Sonntag, 13.9.98 - 22.452 km -
- Mount Robson, Valemount, Burns Lake -
Gestern abends haben wir uns endgültig entschieden, die Strecke nach Stewart/Hyder trotz der fehlenden vier Tage doch zu fahren. Um 9.15 Uhr sind wir startbereit und rollen bei starker Bewölkung Richtung Westen. Auf dem Highway 93 geht es immer weiter bergab und geradeaus nach Valemount, das am Rande der Rockys liegt. Unterwegs bricht die Sonne durch die Wolken und plötzlich haben wir strahlend blauen Himmel. Wir stoppen an den Reguard-Falls, wo Horst im letzten Jahr seine Wildwasserfahrt gemacht hat. Um diese Zeit sollte man hier eigentlich Lachse beobachten können, aber wie bei den Bären: Fehlanzeige! Der Fraser River hat außerdem auch relativ wenig Wasser. Gegen 11.00 Uhr erreichen wir die Hidden-Lake-Lodge. Paul ist alleine, da Barbara heute morgen mit ihrer Familie, die auch zu Besuch hier ist, nach Jasper gefahren ist. Wir vermissen bei unserer Ankunft sofort Hund Snow, der sonst immer auf der Treppe vor dem Haus lag. Paul erzählt, dass sie ihn im Frühjahr wegen einer schweren Krankheit haben einschläfern lassen müssen. Die Hidden-Lake-Lodge ist ohne ihn nicht mehr die gleiche. Bei einer Tasse Tee plaudern wir noch etwas mit Paul und besichtigen das neue Haus unten im Wald. Es steht schon fix und fertig mit Dach und Fenstern dort und soll den Winter über austrocknen, bevor im nächsten Frühjahr der Innenausbau losgeht. Das Haus hat er zusammen mit seinem Schwager in den letzten 14 Tagen aufgebaut. Paul erzählt auch, dass sie schon seit April fast die ganzen Monate hindurch Sommerwetter mit Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad hatten. Das erklärt die niedrigen Wasserstände, die nicht zu übersehen sind. Die Lachs- und Beerensaison hat in diesem Jahr deshalb auch schon drei bis vier Wochen vorher begonnen. Deshalb haben wir oben am Fraser auch keine mehr gesehen. Um 12.00 Uhr machen wir uns auf die Weiterfahrt, denn heute wollen wir noch ein Stück bis hinter Prince George kommen, um morgen Stewart zu erreichen. Hinter Mc. Bride erfahren wir die totale Einsamkeit. In unserer Richtung sind wir fast das einzige Auto auf der Straße. Auf der Gegenfahrbahn kommt uns nur hin und wieder ein Auto entgegen. Ansonsten gibt es bis kurz vor Prince George auf über 250 km nur Landschaft pur ohne jegliche kleine Örtchen. Das wird mir von Kilometer zu Kilometer immer unheimlicher, und von unserer ersten Fahrt durch Kanada habe ich das gar nicht mehr so in Erinnerung. Erst als wir Prince George hinter uns gelassen haben, werden auch die Fahrzeuge auf der Straße wieder zahlreicher. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir Burns Lake. Wir suchen vergeblich am Fraser Lake die Ranch aus unserem Unterkunftsverzeichnis, was uns einen Umweg von 46 km einbringt und landen schließlich in dem Motel, wo vor drei Jahren unser Toaster morgens die Brandsirene in Alarmbereitschaft gesetzt hatte. Unser Zimmer sieht aber recht nett und sauber und stimmt mich versöhnlich. Im gegenüberliegendem Restaurant verspeisen wir unser Abendessen und sinken dann müde von der anstrengenden Fahrt in die Federn.
Montag, 14.9.98 - 23.110 km -
- Smithers, Moricetown, Cassiar Highway, Stewart, Hyder/Alaska -
Es ist 9.00 Uhr BC-Time (Alberta-Zeit + 1 Std.) als wir abreisebereit sind. Auf dem Parkplatz treffen wir auf ein Nürnberger Ehepaar mit Wohnmobil, die mit ihrer Telefonkarte nicht klarkommen. Es ist eine andere als wir sie haben, aber nach einigen Versuchen habe ich es geschafft und eine Verbindung nach Deutschland hergestellt. Wie sich herausstellt, wollen sie auch noch nach Stewart, lassen sich aber ein paar Tage Zeit für ihre Fahrt, da sie noch über zwei Wochen Urlaub haben und über Vancouver Island zurückfahren wollen. Bei unserer Weiterfahrt begeistern uns immer wieder die leuchtend gelben Wälder rechts und links der Straße. 30 km hinter Smithers halten wir in Moricetown am Bulkley-River, wo die Indianer noch alter Sitte mit Stangen und Netzen Lachse aus dem tosenden Fluss ziehen. Sie fangen sie jedoch nicht für ihren eigenen Gebrauch, sondern markieren sie und setzen sie dann wieder im Fluss aus. Damit wollen sie den Zug der Lachse weiterverfolgen. Einige Zeit sehen wir ihnen zu, wie zum Teil riesige Fische in ihren Netzen zappeln.
In Kitwanga biegen wir vom Highway 1 auf den Highway 37 ab (Cassiar Highway), der 725 km nach Norden bis in den Yukon führt (nach Watson Lake) und zum Teil immer noch unbefestigt ist. Wir begnügen uns aber mit den ersten 250 km bis in den Südzipfel von Alaska. Die Straße führt durch fast unberührte Landschaft und völlige Einsamkeit. Uns begegnen kaum Autos. Hin und wieder ist mal ein Holztransporter zu sehen. Wir sind ungefähr 50 km gefahren, da sind wir beide plötzlich wie elektrisiert: Am linken Straßenrand steht hochaufgerichtet ein großer Schwarzbär an der Straßenböschung. Wir bremsen und fahren wieder ein Stück zurück bis zur Stelle, wo wir ihn gesehen haben. Er ist aber nicht mehr zu sehen. Unvermutet taucht er ca. 30 m vor unserem Auto auf und überquert eiligen Schrittes die Straße, um gleich darauf im Gebüsch zu verschwinden. Horst kann ihn kurz vorher noch fotografieren. Dann geht es Kilometer für Kilometer immer weiter geradeaus, bis wir an die Kreuzung von Medzian Junction kommen. Hier biegen wir auf die Straße nach Stewart/Hyder ab. Von hier sind es noch 66 km, bis wir unser Ziel erreicht haben. Die Straße verläuft immer bergab durch eine wunderschöne Küstengebirgslandschaft mit Schneebergen und zahlreichen Gletschern. Am Bear-Glacier, der nur durch einen kleinen Schmelzwassersee von der Straße getrennt ist, machen wir einen kurzen Fotostopp, bevor wir gegen 16.30 Uhr Stewart erreichen. Dort ergattern wir im King Edward Motel noch das einzig freie Zimmer mit Küche. Es ist sehr geräumig und ungewöhnlich sauber. Morgen ist das Zimmer schon reserviert, so dass wir dann in das gleichnamige gegenüberliegende ziehen müssen, falls wir noch einen Tag länger hier bleiben wollen.
Wir füllen erst einmal in dem in der Nähe liegenden Supermarkt unsere Vorräte auf. Im Informationsbüro erfahren wir, dass es wirklich Bären am Fish-Creek in Hyder zu sehen gibt und die beste Zeit zur Bärenbeobachtung der frühe Abend oder Morgen sei. Also machen wir uns gegen 18.00 Uhr schleunigst auf den Weg Richtung Alaska, denn Hyder liegt nur 6 km von Stewart entfernt und gehört zu den USA. Wir fahren ein kleines Stück am 160 km langen Fjord entlang und kommen am Hafen von Stewart vorbei. Kurz dahinter passieren wir die Grenze zu den USA. Es ist die einzige Grenze zu Alaska, die von den Amerikanern nicht kontrolliert wird. Warum auch? Dahinter ist die Welt fast zu Ende. Quer über die Straße ist ein Transparent mit der Aufschrift: "Welcome in Hyder, the friendliest Ghost-Town in Alaska" gespannt. Abrupt endet hier die geteerte Straße, und wir rumpeln auf einer mit Schlaglöchern übersäten Schotterstraße durch eine wirkliche Geisterstadt. Wir kommen uns vor, als wären wir mit Hilfe einer Zeitmaschine im letzten Jahrhundert gelandet. Fehlt nur noch, dass uns dubiose Goldgräber begegnen. Alte, schon fast zerfallene Holzhäuser aus der Goldgräberzeit stehen zwischen restaurierten und wenigen neuen Häusern. Auf der Schotterstraße fahren wir an einem breiten Flusstal noch ungefähr 6 km bis zum Fish-Creek. Dieser Ort hier an der Westküste ist eigentlich noch ein Geheimtipp (wie lange wohl noch?). Es ist die einzige frei zugängliche Stelle in Alaska, an der man Schwarzbären und Grizzlys beim Lachsfang beobachten kann. Für Tausende von Dollars und nur per Losverfahren ist das nur noch hoch oben im Norden des Landes auf Kodiak-Island möglich. Wir fahren über eine kleine Brücke und stellen unser Auto auf dem Parkplatz ab. Dort haben sich schon längst noch andere "Bärenverrückte" eingefunden.
Die Schotterstraße führt noch über 30 - 40 km weiter in die Berge zu einer verlassenen Goldmine. Gleich am Parkplatz hat man ein Bärenwarnschild aufgestellt mit Hinweisen, wie man sich zu verhalten hat, also z. B. das Flussufer nicht zu betreten und angemessene Distanz zu den Tieren zu bewahren. Ich bin zwar der Meinung, dass sich das von ganz alleine versteht. Aber es gibt ja immer wieder Leute, denen man das immer wieder sagen kann, und die sich trotzdem nicht danach richten und keinen Respekt vor den Bären haben. Im schmalen und ziemlich flachen Flussbett ziehen Tausende von großen, z. T. rötlichfarbenen Lachsen stromaufwärts, um abzulaichen. Es ist ein einmaliges Naturschauspiel. Auf einer Seite des Flusses hat man einen breiten Weg angelegt, der auf seiner anderen Seite von einem kleinen Bachbett und einem von Bibern angelegten Teich begrenzt wird. Auf halber Wegstrecke befindet sich dann eine große Holzaussichtsplattform, von der man einen großen Flussabschnitt und damit auch die Bären beobachten kann (wenn sie dann da sind!). Den ganzen Tag über patrouillieren hier zwei Ranger am Flussufer entlang, damit es nicht zu unliebsamen Zwischenfällen mit den Bären kommt. Wir warten fast zwei Stunden auf Meister Petz, der lässt sich aber heute nicht blicken. Nach Aussagen der anderen Leute kann man sie hier so gut wie jeden Tag beobachten, muss aber manchmal stundenlang Geduld haben. Tief enttäuscht setzen wir uns ins Auto, um ins Motel zurückzufahren. Inzwischen ist es hier zwischen den Bergen und am Flussufer bitterkalt geworden. Nach etwa einem Kilometer bremst Horst plötzlich, weil er an der Straßenböschung einen großen Grizzly gesehen hat, während ich aufmerksam den Waldrand auf der rechten Straßenseite nach Bären abgesucht hatte. Dieser hier sitzt gemütlich auf einem Felsvorsprung und beäugt uns vorsichtig. Er sieht so vollgefressen aus, dass er sich wahrscheinlich deshalb nicht an seinem Platz bewegt. In seinem rechten Plüschohr sehen wir eine gelbe Markierung mit der Ziffer 77. Was das zu bedeuten hat, werde ich morgen die Ranger fragen. Hinter uns halten dann nach und nach immer mehr Autos und Wohnmobile, die wie wir vom Fish-Creek kommen. Der Bär kümmert sich zunächst nicht um die Menschen und Autos, bleibt aber äußerst wachsam. Erst als auf der Gegenfahrbahn direkt vor seiner Nase ein Wohnmobil hält, wird im diese Distanz wohl zu klein, und er trottet langsam in den Wald. Jetzt haben wir also doch noch unseren Grizzly gesehen. Die größte Überraschung aber wartet gleich hinter der nächsten Kurve auf uns. Dort steht nämlich Grizzly-Mama mit einem putzigen kleinen Bären im Gebüsch und hält Wache, damit Klein-Grizzly nichts passiert. Der knabbert gemütlich an den Sträuchern herum. Wir können es kaum fassen. Zum Fotografieren ist es aber leider schon zu dunkel. Wir bleiben noch eine ganze Weile am Straßenrand stehen und beobachten die beiden, bis auch sie im dichten Gebüsch verschwunden sind. Als wir Alaska verlassen, werden wir auf der kanadischen Seite von einem Grenzbeamten angehalten und gefragt, wo wir herkommen, wieso und warum? Er ist ziemlich arrogant, und ich finde die ganze Befragung eigentlich lachhaft. Wo sollen wir in dieser einsamen Gegend fast am Ende der Welt wohl herkommen? Vom Fish-Creek natürlich, wie alle anderen auch. Zurück im Motel, kochen wir uns etwas und beschließen aus lauter Begeisterung für die Bären, dass wir noch zwei Tage länger hier bleiben.
Dienstag, 15.9.98 - 23.619 km –
- Hyder, Fish-Creek -
Als wir aufstehen und die Nase kurz aus der Tür stecken, ist es draußen bitterkalt. Beim Frühstück kommt also die Heizung voll zum Einsatz. Bevor wir unsere Sachen zusammenpacken, gehen wir in die gegenüberliegende Rezeption und fragen nach, ob jemand seine Reservierung fürs Motel storniert hat. Die Dame hinter dem Tresen verneint zu ihrem Bedauern, und so werden wir heute ins Hotel umziehen müssen. Da aber das Zimmer erst noch gereinigt werden muss und wir das Motelzimmer räumen müssen, schleppen wir unser ganzes Hab und Gut wieder ins Auto. Wenn wir dann heute Mittag vom Creek kommen, werden wir das Zimmer beziehen können. Das ist zwar alles etwas umständlich, aber geht nun mal nicht anders. Und was tut man nicht alles für die Pelztiere? Im Anschluss daran geht es wieder ab nach Alaska! Das liegt ja schließlich fast vor der Tür. Im einigen der wenigen neuen Gebäude von Hyder kaufen wir im dortigen Souvenirgeschäft Postkarten und Briefmarken. Der Ladeninhaber macht uns darauf aufmerksam, dass wir bei diesem herrlichen Wetter unbedingt die Straße bis zum Gletscher weiterfahren sollten. Die Aussicht dort oben solle sich lohnen. Auf der Fahrt zum Fish-Creek wollen wir uns das noch überlegen.
Als wir am Parkplatz ankommen, sind dort alle in Aufregung, den vor ungefähr fünf Minuten war noch ein Grizzly zum Fischen hier. Wir sehen ihn in einiger Entfernung gerade noch um die nächste Flussbiegung verschwinden. Als sich längere Zeit danach immer noch kein weiterer Bär blicken lässt, wagen wir die Fahrt auf der Schotterstraße zum Salmon-Gletscher hoch. 30 km schraubt sich die Gravelroad, die weiter oben noch schlechter zu befahren wird, zwischen den Bergen in die Höhe. Immer wieder hat man phantastische Blicke auf das tief unter uns liegende Tal. Bald erreichen wir auch die Gletscherzunge, die jedoch weit unterhalb der Straße liegt und somit nicht zugänglich ist. Hier oben weht ein eisiger Wind, obwohl die Sonne vom strahlend blauen Himmel scheint. Nach 30 km Schotterstraße reicht es uns aber. Wir beschließen, nicht noch weiter hochzufahren. In einer Ausbuchtung machen wir Mittagspause und verzehren die mitgebrachten Butterbrote. Hier oben wird uns ja wohl hoffentlich kein Bär beim Essen stören. Dann rumpeln wir auf der Straße zurück zum Fish-Creek. Dort steht ein großer Grizzly mitten im Fluss und fischt, d. h., er versucht es immer wieder. Der Ranger sagt uns, dass dies ein fünf Jahre altes Weibchen wäre. Entweder hat Meister Petz seinen dicken Bauch schon voller Fische, oder er muss es erst noch richtig lernen. Wir denken nicht zum ersten Mal, wie schön es wäre, wenn wir jetzt eine Videokamera hätten. Man kann es eigentlich gar nicht richtig beschreiben, wie dieser fischende Bär mitten im Flussbett auf uns wirkt. Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben, um das zu glauben. Plötzlich bringen uns die Ranger alle in Sicherheit, weil der Bär auf einmal das Wasser verlässt und die Böschung hochtapst, über den Weg zwischen den Beobachtern läuft und dann im Biberteich anfängt, schon tote Lachse, die sich dort im Gestrüpp verfangen haben, zu verspeisen. Nach einiger Zeit hat er offensichtlich genug von uns und den Lachsen und verschwindet im Wald. Wir glauben es kaum, aber am anderen Ufer des Teiches grast auch ein Grizzly im Gebüsch, kommt aber nicht näher und ist kurz darauf ebenfalls im Wald untergetaucht.
Wir fahren zum Hotel zurück, um unser Zimmer dort zu beziehen. Vorher müssen wir natürlich an der Grenze zu Kanada die üblichen Fragen über uns ergehen lassen. Als ich an der Hotelrezeption vorsichtshalber noch mal nachfrage, ob niemand sein Motelzimmer abgesagt hat, stellt sich heraus, dass unser gestriges Zimmer auch heute noch frei ist. Offensichtlich hatte die Dame von heute morgen das von ihrer Kollegin wohl offensichtlich falsch verstanden, und wir hätten unsere Siebensachen gar nicht zu packen brauchen. Na ja, wir packen jedenfalls alles wieder aus, und fahren kurz darauf wieder zum Bärenfluss. Als wir dort ankommen, hat gerade die Bärin mit ihrem Jungen, die wir gestern abends an der Straßenböschung beobachtet haben, den Fluss verlassen. Alle warten jetzt darauf, dass die beiden das schützende Gebüsch verlassen und weiterfischen. Für mich ist es mehr als erstaunlich, dass man hier fast den ganzen Tag mit Warten verbringen kann, ohne sich auch nur eine Minute lang zu langweilen. Im Gegenteil: wir genießen die Ruhe in der Natur. Ab und zu unterhält man sich mit den anderen, so z. B. mit der alleinreisenden "Arizona-Lady" (so haben wir sie getauft, weil sie aus Arizona kommt) in ihrem umgebauten Camper. Sie ist schon seit Ende Mai unterwegs und bleibt wie wir jetzt noch ein paar Tage zur Bärenbeobachtung hier. Im Oktober will sie wieder Zuhause sein. Dort arbeitet sie bis zum nächsten April, um dann für die folgenden Monate wieder zu weiteren Reisen aufzubrechen. Im vergangenen Jahr hat sie den Norden von Alaska bereist und erzählt uns begeistert davon. Bewundernswert diese Frau! Als einige Zeit nichts weiter passiert, setze ich mich ins Auto, um meine heute morgen gekauften Ansichtskarten zu schreiben. Ich bin so in mein Schreiben vertieft, dass ich nur so halb mitbekomme, dass die "Arizona-Lady" plötzlich eilenden Schrittes ihr Auto besteigt. Kurze Zeit später steht sie neben unserem Auto, klopft zaghaft an die Scheibe und flüstert leise: Ein Bär! Mich trifft fast der Schlag als ich mich umdrehe, denn unmittelbar hinter unserem Auto trabt dieser gemütlichen Schrittes über den Parkplatz, läuft über die Brücke und verschwindet dann im Flussbett, wo wir sein für uns grausam erscheinendes Spiel mit den Lachsen über 2 Stunden lang verfolgen können. Es ist einfach faszinierend, ihm zuzusehen. Nie hätten wir gedacht, dass wir so etwas mal selbst unter freiem Himmel sehen würden. Als er unter der Brücke hindurch durchs Wasser platscht, fotografiere ich ihn von oben und sehe erst da so richtig, wie furchterregend groß er eigentlich tatsächlich ist.
Heute Mittag hat anscheinend ein Fotograf hier seine Zelte aufgebaut. Den profihaften Objektiven nach zu urteilen, kann es sich nur um einen solchen handeln. Tatsächlich finden wir dann heraus, dass dies Canadas bekanntester Fotograf ist, der schon mehrere Bildbände und Fotokalender veröffentlicht hat. Unter anderem gibt es von ihm einen Bärenkalender! Er hat Kalender im Kofferraum seines Autos dabei (ganz schön geschäftstüchtig), und wir kaufen ihm natürlich einen ab (mit Autogramm!).
Abends im Motel backen wir uns eine Pizza in unserem Backofen und machen anschließend noch einen kurzen Verdauungsspaziergang durch das kleine Geisterstädtchen. In einem Geschäft kauft Horst noch einen Film, denn morgen bleiben wir mit Sicherheit auch noch hier.


