Auszug aus meinem Buch "Nicht träumen, machen!"
Mit einem "Platsch" fing alles an...
26.8. - 16.9.2004
Kanutour auf dem Big Salmon mit anschließender Wanderwoche im Kluane Park
An diesem Tag erreichten wir gegen 17 Uhr unser nächstes Camp. Das Wetter hatte sich inzwischen stabilisiert, es regnete nicht mehr, wurde aber täglich kühler. Am Nachmittag
waren wir wie die Tage zuvor durch wechselnde Landschaften gepaddelt. Zwischendurch gab es ruhige Flussabschnitte, in denen man sich für kurze Zeit auch mal ein Stück treiben lassen konnte. Dann
kamen wieder Strecken, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderten und einem kaum Zeit ließen, die wunderschöne Landschaft um uns herum zu genießen. Das heutige Camp lag ganz versteckt hinter
Büschen auf einer Anhöhe mitten im Wald unter hohen Kiefern und war aufgrund der Abgeschiedenheit nur über einen längeren Fußweg durch dichtes Gebüsch zu erreichen. Es wurde eine kräftezehrende
Schlepperei, bis wir unsere sämtlichen Utensilien im Camp hatten, aber die Lage war es allemal wert. Wir hatten uns wie fast jeden Tag einen Platz am Rand und mit etwas Abstand von den anderen
gesucht. Denn wir waren morgens so gut wie immer die ersten, die wach wurden. Und wenn Laszlo die Augen aufschlug, dann fing er an zu reden, und das nicht gerade in einer gedämpften Lautstärke.
Sicher hat er den ein oder anderen zu früher Stunde schon mal unsanft aus süßen Träumen gerissen. Mir machte das nichts, denn ich bin ja selbst ein Frühaufsteher. Allerdings konnten wir unser
Zelt ruhig mit einem größeren Zwischenraum zu den anderen aufbauen, viel nutzte es nicht. Denn in der tiefen Stille dort in der Einsamkeit hätte sich selbst das Fallen einer Stecknadel wie
Poltern angehört. Die Geräusche vervielfachten sich einfach, selbst wenn man dachte, man würde sich mucksmäuschenstill verhalten. Bei unserem ständigen Lärmpegel hier in Europa nimmt man solche
Dinge gar nicht mehr wahr, sie werden einfach von den permanent vorhandenen Geräuschen überdeckt und verschluckt. Aber dort in der Wildnis wurden sie einem so richtig bewusst, wie sich überhaupt
sämtliche anderen Empfindungen vervielfachten: Riechen, Hören, Schmecken, Fühlen. Man nahm alles viel intensiver wahr. Das war genau das, was ich mir unter "richtig leben" vorstellte, ich war
wieder bei mir selbst angekommen wie im Jahr zuvor auf der Huskytour, als ich bei bitterer Kälte stundenlang Polarlichter bestaunt hatte.
Wir schlugen gerade den letzten Hering in den Waldboden, als uns in unmittelbarer Nähe des Zeltes eine tierische Hinterlassenschaft auffiel. Der Größe des Haufens und der Breite
des Trampelpfades nach zu urteilen musste es sich dabei um ein großes Tier handeln. Wir hatten unser Domizil mitten auf einem Elchpfad aufgeschlagen! Was nun? Zelt verrücken ging nicht, weil das
weit und breit der einzig freie und ebene Platz war, auf dem man es aufstellen konnte. Bei meinem Vorschlag, die Schnur für die Wäscheleine quer über den Pfad zu spannen, brach Laszlo in
schallendes Gelächter aus und meinte, der Elch würde wahrscheinlich darüber genauso lachen wie er jetzt und unbeirrt seinen Weg fortsetzen ... mitten durchs Zelt, quer über meinen Schlafsack!
Dann ging er los und wälzte einen ziemlich großen Felsbrocken auf den schmalen Pfad. Jetzt konnten wir nur hoffen, dass das den Elch aufhalten würde, unsere Behausung im Wald niederzutrampeln.
Später stieß ich dann beim Spatengang auf Bärenspuren in den dicken feuchten Moospolstern. An manchen Stellen hatten die Petze beim Graben nach Wurzeln ganze Arbeit geleistet und das Unterste
nach oben gekehrt, was auch nicht gerade zu meiner Beruhigung beitrug. Abends am Lagerfeuer meinte unser Guide zu unseren Bedenken nur, es würde schon nichts passieren, er jedenfalls hätte auf
all seinen Touren so etwas noch nie erlebt. Wir waren ein wenig beruhigt, aber zu dem Zeitpunkt hatte er ja auch noch nicht die Story von der Herkunft der Flicken auf unserem Zelt erzählt. Aus
gutem Grund hielt er sich damit noch einige Tage zurück ...
Das Buch ist im Verlag Kanada-Aktuell - ISBN 3-9808808-1-8 - erschienen. Neben den Berichten über die Abenteuerreisen enthält es im Anhang noch einen umfangreichen
Informationsteil mit zahlreichen Links und Adressen. Hier findet man allgemeine Informationen über den Yukon, über Veranstalter von Husky- und Kanutouren, Ausrüstung, Kartenmaterial, Buchtipps
usw.
Erhältlich ist das Buch bei Amazon oder über das Kontaktformular. Es kostet 10,-- Euro zuzügl. Versandkosten.