Bilder zu dieser Kanadareise gibt es leider nicht. Wir haben zwar Fotos gemacht, diese haben aber beim Einscannen qualitätsmäßig so gelitten, dass wir von einer Veröffentlichung Abstand genommen haben.

 

 

 

ZUM ERSTEN MAL IM BÄRENLAND

 

 

28.5. - 25.6.1995


Sonntag, 28.5.95
- Vancouver -

Um 8.00 Uhr fahren wir mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen, wo wir um 11.10 Uhr eintreffen. Als wir mit dem vollgeladenen Gepäckwagen die Rolltreppe zur Abflugebene hochfahren, bleibt der Wagen oben stecken, und wir fallen fast die Treppe hinunter. Das wäre beinahe schon das Urlaubsende gewesen. Wir checken beim Lufthansa Schalter ein. Leider bekommen wir nur zwei Plätze in der Mitte des Flugzeuges, da die begehrten Fensterplätze schon alle besetzt sind. Um 14.25 Uhr startet unsere Boeing 747-200 in Richtung Vancouver. Auf den Flügen nach Kanada herrscht totales Rauchverbot, herrlich! Nach dem Essen machen wir ein Nickerchen. Das lange Sitzen wird uns langsam zuviel, und ich möchte jetzt am liebsten aussteigen. Mir ist rätselhaft, wie wir die langen Flüge nach Neuseeland und Australien ausgehalten haben. Gegen 22.30 Uhr erreichen wir die Rocky Mountains. Wir fliegen jetzt 10.700 m hoch (970 km pro Stunde). Die Außentemperatur beträgt - 54 C! Eine Stunde Flugzeit liegt noch vor uns. Gegen 23.00 Uhr MEZ landen wir in Vancouver. Es ist leicht bewölkt und 19 C warm. Der Zeitunterschied beträgt neun Stunden. Hier ist es jetzt 14.00 Uhr. Die Pass- und Zollformalitäten gehen ziemlich schnell. Mit dem Taxi fahren wir zu unserem gebuchten Hotel (Parkhill) in die Innenstadt (ca. 25 Minuten Fahrzeit - 20 Dollar). Mittlerweile haben wir strahlend blauen Himmel und 23 C. Vancouver gefällt mir auf Anhieb. Die Stadt ist von Fjorden und schneebedeckten Bergen umgeben. Unser Hotel liegt in einer sehr lebhaften Straße mit viel Verkehr. Der Hoteldiener, der unsere Gepäckstücke aufs Zimmer bringt, amüsiert sich über meinen schweren Koffer und erzählt uns, seine Frau schleppe auch immer soviel mit. Was soll das denn heißen? Wir packen nur die notwendigsten Dinge aus, da wir ja nur zwei Tage hier bleiben werden. Gegen 19.00 Uhr liegen wir geschafft im Bett.



Montag, 29.5.95
- Vancouver -

Um 4.45 Uhr ist für uns beide die Nacht zu Ende. Wir sitzen im Bett und kauen Kekse, telefonieren kurz nach Hause und gehen um 6.30 Uhr frühstücken. Gegen 8.30 Uhr marschieren wir los in Richtung Schiffsanlegestelle. Die Touristeninformation hat noch geschlossen, ebenso die Geschäfte, die erst ab 9.30 Uhr bzw. 10.00 Uhr öffnen. Für sieben Dollar fahren wir auf den Vancouver Tower, wo wir eine phantastische Sicht auf die Stadt und die umliegenden Berge haben. Wir kaufen uns anschließend eine Straßenkarte von Vancouver-Island, die wir ab übermorgen brauchen werden, und bummeln dann durch das älteste Stadtviertel "Gastown" mit der berühmten Dampfuhr. Danach geht es zum Canadaplace, wo das Kreuzfahrtschiff "Star Princess" vor Anker liegt. Wir haben 24 C und Sonnenschein. In einer der zahlreichen Ess-Straßen nehmen wir einen kleinen Mittagsimbiss zu uns und erstehen anschließend eine CD. Damit wir nach Hause anrufen können, legen wir uns noch eine Telefonkarte zu, womit das Drama des Telefonierens beginnt. Es dauert einige Zeit, bis wir das System durchschaut haben und endlich telefonieren können. Nach unserem Spiel mit dem Telefon entschließen wir uns, zu Fuß zum naheliegenden Stanley-Park zu marschieren. Der Fußweg führt über das Kokshafengelände und endet plötzlich. Mir fallen vor Müdigkeit fast die Augen zu und die Füße vom vielen Laufen ab. Wir kehren um und fahren mit dem Bus zum Park. Die Rundfahrt um die Halbinsel findet heute nicht statt, und so bummeln wir ein wenig zu Fuß durch den Park. Mit dem Bus geht es auch wieder zurück zum Hotel. Wir fallen gegen 18.00 Uhr geschafft ins Bett. Das war's für heute.



Dienstag, 30.5.95
- Vancouver -

Um 2.45 Uhr sitzen wir wieder mal munter im Bett und verspeisen unsere Kekse. Wir stöbern in unserem Kartenmaterial und planen die Route für die nächsten Tage. Nach einem reichhaltigen Frühstück geht es wieder auf Achse. Es ist leicht bewölkt und frisch. Wir fahren zunächst mit dem Bus zum Queen-Elisabeth-Park mit einem sehr schönen Gewächshaus. Mittags sind wir wieder zurück und essen eine Kleinigkeit. Im Hotel ziehen wir uns um, denn inzwischen ist es ziemlich warm geworden. Nachmittags bummeln wir durch die bekannte Robson-Street, eine Einkaufsstraße und gehen dann zu Fuß zum Stanley-Park. Mir ist es inzwischen in der Sonne viel zu heiß. Auf unserem Rückweg gehen wir wieder an der Schiffsanlegestelle vorbei. Hier hat heute die "Statendam" festgemacht, die wir im Februar im Hafen von Curacao gesehen haben. So trifft man sich wieder! Da das Schiff gerade wieder auslaufen soll, bleiben wir noch solange am Kai und genießen den imposanten Anblick des riesigen Schiffes vor der wunderschönen Bergkulisse. Heute Abend halten wir schon etwas länger durch. Als ich mein Tagebuch schreibe, ist es schon 19.30 Uhr.



Mittwoch, 31.5.95 - Ford Contour GL, AHN 324 -11.627 km
- Vancouver-Island, Parksville -

Es ist 4.30 Uhr und keine Wolke am Himmel zu sehen. Auf unserer Überfahrt nach Vancouver-Island werden wir schönes Wetter haben. Heute morgen müssen wir zum Flughafen und dort unser Mietauto abholen. Gegen 8.00 Uhr fahren wir mit dem Taxi und unserem gesamten Gepäck zur Autovermietung am Flugplatz. Die Formalitäten gehen erstaunlich schnell. Wir erhalten die Schlüssel für einen viertürigen Ford Contour GL. Im Auto funktioniert zunächst einmal nichts, und wir müssen uns durch die zahlreichen Knöpfe und Schalter selbst durchwühlen. Unser Stresspegel steigt natürlich dementsprechend in die Höhe. So nach und nach kommen wir hinter die Tücken unseres vierrädrigen Gefährtes. Auch die Automatik ist zunächst noch gewöhnungsbedürftig. Mit Ach und Krach passt mein Riesenkoffer in den Kofferraum (Glück gehabt!). Wohlbehalten kommen wir am Fährhafen an und setzen gegen 10.15 Uhr nach Vancouver-Island über. Auf See weht ein kühles Lüftchen, und ich bin froh, dass ich meine Jacke mit an Deck genommen habe. Die Sicht auf die Inseln und die schneebedeckten Berge ist phantastisch. Hoffentlich bleibt das Wetter in der nächsten Zeit so schön. Die Überfahrt verläuft entgegen meinen Befürchtungen sehr ruhig. Gegen 12.15 Uhr legen wir in Nanaimo an. Statt himmlischer Ruhe ist auf dem dortigen Highway die Hölle los. Mittlerweile ist auch die Sonne hinter Wolken verschwunden, und es sind nur noch 19 C. An einem Einkaufszentrum halten wir und essen ein Sandwich. Es geht weiter in Richtung Norden. Der Verkehr und die vielen Lastwagen "stinken" uns allmählich im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz vor Parksville biegen wir in einen schmalen Weg rechts ab, und hier beginnt dann endlich unser kanadischer Traum. Es ist ein Ressorthotel mitten im Wald und in unmittelbarer Meernähe. Wir mieten uns ein Blockhaus mit offenem Kamin, Küche und eigenem Whirlpool! Zum Einkaufen fahren wir ins nahegelegene Parksville. Weil es uns in unserer "Hütte" so gut gefällt, wollen wir noch einen Tag länger hier bleiben, müssen aber morgen umziehen, da das Haus nicht mehr frei ist. Abends machen wir einen Strandspaziergang. Draußen ist es ganz still, obwohl überall im Wald verteilt Hütten stehen, die alle belegt sind. Jetzt fehlt nur noch ein Grizzly vor der Haustür.

 

 

Dienstag, 6.6.95 - 12.458 km
- Campbell River, Strathcona Provincial-Park, Goldriver

Die Aussicht auf den Fluss ist herrlich, und das Wetter scheint gut zu bleiben. Gegen 9.45 Uhr fahren wir los und halten heute noch einmal an den Elk-Falls, wo wir einen schönen Morgenspaziergang durch den Wald mit alten Douglasien und zahlreichen Wasserfällen machen. Die Fälle sind nur im Frühjahr zu sehen, da oberhalb ein Staudamm gebaut wurde, der sonst das Wasser zurückhält. Danach geht es weiter in die z. T. noch unberührte Wildnis. Am Eingang zum Strathcona Provincial-Park halten wir auf dem dortigen Parkplatz. Auf den Hinweistafeln wird eindringlich vor Berglöwen und Schwarzbären gewarnt, obwohl die Begegnung mit ihnen äußerst selten sein soll. Das beruhigt uns natürlich gleich wieder. Zum Glück wissen wir noch nicht, dass uns heute noch eine Bärenbegegnung bevorsteht! Die Landschaft hier ist einmalig schön und ganz so, wie wir uns Kanada vorgestellt haben: riesige Wälder rechts und links der Straße, dazwischen Seen und Flüsse und nur sehr wenige Autos. Gegen 14.00 Uhr erreichen wir nach zahlreichen Stops unser heutiges Ziel, Goldriver. Das winzige Städtchen (ca. 2.000 Einwohner) liegt in einem Talkessel und ist von dichten Wäldern und schneebedeckten Bergen umgeben. Der Ort selbst hat nichts Schönes an sich. Als ich dann noch unser heutiges Motel von außen sehe (verwittertes Holz und einer Baracke nicht ganz unähnlich), möchte ich am liebsten zurückfahren. Die Zimmer sind jedoch sehr schön, supersauber und fast neu. Auch der Ausblick auf das Tal ist toll. Leider haben wir nur einen Kühlschrank auf dem Zimmer und ansonsten keine Kochgelegenheit. Aber wir können die sehr schöne Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle benutzen. Das tun wir dann auch und sind dort völlig ungestört.
Nach dem Mittagessen fahren wir zu dem nur wenige Kilometer entfernten Hafen, von wo aus man einmal wöchentlich (leider nur dienstags, also heute) einen Tagesausflug mit dem Schiff MV Uchuck III nach Thasis unternehmen kann. Jetzt ärgern wir uns, dass wir nicht schon gestern bis hierher gefahren sind. Unten am Hafen liegt ein großes Sägewerk, und zwei Wasserflugzeuge landen gerade. Es sind Angler, die zu Lodgen in die Wildnis ein- bzw. ausgeflogen werden. Ganz in der Nähe gibt es noch eine kleine Siedlung. Ansonsten ist hier wie in Goldriver nichts los. Ein Ehepaar mit zwei Kindern, die hier am Wasser spazieren gehen, erzählen uns, sie hätten vor fünf Minuten auf der anderen Fluss-Seite einen Bären gesehen. Wir glauben natürlich, sie wollten uns einen solchen aufbinden, dann sehen wir ihn selbst. Er steht im Gebüsch und frisst Früchte von den Sträuchern. Einmal richtet er sich halb auf, und wir sehen, wie groß er sein muss. Wir sind froh, dass der Fluss zwischen uns ist. Dann verlieren wir ihn aus den Augen. Noch vor wenigen Stunden haben wir von der seltenen Begegnung mit Bären gelesen, von wegen!
Abends reservieren wir auf Quadra Island, einer Insel gegenüber von Campbell River, unsere nächste Unterkunft in einer Lodge. Wir hoffen, dass das Wetter bis Samstag und während unserer Überfahrt so bleibt. 21.40 Uhr - Vor unserem Fenster auf der Wiese steht ein Reh!



Mittwoch, 7.6.95 - 12.595 km
- Goldriver, Campbell River, Quadra-Island

Wir beeilen uns heute morgen, damit wir die ersten im Frühstücksraum sind. Wir sind die Einzigen. Nur ein kleines Reh grast friedlich auf der Wiese vor dem Fenster.
Gegen 10.00 Uhr brechen wir auf in Richtung Campbell River. Unterwegs halten wir an einem See, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Wir sind kaum ein paar Schritte in den Wald gegangen, da stoßen wir auf eine tierische Hinterlassenschaft. Unser erster Gedanke: ein Bär, unser zweiter: nichts wie weg, denn vielleicht hat er noch nicht gefrühstückt! Vorsichtshalber treten wir daher den Rückzug zum Auto an. Gegen Mittag sind wir wieder in Campbell River. Nach Einkaufen und Mittagessen nehmen wir um 14.30 Uhr die Fähre nach Quadra-Island. Die Fahrzeit beträgt ca. zehn Minuten. Dort angekommen, verfahren wir uns erst einmal ordentlich, da wir das Schild zu unserer Lodge übersehen haben. Wir machen eine halbe Inselrundfahrt und finden dann doch noch den richtigen Weg. Es ist eine Insel zum Verlieben: dunkle Wälder mit viel Farngewächsen und darin versteckt Wohnhäuser und Farmen. Kilometerweit Natur pur und keine Menschenseele zu sehen. Die letzten drei Kilometer müssen wir auf einer Schotterpiste durch den Wald fahren, bevor wir endlich die Lodge erreichen. Es ist ein großer Holzbau direkt am Wasser und mit Blick auf Campbell River. Die Eingangshalle ist riesengroß und steht auf hohen dicken Baumstämmen. Unser Zimmer ist zweistöckig und hat oben auf der offenen Empore auch noch ein großes Bett. Vom Balkon aus können wir hinüber nach Vancouver Island sehen. Wir stellen unser Gepäck im Zimmer ab und erkunden dann die Gegend. Unten am Meer stehen vier einzelne Cottages, die auch noch zu der Anlage gehören. Wir laufen am Leuchtturm vorbei bis zum hoteleigenen Bootsanlegesteg. Dort sehen wir einen Seelöwen im Wasser umherpaddeln. Als er uns erblickt, taucht er blitzschnell unter. Auch von unserem Hotel aus sind später einige zu sehen.
Gegen 19.00 Uhr fahren wir noch los, um uns die Insel noch etwas anzusehen und ein Quartier für die nächsten Tage festzumachen. In Port Hardy klappt es sofort mit einem Motel, Prince Rupert dagegen artet fast zum Drama aus: Sorry, we are full! Wir fürchten langsam, dass wir bei unser mitternächtlichen Ankunft dort im Auto übernachten müssen. Schließlich haben wir in einem weiter vom Fährhafen entfernten Motel doch noch Glück. Ich bin mal gespannt, wo wir dort landen. Bei traumhaften Blick übers Meer auf die Schneeberge von Vancouver Island nehmen wir noch einen Drink und sinken dann müde ins Bett.



Donnerstag, 8.6.95 - 12.760 km
- Quadra-Island, Port Hardy

Als wir heute morgen aufstehen, ist es windstill und schwülwarm. Unser im Preis eingeschlossenes Frühstück ist enttäuschend: süße Brötchen, Marmelade, dünner Kaffee und Obstsalat, der schon einen leichten Stich hat. Dafür ist die Aussicht um so schöner, wir haben klare Sicht auf die gegenüberliegenden Berge von Vancouver Island.
Um 11.00 Uhr geht unsere Fähre. Sie ist heute voll. In Campbell River müssen wir zunächst einmal unsere Lebensmittelvorräte für die nächsten Tage auffüllen. Gegen 13.30 Uhr brechen wir nach Norden auf. Schon kurz hinter der Stadt wird der Verkehr merklich weniger, dafür die Wälder immer dichter. Dazwischen verläuft der Highway.
Gegen 17.00 Uhr und nach ca. 280 km erreichen wir Port Hardy. Unser Motel liegt ca. 5 km von der Stadt entfernt an einem Fluss in der Wildnis. Wir haben zu unserem Pech leider für zwei Tage gebucht. Die Zimmer sind für 78 Dollar unmöglich, zum Glück aber wenigstens sauber. Wir stellen unser Gepäck unter und fahren dann kurz zum Fährterminal. Es ist ca. zehn Minuten von uns entfernt. Nach dem Abendessen fahren wir zum 15 km entfernten Fischerdörfchen Coal-Harbour. Dort wird gerade ein Fischkutter entladen, und wir sehen interessiert zu. Pro Stunde werden hier zwischen 10.000 und 15.000 Pfund Fisch per Hand in Kisten sortiert und zum Transport verladen. Wir unterhalten uns lange mit einer netten Kanadierin, die bei der Fischereiaufsicht beschäftigt ist. Sie erklärt uns auch die verschiedenen Fischsorten, die wir als Leien mit bloßem Auge aber gar nicht unterscheiden können. Für uns sehen sie alle mehr oder weniger gleich aus, lediglich die Größe variiert. Teilweise werden die Fischkisten noch in der Nacht nach Vancouver gebracht und von dort nach Japan geflogen. Wir fahren anschließend noch zum Port-Hardy-Hafen (22.00 Uhr), wo auch gerade ein Kutter entladen wird. Diese Fische leben noch und werden in großen Wassertanks transportiert. Gegen 23.00 Uhr ist heute unser Tag zu Ende.



Freitag, 9.6.95 - 13.083 km
- Port Hardy, Telegraph Cove, Port Alice

Gegen 10.15 Uhr starten wir bei strahlend blauem Himmel Richtung Flughafen. Je näher wir kommen, je dichter wird der vom Meer aufziehende Nebel, und wir können kaum die Hand vor Augen sehen. Wir entschließen uns, in die Stadt zu fahren, und dort passiert uns dasselbe. Nur langsam verzieht sich der Nebel. Im dortigen Informationszentrum wollen wir eine Telefonkarte kaufen, aber sie haben nicht genügend Wechselgeld in ihrer Kasse. So marschieren wir in die nächste Bank und tauschen einen Reisescheck um. Die ganze Stadt kommt uns um Jahre zurückgeblieben vor. Anschließend machen wir einen Spaziergang an der Uferpromenade. Der Nebel hat sich inzwischen völlig verzogen. Auf einem Baum am Ufer sitzt ein Weißkopfseeadler, und wenig später entdecken wir in einer Baumgruppe ein Adlerpärchen, von denen einer die Jungen im Nest füttert. Leider haben wir heute unser Fernglas nicht dabei, und näher heran trauen wir uns nicht.
Nach unserem köstlichen Mittagsmahl fahren wir nach Telegraph Cove. Die letzten Kilometer müssen wir über eine Gravelroad, fürchterlich! Unterwegs kommen wir noch an einer großen Holzverladestation vorbei. Telegraph Cove ist eine alte Telegrafenstation an einer schönen Bucht, von der aus auch Walbeobachtungstouren (Orcas) starten. Es ist die einzige noch erhaltene Siedlung in Kanada, die ganz auf Stelzen im Wasser steht. Sie wirkt auf uns wie ein Freilichtmuseum. An jedem Holzhaus (sie sind übrigens bewohnbar, im Originalzustand und werden an Touristen vermietet), kann man auf Tafeln lesen, wie alt das Gebäude ist und als was es früher diente. Der gesamte Ort wurde in den 20-iger und 30-iger Jahren errichtet.
Unser Rückweg führt uns dann über Port Alice, das etwa 30 km vom Highway entfernt liegt. Kilometerlang geht es an Wäldern und einsamen Seen vorbei. Die Fahrt wird allmählich eintönig, bis auf einmal wenige Meter vor unserem Auto ein kleiner Schwarzbär langsam über die Straße trottet. Leider kann ich nicht sofort anhalten, weil direkt hinter mir ein anderes Auto ist. Horst will noch fotografieren, hat aber leider keinen Film im Apparat. So schnell, wie der Teddybär aufgetaucht ist, so schnell ist er auch wieder im Gebüsch verschwunden, und wir haben kein Foto! Das glaubt uns kein Mensch. Wie bei uns die Rehe, so laufen hier am hellen Tag die Bären über die Straße. Port Alice selbst hat außer einem schönen Blick auf den Fjord mit kleinen Inseln in der Mitte nichts zu bieten. Wir machen uns deshalb schon bald wieder auf den Rückweg. Horst hat inzwischen seinen Fotoapparat schussbereit neben sich liegen, aber natürlich lässt sich jetzt kein Bär mehr sehen. In Port Hardy gehen wir noch einmal zu der Stelle, an der wir heute morgen den Adler gesehen haben. Jetzt zählen wir sieben Exemplare. Unser Motel hat sich inzwischen gefüllt, und die Campingplätze, an denen wir vorbei kommen, sind voll. Jetzt wissen wir auch, warum die Fähren ausgebucht sind. Ich schreibe noch Tagebuch und Postkarten. Dann packen wir unsere Sachen für morgen früh zusammen, denn wir müssen spätestens um 5.00 Uhr aufstehen. Um 6.00 Uhr wollen wir los.

MAI   2013

Polarlicht Alaska / Kanada
Polarlicht Norwegen