Alles hört auf mein Kommando... (Käpten Horst)
Mit jeder Reise mehr, die sie in den Süden Berlins zu ihrer Freundin machte, schwärmte Inge von der herrlichen Seenlandschaft und den unendlich erscheinenden Brandenburger Wäldern. Und dann war er eines Tages da: Der Funken der Begeisterung für eine Bootstour auf den Brandenburger Gewässern!
Unsere befreundete Nachbarin Erika, die ebenso wie ich einen Motorbootführerschein hat, steckten wir mit unserer Euphorie an und beschlossen, mit dem Hausboot durch das Dahme-Seen-Gebiet südlich von Berlin zu fahren. Obwohl weder Erika noch ich praktische Erfahrung mit einem Schiff hatten, schien das bei der Bootsvermietung kein Handikap zu sein (das könne man ohne große Erfahrung lernen, außerdem sei unsere geplante Strecke hinter der ersten Schleuse führerscheinfrei...) und unserer Buchung stand somit nichts mehr im Wege.
Am 31. Mai 2008 flogen wir von Köln nach Berlin-Schönefeld und fuhren mit dem Sammeltaxi zum Bootsverleih nach Zeuthen. Da das Boot noch gereinigt wurde, erledigten wir zunächst alle erforderlichen Formalitäten. Am frühen Nachmittag stießen noch Regina und Bernd, ein befreundetes Ehepaar zu uns. Da sie ihr Auto dabei hatten, konnten wir in Ruhe unsere Einkäufe für die vor uns liegende Woche tätigen. Nach dem Einkauf bringen wir unser Gepäck an Bord und richten uns auch gleich häuslich ein. Beim Betreten unseres schwimmenden Zuhauses für die vor uns liegende Woche beschleichen uns zum ersten Mal leise Zweifel. Das Hausboot ist riesig (12,80 m lang, 3,85 m breit und hat einen Tiefgang von ca. 80 cm). An Bord sind drei Kajüten mit kleinem Bad, eine Küche und ein Wohnbereich, der auch als zweiter Fahrstand dient. Im hinteren Bereich des Schiffes gibt es eine kleine Badeplattform, von der aus man bequem über eine Leiter schwimmen gehen kann.
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Am Nachmittag erhalten wir von einem Mitarbeiter des Bootverleihs eine Einweisung, die jedoch kürzer und nicht so intensiv ausfällt, wie im Prospekt angegeben. Seine erste Bemerkung, als er hört, dass niemand von uns Erfahrung hat, reißt ihn zu der Frage hin, wie man dann um Himmels Willen so ein großes Boot mieten kann. Ja, das hat sich Inge ja auch gefragt, als sie sich vor der Buchung umfassend informiert hat. Ihre aufkommende Skepsis an unserem Unternehmen kann man ihr nun an der Nasenspitze ansehen. Alle Mitreisenden haben mich einstimmig zum Käpten auserkoren und nun ist es an mir, meine Mannschaft zu beruhigen. Ich versichere ihnen glaubhaft, dass ich das Schiff schon schaukeln werde...
Für Mister X, den Einweiser, ist es Alltag und Routine, sieht alles so einfach aus (Zündschlüssel drehen, Gas geben und los geht´s...), aber für uns ist vieles jedoch absolutes Neuland. Wir drehen mit mit ihm eine Runde auf dem Zeuthener See, um das Boot in Aktion kennen zu lernen und ein Fahrgefühl zu bekommen und üben einige Manöver. Gekonnt und sicher steuert Mister X. danach die Anlegestelle an und manövriert das Schiff mühelos an seinen Platz am Steg. Wie gesagt, alles einfach, wenn, ja wenn das Boot nur nicht so riesig wäre.
Nachdem er das Boot verlassen hat, sind wir auf uns alleine gestellt. Wir beschließen erst einmal, uns in aller Ruhe auf dem Sonnendeck zu stärken, bevor wir dann unsere ersten eigenen Runden auf dem See drehen und versuchen, das vorhin Gelernte selbst zu üben. Große Probleme haben wir dabei nicht, so dass ich mit meiner Mannschaft, die von nun an auf mein Kommando hören muss, frohen Mutes nach einiger Zeit wieder zum Anleger zurückkehre. Wir haben das Glück, längs anlegen zu können, was bedeutend einfacher ist, als heute Nachmittag rückwärts in eine schmale Lücke einzuparken.
Ich habe zwar einen Motorbootführerschein vor über 30 Jahren gemacht, aber damals war die Ausbildung reine Theorie und ich hatte nicht eine Minute Praxis, hab also bis heute noch nie ein Boot auf einem Wasser gesteuert, erst recht nicht solch ein großes und auch vom Anlegen hatte ich keine Ahnung. Langsam wird mir klar, was Mister X. heute Nachmittag damit meinte, als er sagte, wir wären ja ziemlich mutig... Wieso "wir"? Ich bin der Käpten...
Etwas müde von der Anreise, aber auch von den Unsicherheiten des Skipperdaseins entsetzt, verschwinden wir an diesem Abend zeitig in unseren Kojen und harren gespannt auf die Dinge, die da jetzt kommen werden.
Logbuch - Teil II









