Urlaub im Bärenland
vom 8.9. - 24.9.1998
Unser diesjähriger geplanter Urlaub in unserem Traum-Urlaubsland Kanada steht unter keinem guten Stern. Schon einige Zeit vorher habe ich ein ungutes Gefühl, weiß aber nicht warum. Wir haben zum ersten Mal bei einem uns völlig unbekanntem Reisebüro in Süddeutschland gebucht, weil wir dort einen preisgünstigen Flug mit der Air Canada bekommen, der auch noch einen Zubringerflug von/bis zum Kölner Flughafen einschließt. Am Samstag, 5.9.98 soll es los gehen. Pünktlich haben wir alle Reiseunterlagen (Flugtickets und Unterlagen für unseren Mietwagen) bekommen, aber das ungute Gefühl verlässt mich nicht. Einen Tag vor unserem Abflug fällt mein Blick rein zufällig auf einen kleinen kurzen Zeitungsartikel, in dem steht, dass Air Canada und American Airlines streiken. Sofort rufe ich bei der Lufthansa an (den Flug führt die Lufthansa in Allianz mit Air Canada durch). Eine freundliche Dame erklärt mir, dass sie zwar von dem Streik gehört habe, aber für unseren Flug keine Gefahr besteht und wir ruhig unsere Koffer packen sollen. Ich will mich aber nicht alleine auf ihre Aussage verlassen und rufe vorsichtshalber auch noch im Lufthansabüro direkt am Flughafen an, wo ich die gleiche Auskunft erhalte. Jetzt sind wir uns eigentlich sicher, dass es am nächsten Tag losgehen wird. Wir treffen also Zuhause unsere letzten Reisevorbereitungen, damit wir am darauffolgenden Tag pünktlich mit unserem Auto zum Flughafen Köln starten können.
Samstag, 5.9.98
Wir haben morgens Zeit genug, um in aller Ruhe zum Flughafen zu fahren. Dort werden wir das Auto während des Urlaubs stehen lassen (die Parkgebühren für drei Wochen betragen 125,-- DM). Als wir am Schalter einchecken wollen, fragen wir nach, ob unser Flug trotz des Streiks pünktlich von Frankfurt aus starten wird. Die Dame hinter dem Schalter sagt, dass es schon seit Tagen wegen des Streiks chaotisch zuginge. Aber irgendwie scheint sie nicht so recht Bescheid zu wissen. Auf unseren Hinweis, dass wir von der Lufthansa selbst eine Bestätigung unseres Fluges bekommen haben, checkt sie unser Gepäck bis Calgary durch und händigt uns die Flugscheine bis Frankfurt aus, wo wir noch einmal einchecken müssen. Wir fliegen also voller Vorfreude auf unseren Urlaub nach Frankfurt. Und dann bricht dort das Chaos aus! Wir erfahren, dass schon seit dem 2. September alle Flüge eingestellt sind und die Passagiere soweit wie möglich auf andere Fluggesellschaften umgebucht würden. "Soweit und sobald wie möglich" heißt in unserem Fall aber, dass vor Dienstag überhaupt nichts geht, zumal die Passagiere vom 3. und 4. September teilweise auch noch auf Flugverbindungen warteten. Wahrscheinlich würde es allerdings noch länger dauern, bis wir einen anderen Flug bekämen. Wir können das Ganze kaum fassen, zumal wir von der Lufthansa eine ganz andere Auskunft bekommen haben. Sollte ein Flug tatsächlich erst nach dem 8.9. möglich sein, müssen wir unseren gesamten Urlaub absagen, da Horst am 28.9. schon wieder arbeiten muss. Verärgert und wütend über das Verhalten der Lufthansa holen wir erst einmal unsere Koffer vom Band zurück (sie sind zum Glück tatsächlich in Frankfurt gelandet und nicht irgendwo anders). Unser Reiseveranstalter ist zur Zeit wegen Betriebsurlaub nicht zu erreichen, hat aber eine Telefon- und Faxnummer in Kanada hinterlassen. An ihn werden wir uns wenden, wenn wir heute Nachmittag wieder Zuhause sind. Dann gehen wir zum Lufthansa-Ticketschalter und versuchen, auf irgendeine andere Maschine umzubuchen. Doch auch dort heißt es: In den nächsten Tagen geht gar nichts mehr! Die Frage der Lufthansa-Mitarbeiterin, ob wir den Urlaub um eine Woche verschieben könnten, müssen wir verneinen. Daraufhin sucht sie in ihrem Computerprogramm nochmals nach anderen Flugverbindungen. Schließlich scheint es zu klappen, und wir ergattern für den 8.9., also am Dienstag, noch zwei Plätze für einen Flug mit Lufthansa/United Airlines über Chicago nach Calgary. Die Lufthansa ist wenigstens so kulant, dass sie uns den Rückflug von Frankfurt nach Köln bezahlt.
Gegen 13.00 Uhr hebt der Flieger ab und vierzig Minuten später sind wir wieder in Köln. Am dortigen Lufthansaschalter versuchen wir noch einmal unser Glück und fragen nach einem Flug in der Business-Class. Aber selbst das ist jetzt vergebens. Allerdings kann sich der Mensch hinter dem Schalter gar nicht erklären, warum man uns heute morgen überhaupt noch nach Frankfurt hat fliegen lassen, zumal er selbst morgens Passagiere abgefangen und sie auf andere Fluggesellschaften umgebucht hat. Da wäre wohl ein großer Fehler passiert, meint er. Wohl wahr! Am Nachmittag sind wir jedenfalls wieder Zuhause. Dort geht dann erst einmal die Faxerei los. Dem Reiseveranstalter schicken wir eins nach Kanada, und dann müssen wir noch die beiden Unterkünfte in der Castle Mountain Lodge und der Tekarra Lodge stornieren. Die Rezeptionistin vom Castle Mountain wirkt bei unserer telefonischen Rückfrage irgendwie unfreundlich und abweisend auf mich. Sie erklärt uns, dass wir im Falle einer Vermietung nur 50 % der Kosten zahlen müssen. Anderenfalls müssten sie "leider" den vollen Betrag einbehalten. Das erscheint mir zwar nicht logisch, steht aber in den Rücktrittsbedingungen so drin. Die Tekarra Lodge meldet sich auf unser Fax nicht. Kurze Zeit später erreicht uns ein Anruf unseres Reisebüros. Herr Igla ist zur Zeit selbst in Kanada (Yukon) und hat von dort sofort bei Air Canada angerufen, als er vom Streik erfahren hat. Auch dort hat man ihm gesagt, dass unser Flug nicht gefährdet sei. Jetzt ist er genauso sauer wie wir und wird sich Konsequenzen vorbehalten. Er hat mit der Autovermietung Tilden telefoniert und ihnen unsere spätere Ankunft mitgeteilt. Von dort bekämen wir auch die verlorenen Tage erstattet.
Abends fallen wir müde und geschafft ins Bett. Wir wissen immer noch nicht so ganz, ob wir am Dienstag überhaupt noch fliegen sollen. Wir müssen erst einmal eine Nacht darüber schlafen.
Am nächsten Morgen sind wir zwar noch genauso frustriert, entscheiden uns dann aber doch nach längerem Abwägen für die Reise.
Als ich am anderen Tag bei der Lufthansa den Flug bestätigen lasse (ich weiß eigentlich gar nicht, ob das sinnvoll ist, denn das hat uns am Freitag auch nichts genutzt), erzählt mir die überaus freundliche Dame am anderen Ende der Leitung, dass wir großes Glück gehabt hätten, überhaupt noch einen Flug am Dienstag zu bekommen, denn die nächsten freien Plätze seien frühestens wieder am Wochenende zu bekommen. Trotz dieser Nachricht kommt keine so rechte Urlaubsfreude auf. Uns fehlen einfach vier Tage, die wir schon fest in unsere Reisepläne eingebaut hatten (man sollte gar nicht soviel im Voraus planen!). Unter anderem wollten wir zum Südzipfel von Alaska. Dort soll es einen Fluss geben, an dem man Bären beim Fischen beobachten kann. Ob wir jetzt überhaupt noch dorthin fahren können, wissen wir nicht.
Dienstag, 8.9.98 (vier Tage später als geplant)
B 32000 - 21.618 km
-Chicago, Calgary -
Um 6.40 Uhr hebt der Airbus 310-300, mit dem wir zum erstenmal fliegen, nach Frankfurt ab. In Köln haben wir heute wieder unser Gepäck bis Calgary durchgecheckt. Hoffentlich geht das gut, denn wir landen in Chicago zwischen, und das ist einer der größten Flughäfen der Welt. Dort müssen wir unser Gepäck identifizieren, bevor es in die richtige(!) Maschine nach Calgary verladen wird. Da die Maschine ab Frankfurt überbucht ist, erhalten wir nur noch zwei Mittelplätze. In Frankfurt angekommen, begeben wir uns zum Schalter der Lufthansa und tauschen diese Plätze gegen einen Gang- und einen Mittelplatz. Eine Boing 747-400 wird uns zunächst nach Chicago bringen. Dort geht es dann später mit Canadian Airways weiter nach Calgary. Um 10.37 Uhr hebt der Flieger ab und wir fliegen über Wiesbaden und Köln in Richtung Amsterdam und weiter über Island, Grönland nach USA. Beim Mittagessen (Pute, Reis, Gemüse - Lachs, Kartoffeln, Gemüse) überfliegen wir Island, und müssen nach einem kleinen Mittagsschläfchen einen Visa-Antrag für die USA ausfüllen, obwohl wir dort ja gar nicht hinwollen. Aber die Amerikaner bestehen darauf. Gegen 17.00 Uhr MEZ überfliegen wir die Südküste Grönlands und können von oben riesige Eisberge vor der herrlichen Küste im Wasser treiben sehen. Wie schön muss das erst von dort unten aussehen. Das ist schon ein gigantischer Anblick. Jetzt sind es noch eineinhalb Stunden bis zu unserer Landung in Chicago. Dort auf dem Flughafen ist unser Weiterflug auf dem Monitor nicht zu finden (wir haben schon die schlimmsten Befürchtungen), aber die nette Dame hinter dem Schalter teilt uns unser Abfluggate mit. Wir identifizieren unsere beiden Koffer (sie sind tatsächlich da) und legen sie auf ein Förderband, von wo aus sie hoffentlich zur richtigen Maschine der Canadian-Airlines weitergeleitet werden. Zu unserem richtigen Terminal müssen wir mit einem Zug fahren, so gigantisch ist dieser Flughafen.
Die Boeing 737-200 (mindestens 25 Jahre alt, sagt Horst) startet mit einer Stunde Verspätung wegen eines Flugzeugstaus auf der Startbahn. Wir werden wohl heute nicht mehr bis nach Lake Louise kommen. Das Essen der Canadian Airlines schmeckt den meisten Passagieren und uns nicht (Huhn mit Reis, Gemüse). Überhaupt ist der gesamte Service hier an Bord ein wenig dilettantisch, den die Besatzung holt das Essen einzeln aus der Bordküche!. Das muss man sich mal bei einem voll besetzten Flugzeug vorstellen. Bei 23 C; landen wir mit einer etwas mehr als halbstündigen Verspätung in Calgary, und zwar mit unseren Koffern. Am Tilden-Schalter erhalten wir die Unterlagen und den Schlüssel für unser Mietauto. Auf eine Erstattung der verlorenen vier Tage lassen sie sich entgegen den Aussagen unseres Reisebüros nicht ein. Wir wollen uns nicht schon wieder ärgern, den die wenigen Urlaubstage, die wir jetzt noch haben, sind uns einfach zu kostbar. Wir werden das nach unserer Rückreise klären. Nachdem wir uns eine Telefonkarte gekauft haben, fangen wir mit der Unterkunftssuche an. Wir hoffen, in zwei Stunden in den Rockys zu sein und wollen in Lake Louise (Castle Mountain Village oder Baker Creek) übernachten. Doch bei beiden heißt es: Sorry, we are full! Wir entschließen uns dann, unterwegs auf dem Weg nach Banff in einem Motel zu bleiben (vielleicht im Kananaskis Land). Wir laden unser Gepäck in unser Mietauto, das uns die nächsten zwei Wochen durch Kanada kutschieren soll. Es ist ein weißer Pontiak und von der Ausstattung nicht mit den Autos von Hertz zu vergleichen. Nach mehreren Versuchen passt auch mein großer Koffer in den Kofferraum. Horst besteht darauf, über Airdrie auf der alten 1a Richtung Banff zu fahren. Da wir aber nur einen groben Stadtplan von Calgary haben, verfahren wir uns total und wissen bald nicht mehr, wo wir eigentlich sind. Die Nerven liegen nach dem langen Flug und den Aufregungen der vergangenen Tage auch ziemlich blank. Zu allem Unglück fängt es auch noch an zu regnen und wird bald dunkel. Wir fahren durch irgendwelche Vororte von Calgary, wo nicht ein einziges Motel zu finden ist. Irgendwie finden wir auf unserer Karte dann doch noch den Zubringer, der zum Highway 1 (Trans-Kanada-Highway) führt und steuern dort das nächste Motel an, das uns einigermaßen in Ordnung erscheint. Es kostet 76 Dollar und ist sehr sauber. Im Shop nebenan kaufen wir uns noch schnell ein paar Getränke und fallen dann geschafft ins Bett.


