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Erste Husky-Abenteuer

SONNTAG 09.12.01

Früh am Morgen wachte ich erneut auf, weil es langsam wieder klamm in der Hütte wurde. Ich entschloss mich nachzulegen und dann gleich ins Haupthaus zu gehen, um zu frühstücken. Schließlich meldete mein Magen gewisse Ansprüche, nämlich „Hunger“ an. Das Waschen ersparte ich mir nach dem Blick auf das Thermometer, zu kalt! Beim Frühstück fragte ich dann, ob es hier eine Möglichkeit gäbe, mal zu duschen oder zu baden. Ja, aber dazu müssten wir erst die Kessel anheizen und das heiße Wasser in die Gummibeutel umfüllen. Das würde aber erst am Abend machbar sein, da zuerst die Hunde versorgt werden müssten. Diese ganze Prozedur mal drei Damen und einem Mann, da konnte ich mir schon ausrechnen, wann ich dran komme: um Mitternacht, frühestens!
Nach dem Frühstück holten wir zuerst unsere weitere angemietete Ausrüstung ab und begaben uns dann zur Einweisung auf den "Übungsplatz". In der dicken Winterbekleidung bewegten wir uns ziemlich schwerfällig und watschelten wie die Pinguine durch den Schnee. Jedem von uns wurden die Hunde namentlich zugewiesen und wird durften diese dann aus dem Park an den Anschirrplatz führen. Erst mal die Hunde finden. Meine hießen GRANDPA, BEATLE, BIG OTIS, BLUE und HERRING. Nach einiger Zeit hatte ich den ersten Hund in dieser chaotischen Ordnung gefunden und zum vorgesehenen Platz geführt, obwohl geführt etwas untertrieben ist. Von der Kette genommen fangen sie sofort an zu ziehen und man muss schon acht geben, nicht völlig umgerissen zu werden. Die ganze Prozedur mal fünf Hunde und man ist nass geschwitzt. Je nachdem, wie wild sich die Tiere gebärden, muss man sie auch zwischen die Beine klemmen, sonst läuft beim Anschirren überhaupt nichts. Der fertig angeschirrte Hund wurde dann wieder an eine Leine angebunden, aber noch nicht an den Schlitten. Erst als die restlichen vier Hunde angeschirrt waren, ging es an den Schlitten. Nun mussten die Leithunde, die Leaders, zuerst an die Führungsleine des gesicherten Schlitten befestigt werden. Das ist alles nicht so sonderlich schwierig, aber wenn man das alles fünf mal gemacht hat, dick eingemummt in "schweißfeste Klamotten", dann kommt man doch ziemlich ins schwitzen. Die kalte Luft erschwert auch noch zusätzlich das Atmen.

Nach etwa einer Stunde waren wir alle fertig und die Hunde zogen und zerrten nur noch am Schlitten in der Erwartung, dass es nun endlich losgeht. Begleitet wurde das ganze auch noch von einem abenteuerlichen Gebell, das durch Mark und Bein ging. Wir standen startklar auf dem Schlitten. Es musste nur noch die Sicherungsleine gelöst werden, dann konnte es losgehen. Mit einem kräftigen Ruck bewegte sich das Gespann nach vorne, ein Gespann nach dem anderen. Ohne Verschnaufpause ging es dann auf zu unserer ersten Tour, dem Takhani River. Eigentlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nur, was die Kommandos zum Losfahren und zum Anhalten waren und wie man den Schlitten bremst. Wir trabten nach einem lauten "Ready, lets go" los und dem Guide hinterher. Zuerst noch etwas wackelig auf den Beinen ging es dann mit lautem Gebell durch die verschneite Landschaft in die Wildnis. Auf ebener Strecke braucht man nichts weiter zu tun, als sich festzuhalten und auf Schlaglöcher zu achten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ich beobachtete die Hunde und gelegentlich wagte ich einen Blick auf die an uns vorbeiziehende wunderschöne winterliche Landschaft. Zum größten Teil war es eine leichte Strecke. Trotzdem gab es hier und da kleine Anstiege, an denen man vom Schlitten steigen musste, um den Hunden zu helfen. Eines sei hier schon vorweg gesagt: nur auf dem Schlitten zu stehen, das ist zu wenig. Man muss selbst mit den Beinen kräftig während der Fahrt schieben oder sogar ganz vom Schlitten und mitlaufen. Das geht ganz schön in die Beine besonders bergauf oder im Schnee, wo noch keine Spur ist!

Genüsslich suchte ich den Blick auf die tolle Landschaft und je mehr wir in die Wildnis eintauchten, um so bewusster fing ich die kalte Luft zu spüren an. Jedes Ausatmen schien eine Wolke wie aus einer Dampflok zu verursachen. Mir machte es Spaß, da ich seit langem nicht mehr so tief durchgeatmet hatte wie jetzt. Ich hatte tatsächlich zwei Lungen. Aber das Einatmen der kalten Luft fällt einem schon schwer. Da zieht und zerrt und schnauft sich was! Das war ich! Am Nachmittag machten wir eine Pause auf dem völlig vereisten Tahkini River, dem wir schon seit einiger Zeit folgten. Es war schon ein recht erhabenes Gefühl, auf so einem zugefrorenen Fluss dahin zugleiten. Innerlich war ich noch vom Jetlag und der Müdigkeit viel zu verkrampft, um das alles schon richtig genießen zu können. Nachmittags hielten wir am Ufer an. Schnell wurde ein kleines Lagerfeuer gemacht und ein paar Sandwitches getoastet, dazu je nach Wunsch Kaffee oder heißer Juice. Die drei Mädels waren dermaßen am zwitschern, dass es so langsam unangenehm und die wunderbare Stille, die einen umgab, zertrümmert wurde. Später wieder auf dem Schlitten, fing ich an, vor mich hin zu summen, "When I think of all the good times that I've wasted, having good time..." Über kleine Pfade glitten wir immer tiefer in die Wildnis. Viele kleine Anstiege wurden dabei bewältigt und wir mussten oft vom Schlitten. Nach etwa sechs Stunden Schlittenfahrt kehrten wir langsam zum Camp zurück. Das viele Pushing hatte doch mehr Kraft gekostet, als man vermuten würde. Ich war unter dem Anzug völlig nassgeschwitzt. Nun mussten die Hunde wieder abgeschirrt und an ihren gewohnten Platz gebracht werden. Nach dem Abendessen war ich todmüde, vom Jetlag und der langen Tour. In der Nacht wachte ich auf und hörte, wie jemand Holz nachlegte.



MONTAG 10.12.01

Noch bevor der neue Tag anbrach, wurde ich von den Hunden aus dem Bett geschmissen Etwa 80 oder 90 Hunde fielen wie auf ein Kommando in ein morgendliches Geheul ein. Nun, bevor es zum Frühstück geht, muss der gesamte Hundeplatz von Kot geräumt werden, was hier als "cleaning the yard" verstanden wird. Es ist wirklich eine weise Entscheidung, dies vor dem Frühstück zu machen, denn ich hatte jedes mal einen Knoten im Hals, als ich den festgefrorene Kot mit Spitzhacke entsorgen musste... Themenwechsel!
Ausgiebig wurde gefrühstückt. Im Anschluss an diese Stärkung wurden dann (noch) unter Anleitung die Hunde aus dem Park geholt und zum Anschirren fertig gemacht, was wirklich mühsam ist, wenn man den schweren Schutzanzug anhat und dazu noch diese riesigen, gegen Kälte unempfindlichen Schuhe trägt. Man kann darin nur wie eine Ente watscheln und in dem tiefen Schnee raubt das schon die Kräfte, bevor man überhaupt auf dem Schlitten steht. Heute ging es auf einen Teil des Yukon-Quest-Trail, der im Gegensatz zur gestrigen Etappe schon schwerer war. Über hügelige Buschpfade ging es rauf und runter. Rauf bedeutet schuften und runter etwas Erholung. Aber in kürzester Zeit ist man völlig in Schweiß gebadet und man sollte bei den Pausen darauf achten, immer genügend zu trinken, sonst übersäuert man, und man bekommt echte Probleme. Es ist enorm, was man an Feuchtigkeit verliert. Heute wurde schon mehr die Steuerkunst gefordert, die man durch Gewichtsverlagerung in den Kurven erreicht. Hier und da kracht es dennoch, wenn man einen Baum erwischt, denn das lässt sich in der Regel auch nicht ganz vermeiden. Kleinere rasante Abfahrten mahnen zur Vorsicht und es ist ratsam, immer bremsbereit zu sein, sowohl zum Schutz der Hunde als auch zum Selbstzweck. Um den Baum gewickelt hat man sich ziemlich schnell. BLUE schien ein sehr erfahrener Hund zu sein, denn er signalisierte durch einen Blick nach hinten, dass es für mich Zeit war, vom Schlitten zu gehen und meinen Beitrag zum Schuften zu leisten. Man muss aber auf der Hut sein, sich nicht reinlegen zu lassen, sonst wollen die Hunde nicht mehr.... . Hier und da gab es manchmal Wohooo-Rufe , das Signal zum anhalten. Auch ein Hund muss mal sein Geschäft erledigen; soviel Zeit muss einfach sein.

Bei der Rast gab es wieder mal von einigen ein Wehklagen über eingefrorene Kameras. Durch die Kälte sind sie regelrecht lahmgelegt worden. Herkömmliche Kameras mit viel Elektronik sind einfach nicht für diese Temperaturen gedacht. Meine schlanke Minox aber konnte bequem in der Innentasche versteckt und durch die Körperwärme betriebsbereit gehalten werden. Schnell einige Fotos gemacht. Aber dann gab auch mein Fotoapparat den Geist auf und wanderte wieder in meine Innentasche. Für einen anderen Einsatzzweck leistete sie mir ebenfalls gute Dienste. Ich war nämlich damit in der Lage, auch während der Fahrt Fotos zu machen. Eine größere Spiegelreflexkamera dagegen passt in keine Tasche.
Die Tour war heute sehr lang, und wir haben es nicht mehr geschafft, rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit im Camp zu sein. In tief schwarzer Nacht bahnten wir uns den Weg zurück ins Camp. Meinen Vordermann konnte ich gar nicht mehr sehen und nur das gelegentliche Bellen der Hunde verriet uns, dass wir noch zusammen waren. Die Hunde kannten wohl die Strecke. Spät am Abend trafen wir dann im Camp ein. Zum Glück hatte ich meine Stirnlampe dabei. Ich schirrte noch meine Hunde ab, brachte sie an ihren Platz zurück und ging ohne Abendessen ins Bett. Ich war einfach zu müde. Die frische Luft haut einen um.