach einer kurzen Portage lassen sie das Schlauchboot unterhalb der Wasserfälle wieder ins Wasser, und wenig später verschwindet das Boot in den Wellen. Ich fahre zur Lodge zurück und warte auf die Rückkehr der "Bootsbesatzung". Horst ist ganz begeistert von der 14 km langen Tour. Die Wellen waren ihm allerdings nicht hoch genug! Er behauptet, das wäre eine "Seniorenfahrt" gewesen! Dann gibt es für die Teilnehmer noch ein kleines Picknick vom Grill, der im Kühler eines alten Lastwagens eingebaut ist. Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder am Hidden Lake, wo ich erst einmal koche, denn ich stehe kurz vor dem Verhungern, da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen habe. Anschließend trainieren wir die Kalorien bei einer fast zweistündigen Paddeltour auf dem See wieder ab. Das Wetter ist inzwischen auch wieder besser geworden, und die Sonne scheint durch die Wolkenlücken. Man kann die schneebedeckten Berge ringsherum wieder sehen. Heute lassen sich Elch und Co. allerdings nicht blicken. Nur die Ente mit den beiden Küken schwimmt über den See. Ich fühle mich heute schon den ganzen Tag total geschafft und freue mich schon auf mein Bett (übrigens das beste auf der ganzen Reise). Gegen 20.30 Uhr kommt Paul und fragt uns, ob wir noch Interesse hätten, ins Internet zu gucken (er ist besser informiert über das, was in der Welt passiert, als wir). Lust haben wir noch und hängen noch fast zwei Stunden vor dem Computer. Gegen 22.30 Uhr liegen wir dann endlich im Bett und schlafen bald tief und fest wie die Murmeltiere.