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1997 Toronto u. Westkanada

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Montag, 21.9.98 - 24.805 km –
- Jasper -

Als wir heute morgen aufstehen, hat es über Nacht gereift, und es ist bitterkalt. Gegen 9.30 Uhr verabschieden wir uns vom Hidden-Lake und fahren bei tintenblauem Himmel Richtung Jasper. Wenige Kilometer vor unserem Ziel stehen plötzlich mehrere Autos am Straßenrand. Wir halten natürlich auch und sehen am weiter entfernten Waldrand einen Elch mit einer Riesenschaufel und eine Elchkuh mit einem Mini-Elch, die jedoch beide kurz darauf im Wald verschwunden sind. Der Elch ist zu weit entfernt, um ihn zu fotografieren. Durch das Fernglas kann man ihn aber gut beobachten. Frohen Mutes fahren wir zur Alpine Lodge, wo draußen schon das Schild "No Vacancy" hängt. Wir werden noch nicht stutzig und fahren weiter zur Tekarra Lodge, wo uns das gleiche "Besetzt-Schild" empfängt. Jetzt sind wir zunächst einmal ratlos, weil wir nicht wissen, wo wir heute Nacht bleiben sollen. Dann hat Horst die Idee, zu den Becker Chalets zu fahren, und dort haben wir wirklich Glück und bekommen eine supertolle Wohnung in einem 4-er Chalet mit separatem Schlafzimmer, Küche und Kamin. Wir bedauern, dass wir hier nur eine Nacht bleiben können. Die Chalets liegen wie die Terrakotta Lodge direkt am Athabasca-River. Die Anlage selbst ist aber nicht so gemütlich, denn wir finden sie eigentlich viel zu groß geraten. Hier steht Haus an Haus, und am Waldrand sollen im nächsten Jahr noch weitere Chalets gebaut werden. Wir wollten die vergangenen Urlaube schon immer mal hier übernachten, hatten bis heute aber kein Glück mit einer Reservierung. In Jasper essen wir zu Mittag und fahren dann zum Patrizia Lake. Dort mieten wir ein Kanu und schippern damit über den See. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt sieht das Wasser ganz dunkel aus, und man kann keinen Grund mehr sehen. Das ist nichts für mich, und ich fühle mich erst wieder wohler, als wir auf der anderen Seeseite in Ufernähe zur Anlagestelle zurückpaddeln.
Zurück in unserer komfortablen Unterkunft genießen wir bei flackerndem Kaminfeuer und deutschem Fernsehprogramm (Kanadische Deutsche Welle) unser Abendessen. Als ich im Schlafzimmer die Vorhänge zuziehen will, traue ich kaum meinen Augen, denn dort steht direkt vor unserem Fenster ein riesengroßer Wapiti-Hirsch und grast friedlich vor sich hin. Als sich ihm jedoch andere Touristen nähern, um ihn zu fotografieren, verschwindet er schnurstracks im Wald. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang am Flussufer. Dann ist Nachtruhe angesagt.



Dienstag, 22.9.98 - 24.985 km -
- Icefield Parkway, Lake Louise -

Unser Frühstück findet heute morgen am Kaminfeuer statt, bevor wir gegen 10.15 Uhr bei blauem Himmel Richtung Icefield Parkway starten. Die ganze Strecke bis Lake Louise begegnet uns kein einziges Tier. Auf den Berggipfeln liegt jetzt zum Teil schon der erste Neuschnee. Am Icefiel-Center blockieren Bergziegen die Straße, so dass alle Fahrzeuge eben halten müssen. Gegen 13.30 Uhr sind wir in Lake Louise und fahren zur Gondelstation, wo wir uns am Buffet unsere knurrenden Mägen füllen. Im Dorf kaufen wir noch etwas Saft für die letzten Tage und fahren gegen 15.15 Uhr zu unserer letzten Unterkunft unseres diesjährigen Urlaubs, dem Castle-Mountain-Village. Diese hatten wir zwar auch schon zu Anfang unseres Urlaubs für zwei Tage reserviert, konnten sie aber wegen des Streiks dann nicht nutzen. Bei unserer Anmeldung verhält sich die Dame hinter der Rezeption ziemlich reserviert und unpersönlich. Das verstärkt natürlich meinen negativen Eindruck, den ich schon Zuhause von diesem Village hatte. Obwohl wir sicher sind, dass sie unsere Hütte vermietet hatten, bekommen wir nur 50 % unseres gezahlten Preises zurück. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass wir hier nicht mehr buchen werden. Unser Häuschen ist zwar auch putzig und sauber, aber nicht vergleichbar mit den Becker Chalets. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier einfach nicht. Es ist viel zu teuer. Wir packen unsere Lebensmittel in den Kühlschrank (viel haben wir nicht mehr) und fahren dann noch 40 km in den Kootenay-Park hinein, mit der Hoffnung, zum Urlaubsende hier doch noch auf einen Bären zu treffen. Aber auch hier lässt sich keiner mehr blicken.
20.20 Uhr: Draußen dröhnt laut pfeifend eine kanadische Railway vorbei. Man fällt vor Lärm fast vom Hocker! Wie sich herausstellen wird, donnern auch nachts alle zwei Stunden Züge an den Hütten vorbei.



Mittwoch, 23.9.98 - 25.334 km -
- Lake Louise, Lake Agnes -

Man kann nicht gerade sagen, dass wir heute morgen richtig ausgeschlafen sind. Denn vier bis fünf pfeifende und dröhnende Züge heute nacht haben uns nicht durchschlafen lassen. Nach dem Frühstück fahren wir nach Lake Louise und kaufen im dortigen Buchladen einen Kalender und ein Buch von dem kanadischen Fotografen Bela Baliko, den wir am Fish-Creek getroffen haben. Nach unserem erneuten Mittagsmahl in der Gondelstation fahren wir noch einmal zum Lake Louise. Dort entscheiden wir uns dann ganz spontan für eine Wanderung auf dem Lake-Agnes-Trail zur Teehütte am gleichnamigen See. Der Weg führt unmittelbar in Ufernähe des Lake Louise steil bergauf und ist ziemlich anstrengend. Unterwegs begegnen uns die beiden Bayerinnen vom Hidden-Lake. Sie erzählen uns, dass sie dort abends einen Schwarzbären gesehen haben. Sie sind jetzt schon auf dem Rückweg vom Teehaus und übernachten heute in einer Lodge in Golden. Nach einem etwa 1 ½ stündigem schweißtreibenden Fußmarsch erreichen wir unser erstes Ziel, den Mirror Lake. Von Spiegelsee kann jetzt keine Rede sein, denn mittlerweile ist aus dem See mehr ein Tümpel geworden. Das sieht im Frühjahr wohl ganz anders aus, wenn das Schmelzwasser aus den Bergen den See füllt. Anschließend geht es noch 800 m weiter den Berg hinauf bis zum Teehaus. Von dort hat man eine phantastische Aussicht auf Lake Louise und den Icefield-Parkway. Bei Kuchen und Limonade machen wir eine verdiente Rast am Lake Agnes, einem glasklaren Bergsee, und machen uns dann wieder auf den Rückweg, den wir in 45 Minuten schaffen.
In unserer Hütte geht es dann ans Kofferpacken, denn morgen ist unser Urlaub unwiderruflich zu Ende. Wir verspeisen dann noch unsere restlichen Vorräte (bis aufs Frühstück für morgen früh) und machen uns zum letzten mal auf Bärenjagd. Doch auch heute haben wir keinen Erfolg, aber wir haben am Fish-Creek ja auch genug Bären gesehen.



Donnerstag, 24.9.98

Gegen 13.00 Uhr sind wir in Calgary am Flughafen und geben dort unser Mietauto zurück, was völlig unproblematisch ist. Danach gehen wir mit unsrem Gepäck ins Flughafengebäude zum Air-Canada-Schalter, um einzuchecken. Dort stellt sich dann heraus, dass wir nur noch zwei nicht nebeneinander liegende Sitze reservieren können, da der Flug restlos überbucht ist! Wenn wir später gekommen wären (wir sind viereinhalb Stunden vor Abflug am Schalter!!!), hätten wir gar nicht mehr reservieren können. Irgendwie ist in diesem Urlaub der Wurm drin. Im Warteraum bricht dann auch später das Chaos aus. Die Fluggesellschaft sucht händeringend mindestens 50 Passagiere, die freiwillig den nächst verfügbaren Flug nehmen (was immer auch "nächst verfügbar" heißen mag) oder die auf andere Fluggesellschaften umsteigen. Wir haben ja zum Glück eine Sitzplatzreservierung und werden auf jeden Fall mitfliegen. Wir sitzen dann noch über eine Stunde im Flugzeug, bevor wir endlich mit Verspätung starten können. Angeblich war ein Ventil defekt und der Tank nicht voll genug, so dass noch einmal nachgetankt werden musste. Um das Maß dann endgültig voll zu machen und uns ein für allemal von Flügen mit Air-Canada zu kurieren, ist die Klimaanlage wohl auf höchste Stufe eingestellt. Es ist eiskalt im Flieger, und viele Fluggäste haben Winterjacken übergezogen, weil man es sonst nicht aushalten kann. Irgendwie und irgendwann kommen wir dann doch in Frankfurt an, müssen uns aber sputen, damit wir den Anschlussflug nach Köln noch bekommen. Das klappt zwar auch alles noch, aber als wir in Köln landen, sind unsere Koffer nicht mitgekommen. Wir müssen sie also erst noch als vermisst melden. Nach einer weiteren Stunde ist dieser Formularkrieg dann auch erledigt, und man verspricht uns, dass die Koffer eventuell noch heute abends bis vor unsere Haustür gebracht werden (vorausgesetzt, Air Canada hat sie nicht nach China oder sonst wohin geflogen). Jedenfalls brauchen wir nur unser Handgepäck in unser Auto packen und fahren dann nach Hause.
PS: Unsere Koffer sind wirklich wieder aufgetaucht und werden uns am nächsten Morgen gebracht.