Reisebericht Hurtigroute 2006




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Mit dem Postschiff von Bergen nach Kirkenes
11.2. bis 21.2.2006

Gewünscht hatte ich mir, noch einmal eine "Auszeit" im winterlichen Yukon verbringen zu können, vielleicht sogar beim Eintreffen der Gewinner des diesjährigen Yukon-Quest in Whitehorse dabei zu sein. Aus den verschiedensten Gründen war eine frühzeitige Reiseplanung jedoch nicht möglich. Als ich dann doch ganz unvermutet Urlaub bekam, entschlossen wir uns von einem zum anderen Tag, eine Fahrt mit dem Postschiff entlang der norwegischen Küste zu machen. Diese Reise würde sich ziemlich von den bisherigen Abenteuerreisen und vor allem auch von einer üblichen Kreuzfahrt unterscheiden. Man fährt mit Frachtschiffen (mittlerweile ausgebaut zu komfortablen Passagierdampfern), die nach einem festen Fahrplan immer wieder anlegen, so dass man aussteigen und je nach Dauer des Aufenthaltes auch etwas unternehmen kann. Außerdem ist die Hurtigrute in den Wintermonaten längst nicht so stark frequentiert wie im Sommer, und auf den Schiffen selbst geht es ziemlich leger zu.
Nun lag die Reise schon wieder hinter uns, und am 21.2.06 saßen wir auf dem kleinen Flughafen in Kirkenes und warteten auf den Flieger, der uns nach einer erlebnisreichen Seereise zurück nach Frankfurt bringen sollte. Hier im äußersten Norden Norwegens war traumhaftes Winterwetter wie man es bei uns in der Regel schon lange nicht mehr kennt (mit Ausnahme des diesjährigen Winters in Süddeutschland). Bei -20° glitzerten die Schneekristalle des Pulverschnees im Sonnenlicht. Am Tag zuvor war hier unsere erste, aber wohl nicht letzte Schiffsreise zu Ende gegangen. Unter den Stiefeln knirschte es laut durch die winterliche Stille, als wir abends auf ungeräumten Straßen mit einer festgefahrenen Schneedecke durch die kleine Stadt am Beringmeer liefen. Unser Atem stand wie der Dampf einer Lokomotive vor unseren Gesichtern. Ohne Thermohose, mehrere Schichten Pullover, dicken Handschuhen und Mütze konnte man es nicht wagen, nach draußen zu gehen. Abends und in der Nacht hatten wir vom Hotelzimmer aus stundenlang den schönsten Polarlichtern zugesehen, die zwischen den funkelnden Sternen über den Himmel tanzten. Auch auf der Trollfjord, dem Schiff, auf der wir die Reise gemacht hatten, konnten wir an den letzten Abenden immer wieder Nordlichter in den verschiedensten Formen und Farben über den Himmel huschen sehen. Ein unvergessliches Erlebnis. Und trotzdem, es war völlig anders als im hohen Norden Kanadas, die Stille und Einsamkeit fehlten, das Gefühl, mitten in der Wildnis und ein Teil dieser zu sein. Man hörte die Geräusche des Schiffmotors und die Wellen, der eisige Wind pfiff einem um die Ohren. Dazu gab es auf dem oberen Freiluftdeck so eine Art Volksfeststimmung, wenn sich die Polarlichter am Himmel zeigten. Man klatschte lautstark Beifall und einige Passagiere knipsten die Himmelserscheinungen mit Blitzlicht...

Beim Abflug in Frankfurt zu Beginn der Reise meinte Horst ganz plötzlich, er würde lieber in das Flugzeug nach Kanada einsteigen... Uns ging es beiden so. Ich hatte das die ganze Zeit nur gedacht, aber nichts gesagt, als ich auf dem Rollfeld die Maschine der Air Canada sah. Die Schiffsreise wurde dennoch wunderschön, obwohl ich den Yukon vermisste. Wir sind fest entschlossen, eine solche Tour noch mal zu machen, dann in entgegen gesetzter Richtung, vielleicht auch nur bis Trondheim, weil der Norden für uns einfach der schönere Teil Norwegens ist. Fasziniert waren wir auch von den Lofoten, von denen wir leider viel zu wenig gesehen haben, aber bei den kurzen Aufenthalten kann man halt nicht viel unternehmen, und Stadtbesichtigungen sind nicht unser Ding. Das war eigentlich das, was ich vermisst habe, dass man so wenig vom Land selbst sieht. Dafür gab es an Bord des Schiffes oftmals einen Ausblick schöner als der andere. Ich hätte es vorher nicht geglaubt, aber die Zeit an Deck verfliegt so schnell, weil man ständig in Angst lebt, irgend etwas zu verpassen. Ich habe nur ganz wenige Seiten in meinem Buch gelesen. Nachts habe ich oftmals dem Treiben am Kai zugesehen, wenn wir an irgendeinem Hafen anlegten. Viele Stunden haben wir auf dem Panoramadeck verbracht und einfach still die herrliche Gegend an uns vorüberziehen lassen. Immer wieder haben wir zwischendurch unsere Runden über das Außendeck gezogen, haben uns den eisigen Wind um die Nase pfeifen lassen und die Ausblicke auf die grandiose Landschaft der norwegischen Küste genossen. Draußen traf man meistens immer nur die gleichen Leute. Viele saßen wegen der olympischen Spiele vor dem Fernseher, einige kamen nur zum Rauchen an Deck, andere vertieften sich Stunden in ihren Büchern, ohne etwas von der wunderschönen Landschaft zu sehen!
Die befürchtete Seekrankheit fiel buchstäblich ins Wasser. Man merkte fast nichts, zumindest nicht so viel, dass einem schlecht werden konnte. In einer der ersten Nächte hatte ich den wohl ziemlich heftigen Wellengang sogar völlig verschlafen! Als wir am dritten Abend im Hafen von Rorvik anlegten, konnte man dort die Vesteralen, ein Schiff der Hurtigrute älteren Baujahrs (1983) besichtigen. Es war ein tolles Schiff, urgemütlich, überall Holzplanken, und es roch wie früher nach Bohnerwachs. Das Schiff war eingerichtet wie ein gemütliches Wohnzimmer, einfach schön. Ich wäre am liebsten umgestiegen, wenn es Stabilisatoren gehabt hätte! Es war ein völlig anderes Flair als bei uns auf der "Trollfjord", die mehr einem modernen Kreuzfahrtschiff glich. Aber sowohl das Reisebüro, bei dem wir gebucht hatten, als auch Passagiere der "Vesteralen" rieten davon ab, in den Wintermonaten mitzufahren, wenn man schnell seekrank wird. Und das wird man auf den Seestrecken, die nicht mehr durch die Schären und das Küstengebirge geschützt sind, mit Sicherheit. Mir gefiel zwar unser Schiff auch sehr gut, aber dieses hier war einfach schöner, ursprünglicher. Es war so, wie man sich alte Schiffe vorstellt. Nur der Klabautermann fehlte noch...
Wir waren froh, dass bis auf unsere ersten beiden Tage in Bergen auf dem Schiff die Mahlzeiten im Preis eingeschlossen waren, denn die norwegischen Preise sind einfach unvorstellbar hoch. In Bergen hat eine Tasse Kaffee 28 Kronen, rund 7 Euro gekostet! Essen war kaum unter 30 Euro zu bekommen, ein ordinärer Hamburger kostete mal eben 10 Euro, Pizza locker 20 Euro und mehr. In Kirkenes dagegen erschienen uns die Preise trotz der abgeschiedenen Lage geradezu "niedrig".

Die Ausflüge ließ man sich natürlich auch kräftig bezahlen. Den einzigen, den wir mitgemacht haben, war die Tour zum Nordkap. Das nördlichste Ende Europas im tiefsten Winter zu erleben, war ein wirkliches Abenteuer. Die sonstigen angebotenen Stadtrundfahrten haben wir nicht mitgemacht. Wir hatten ja einen Reiseführer dabei und sind auf eigene Faust losgezogen, statt in einer großen Hammelherde. Auf dem Schiff waren übrigens zwischen 250 und 300 Passagiere. Mit soviel hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Man sagte uns, normalerweise wären es weitaus weniger in den Wintermonaten. So reizvoll eine Hurtigrutenreise ganz sicher im Frühling oder Sommer auch wäre, mitmachen würde ich sie auf keinen Fall - je nach Schiff bis zu 1.000 Passagiere.... Für mich eine schreckliche Vorstellung. So wie jetzt auf unserer Wintertour war es trotzdem noch recht gemütlich. Manchmal war man völlig alleine draußen an Deck!
Die Huskytour haben wir uns entgegen unserer ursprünglichen Absicht gespart, was wie sich hinterher herausstellte, eine gute Entscheidung war. Man wurde nämlich im Schlitten gefahren, stand also nicht selbst auf den Kufen. Dazu kam, dass man bei dem dreistündigen Ausflug erst mal eine Stunde warten musste, bis überhaupt ein Schlitten frei war, die Fahrt selbst dauerte eine knappe Stunde, und dann verbrachte man eine weitere Stunde in einem touristisch aufgemachten Zelt der Samen. Nein, das war nicht die Vorstellung, die ich von diesem Ausflug nach den Erlebnissen meines eigenen Huskyabenteuers hatte. Da uns insbesondere die Gegend um Kirkenes so gut gefallen hat, haben wir geplant, vielleicht eines Tages dort im hohen Norden eine mehrtägige Huskytour zu machen und dann anschließend mit dem Postschiff nach Trondheim zurück fahren.





Links zu dieser Reise

Die Schiffe der Hurtigrute
Routenplan
Live-Position der Hurtigrutenschiffe
Umfangreiche Routenkarten
Lofoten (private Reiseseite - empfehlenswert!)
Webcams Norwegen (z. T. live!)
Webcams der Hurtigrutenschiffe
Foto-Webseite von den Lofoten (wunderschöne Bilder und Panoramen)




Reiselektüre

REISEFÜHRER "Hurtigruten - Mit dem Postschiff entlang der norwegischen Küste" - Dumont Reisetaschenbuch - ISBN 3-7701-6301-X
BILDBAND "Hurtigruten im Winter - Zauber der Polarnacht" - Helfried und Renate Weyer, Köhler Verlagsgesellschaft, ISBN978-3-7822-0940-3
BILDBAND "Hurtigruten - Die schönste Schiffsreise der Welt", Bernd Römmelt, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-4375-1
BILDBAND "Mystischer Norden", Björn Klauer, Travel-Media-Verlag, ISBN 3-930232-58-8
BILDBAND "Abenteuer Hurtigruten", Kai-Uwe Küchler, Weltbild-Verlag, ISBN 978-3-8289-3195-4

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