![]() |
![]() |
|
![]() |
||
![]() |
||
![]() |
||
![]() |
3 Tage mit dem Schlitten durch die Einsamkeit
DIENSTAG 11.12.01
Der dritte Tag brach an und begann wie üblich mit der Husky-Arie und "Cleaning the yard".... Knoten im Hals! Wie gewohnt stand ich als Erster auf und legte wieder Holz nach, um schon mal vorab einen heißen Kaffee zu trinken. In den vergangenen Tagen hatte sich jeder seine Hand etwas am Yukonofen verbrannt, da die Klappe doch etwas klein war im Verhältnis zu den großen Holzscheiten. Und so kam es immer wieder vor, dass man hier und da ungewollt den glühendheißen Ofen berührte und sich dabei verbrannte.
Wie schon an den vorangegangenen Tagen war das Frühstück eine Mischung aus kontinentalem und amerikanischen Frühstück: Käse, Salami, hartgekochte Eier oder Rührei, Marmelade, gebratener Speck und Pfannekuchen, Erdnussbutter und Nutella. Die Himbeermarmelade war äußerst lecker, nicht so teuflisch überzuckert wie bei uns. Mike, dieses echte Yukon-Original, „baute“ sich jeden Morgen einen doppelten Quarter-Pfannkuchen-Burger. Jede Lage wurde mit Erdnussbutter und Nutella bestrichen und zum Schluss wurde das ganze in Ahornsirup ertränkt. Puh!
Heute ging es für drei Tage in die Wildnis und wir brachen zum 37 Mile Lake auf. Das eigene Gepäck und die gesamte Verpflegung für 25 Hunde und Personen mussten verstaut werden. Die Schlitten waren schwer beladen und die Hunde würden ordentlich was zu tun haben. Beim Start ging diesmal nicht alles so glatt wie an den Tagen zuvor. Ein Schlitten produzierte regelrecht einen Frühstart und verfing sich dabei in einem anderen Gespann. Nun musste erst mal dieses Knäuel entwirrt werden, was gar nicht so einfach ist, wenn sich die Hunde untereinander etwas Respekt verschaffen wollen. Da muss man mutig dazwischenbrüllen und zeigen, wer Chef im Gespann ist. Sollte das keine Wirkung zeigen und die Hunde verbeißen sich, bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst dazwischen zu werfen. Wenn man nicht den Mut hat, das selbst zu übernehmen, braucht man keine Sorge zu haben. Die Guides sind direkt zur Stelle, wenn es brennt. Mein Gespann war immer noch mit der Sicherheitsleine an einem Baum befestigt, aber bis zum Anschlag voll unter Spannung. Vorne am Schlitten zogen die Hunde wie verrückt. Als alle nacheinander abfuhren, bekam ich den Karabiner nicht auf und musste nun mit einem Bein vom Schlitten, um an den Haken zu kommen. Mit der anderen Hand hielt ich mich noch am Schlitten fest. Endlich war das Gespann frei und setzte sich nach einem riesigen Ruck in Bewegung. Das ging so rasch, dass ich nicht schnell genug wieder auf die Kufen kam. Es gelang mir gerade noch, mich mit beiden Händen am Griff festzuhalten, da wurde ich auch schon hinter dem Gespann durch den Schnee mitgeschleift. „Wohoo“, die akustische Notbremse und ein zweites Mal schmetterte ich ein furchterregendes „Wohooooooooo“ in die Landschaft. Das blieb nicht ohne Wirkung und meine Hunde kamen endlich zum stehen.
In einer tief verschneiten faszinierenden Winterlandschaft zogen wir unsere Bahnen durch den Neuschnee. Nun ging es zackiger zu und die Hügel entwickelten sich schon zu richtigen Anstiegen, dazu auch noch der frisch gefallene Schnee, der die Arbeit für Hund und Mensch noch erschwert. Bäche von Schweiß brachen aus allen Poren hervor und das Atmen entwickelte sich am Berg zu einer gewaltigen Hechelei. Das Schnaufen und Schnauben war schlimmer als das einer Dampflok. Aber die herrliche Natur um uns herum und die Pfade waren Entschädigung genug für die Plagerei! Wir tauchten tief in die Wälder ab, wohin man sonst als Tourist im Sommer vermutlich nicht so ohne weiteres kommt. So ungefähr 15 Km pro Stunde ist so ein Gespann schnell und nach drei Stunden Fahrt ist man von jeglicher Art Zivilisation abgeschnitten. Die Vorstellung, wie auf Trappers Spuren durch die Wildnis zu ziehen, war schon eine reizvolle Geschichte für mich, ein bisschen Abenteuergeist war schließlich nicht zu leugnen. Ehrlich gesagt freute ich mich jedes mal, wenn ich wieder auf dem Schlitten stand, denn das war die einzige Zeit, wo man wirklich mal für sich allein sein konnte.
Die Etappe wurde durch eine kurze Pause unterbrochen. Ein Feuer war schnell entfacht, auf dem wir dann die Würstchen grillten. Warme Getränke aus der Thermoskanne machten die Runde. Für den Rest an Würstchen, die wir nicht mehr essen wollten, fanden sich dankbare Abnehmer. Die Pausen waren nur von kurzer Dauer und weiter ging es in Richtung 37 Mile Lake. Manche kurze und sehr steile Abhänge mussten genommen werden. Hierbei mussten wir immer fest auf der Bremse stehen, um nicht in die Hinterläufe der Hunde zu fahren. Langsam kündigte sich der See an, denn wir näherten uns einem Gebiet, welches in eisfreier Zeit unter Wasser stehen musste. Es dauerte nicht mehr lange und wir glitten über den zugefrorenen See. Er war gut zu befahren, da eine kleine Schneeschicht das Eis bedeckte und somit mehr Griffigkeit für die Hunde bot, als pures Eis. Wir fuhren einen Zickzackkurs auf dem See, da für die Hunde die Orientierung dort viel schwieriger ist, weil keine direkte Spur vorhanden ist. Später, nachdem wir das andere Ufer erreicht hatten, blieben wir wieder in Ufernähe, um den Hunden eine Orientierungshilfe zu geben. Eigentlich kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie lange wir über die Eisfläche glitten, aber ein „Wohoo“ beendete dann diese Tagesetappe. Es muss so gegen 16 Uhr gewesen sein, als wir am Camp ankamen und zwei Trapperzelte schon fertig aufgebaut am Ufer standen. Fünf Personen in einem Zelt? Es war schon recht klein und von Gemütlichkeit konnte keine Rede sein; man konnte sich darin einfach nicht aufhalten, außer zum Schlafen. Kein Tisch, kein Stuhl, nur ein Yukon Ofen und eine große Bretterfläche als Schlafgelegenheit, die mit vielen Thermomatten belegt war. Selbst die alten Trapper hatten in meinen Augen mehr Komfort zur Verfügung. Alle anderen Aktivitäten wie Kochen und das Zubereiten des Futters für die Hunde erfolgten im Freien. Zuerst aber musste Holz zersägt und Wasser geholt werden, damit die Hunde versorgt werden können und dann erst kamen wir an die Reihe. Meistens waren wir so gegen 20 Uhr mit den Hunden fertig und konnten dann unsere eigene Verpflegung zubereiten. Die Mädels machten sich an das Sägen und jedes erfolgreich abgesägte Holz endete in einem Gekicher, vorsichtig ausgedrückt. Waren wir hier auf einer Kaffeefahrt? Mir fiel eine Melodie von Bob Marley ein: „No women no cry“... Steve, der Führer, fing an zu lachen und faselte etwas von "Sound of silence“...
Wasser musste her und mit einem Eisbohrer wurde dem Eis der Kampf angesagt. Es ist gar nicht so einfach, sich durch einen halben Meter Eis zu bohren und dann mit einer Axt das Loch so groß zu bekommen, dass dann auch eine größere Schöpfkelle hineinpasst. Außerdem muss man die Handschuhe ausziehen, sonst fliegt einem die Axt aus der Hand. Dafür bekam man natürlich aufgrund der grimmigen Kälte innerhalb kürzester Zeit eiskalte und klamme Finger. Zum Glück hatte ich eine Stirnlampe vor der Reise gekauft und die Hände waren frei zum Arbeiten. Die Hunde bekamen später auch noch etwas Stroh für die Nacht. Steve mühte sich in der Zwischenzeit, diesen verdammten Benzinkocher auf die richtige Flamme zu bekommen. Mit den ersten Holzscheiten wurde das Zelt beheizt. Wir hatten hier kein Thermometer, aber es war mächtig kalt. Das Hundefutter musste mit der Axt zerkleinert werden, um es in kleineren Portionen schneller zum Auftauen zu bringen, in dem man es mit heißem Wasser übergießt. Man muss sich das nur mal bildlich vorstellen: einen 10 Liter Eimer voll mit Hundefutter, steifgefroren zu Beton, und dann diesen Brocken in Kleinteile zerlegen. Schwerstarbeit! Angereichert wird das Futter dann mit einer großen Portion Fett, um auf die notwendigen Kalorien zu kommen, denn die Basisnahrung bestand hauptsächlich aus Hühnchen. Es war schon spät am Abend, als auch der letzte Hund seinen vollen Napf bekam. Es sind wahre Athleten unter den Hunden - solche durchtrainierten Tiere habe ich noch nie gesehen. Wir hatten wieder mal eine sternenklare Nacht und ich schaute etwas abseits vom Camp in den Himmel, in der Hoffnung, dass sich vielleicht doch ein Polarlicht zeigt. Zu Hause hatte ich viele Bilder über diese Erscheinung am Himmel gesehen und war fasziniert von dem Schauspiel, das man mit viel Glück sehen kann, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Im Zelt brutzelte mittlerweile unser Abendessen, aber das würde bestimmt noch dauern. Meinen Hunden brachte ich noch einen kleinen Leckerbissen, da ich die kleinen Brocken eingesammelt hatte, die bei der Bearbeitung mit der Axt herumlagen. Im Zeltinnern wurde es langsam "warm", so dass wir uns von unseren schweren Jacken, Hosen und Schuhen befreien konnten. Die Innenzeltwände waren trotz der Bemühung, das Zelt tüchtig zu befeuern, völlig vereist. Aber die Fleece-Kleidung bot immer noch genügend Schutz gegen die Kälte. Wir spannten eine Wäscheleine unter das Zeltdach in der Nähe des Ofens, um unsere Arbeitshandschuhe zu trocknen, die zwar während des Tages feucht werden, aber nicht kalt. Wir verbrachten die restliche Zeit damit, unsere Schlafsäcke auszupacken und uns den Abend mit einer gemütlichen Plauderei zu vertreiben. Es wurde ziemlich deftig gegessen. Gegen 3:1 Stimmen, Steve enthielt sich, wurde beschlossen, nach dem "Nachtmahl" ein paar Hunde ins Zelt zu nehmen. Während Steve drei oder vier Hunde holte, hielt ich noch mal Ausschau nach einem Polarlicht, leider ohne Erfolg. Es muss so gegen Mitternacht gewesen sein, als einer nach dem anderen in seinen Schlafsack kroch. Ein Hund pieselte eine der weiblichen Schlafsäcke an. Ich drehte mich um und schlief den Schlaf des Gerechten.
MITTWOCH 12.12.01
Ich wachte durch das Rascheln und Topfgeklimper von Steve auf, der Anstalten machte, den Ofen tüchtig zu befeuern. Aus dem Schlafsack gekrochen, dachte ich zuerst an Zähne putzen und Waschen aber wie? Bevor ich diesen Plan weiter verfolgte, meldete sich mein Kreuz, schließlich war ich es seit langem nicht mehr gewohnt, einfach nur auf Brettern als Unterlage zu liegen, deren einziger Luxus aus einer Lage Isomatten bestand. Ich sammelte meine Kulturknochen zusammen und raffte mich dann endlich auf. Wenn ich mich schon nicht waschen konnte, so wollte ich zumindest meine Notdurft verrichten. Steve meinte, dass oben auf der Anhöhe eine provisorische Toilette eingerichtet ist, damit die Leute hier nicht alles wahllos „zusch......“ Ich hatte ein ordentliches Plumpsklo erwartet, aber nun verschlug es mir fast die Sprache. Das Klo bestand aus nichts mehr als aus einem Paravant, also Open Air, hinter dem sich ein großes Loch und eine Klobrille aus Styropor befand. Das alleine war nicht abschreckend, sondern die Temperaturen! Auf dem Thermometer, das an einem Baum hing, waren es -33 Grad, und eine arktische Brise pfiff durch die Pobacke. Arme Mädels....
Zurück am Zelt gingen Steve und ich nun dazu über, das Frühstück vorzubereiten, während die Mädels noch versuchten, jede Sekunde raus zu schinden, um nicht aus dem gemütlichen Schlafsack zu müssen. Nach meiner höflichen Frage an Steve, was es denn zum Frühstück gibt - wie konnte ich nur fragen? -, kam als Antwort: Rühreier mit Speck! Gut, dachte ich und fragte: Wo sind die Eier.........? worauf mir Steve eine riesengroße Packung in Folie verschweißter Rühreier zuschmiss, damit ich die als erstes im heißen Wasser aufwärmte. Ich stahl mich ein wenig davon, während die Eier langsam auftauten, marschierte auf den vereisten See zu und versuchte, die ersten morgendlichen Eindrücke einzufangen. Rötlich schimmerte der Himmel in die weiße Pracht und in die Gipfel der Berge in den anbrechenden Tag hinein. Es ist schwierig, sich diesem faszinierendem Anblick zu entziehen während man weiß, dass nichts anderes um einen existiert als die Natur. Der Kaffeeduft lockte mich vom Eis zum Zelt zurück. Ich verließ die Stelle nicht, ohne noch mal einen Blick in die Ferne zu werfen und den verträumten Blick im Spiel der Natur zu verlieren.
Die im Wasser aufgetauten Rühreier wurden nun der Pfanne übergeben, während das Toastbrot einfach an die Wand des Yukonofen gepappt wurde. Geröstet werden sie dadurch nicht, aber sie werden warm und lustig ist es allemal, wenn man es das erste Mal sieht. Nach dem alle nun beim Frühstück versammelt waren und der Kaffeepott die Runde machte, wurden noch einmal die Eindrücke von der Abgeschiedenheit, durch die wir gefahren waren, zur Sprache gebracht. Wir hatten alle das Gefühl jungfräuliches Gebiet zu betreten, Abstand vom Alltag zu gewinnen, den beruflichen Stress hinter uns zu lassen und auch als Team zu funktionieren. Schade eigentlich, dass es draußen nicht einen Tisch mit einer Bank zum Sitzen gab. Outdoor-Enthusiasten mögen jetzt wohl aufschreien, aber im Zelt ist es leider viel zu eng. Sich normal zu bewegen, ist unmöglich. Ich glaube auch, allen hätte es mehr Spaß gemacht draußen zu sitzen, als sich die Beine in den Hals zu stehen.
Nachdem Frühstück wurde das Geschirr noch schnell mit dem verbliebenen warmen Wasser gereinigt, bevor alles fest frieren konnte. Jeder suchte noch schnell seine Arbeitshandschuhe und Fäustlinge zusammen, aber so recht wusste niemand genau, welche wem gehörten, da wir in Whitehorse alle nur schwarze oder ganz dunkelblaue Handschuhe gekauft haben, wobei anzumerken ist, dass es auch keine anderen Farben gab. Wenn man Glück hat, sind die Arbeitshandschuhe trocken bis klamm. Es empfiehlt sich, drei Paar einfache Handschuhe schon von zu Hause aus mitzubringen, da diese eh nur für das Anschirren und sonstige Tätigkeiten benötigt werden. Die Fäustlinge werden auch nur für die Fahrt selbst getragen, da sie den besten Schutz gegen die grimmige Kälte bieten.
Das Anschirren verlief heute wie üblich. Die Leithunde müssen zuerst angeschirrt werden, da deren Aufgabe es ist, nicht an der Leine herum zu zappeln, damit man auch die anderen Hunde dort festmachen kann. Nachdem alle Hunde angeschirrt sind, sind die Arbeitshandschuhe in der Regel feucht und nass und bevor man nun die Fäustlinge überzieht, wechselt man sie gegen ein trockenes Paar aus, soweit vorhanden. Mit einem „Ready, lets go“ startet nun ein Gespann nach dem anderen im Abstand von 15 Metern. Wie an einer Perlenkette gezogen machten wir uns auf, den See zu überqueren, um ans andere Ufer zu kommen. Die Hunde arbeiteten sich dabei in großen Schlangenlinien voran, denn auch die Leithunde wissen nicht, was die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist. Obwohl im Dezember das Eis als absolut einbruchsicher gilt, geheuer war es mir noch immer nicht.. Mir fiel die Geschichte von Sab ein, der am ersten Abend noch von dem Unglück erzählte, bei dem ein erfahrener Musher im November im Eis eingebrochen ist. Da keiner das Unglück gesehen hatte, munkelte man, dass ihm die Hunde wohl durchgegangen sind, aufs Eis hinausliefen und bei seinem Rettungsversuch das Gespann wohl mit eingebrochen ist. Er war zu erfahren und hätte eigentlich wissen müssen, dass man im November noch nicht aufs Eis gehen sollte. Ich dagegen wähnte mich in Sicherheit, es war Dezember! Punkt!
Unterwegs brüllte Steve uns auf einmal etwas zu und zeigte auf einen Berg, auf den es hinaufgehen sollte. Schluck! Nach mehr als einer Stunde war das Ende des Sees erreicht, und wir arbeiteten uns durch das wilde vereiste Sumpfgebiet. Aufpassen muss man hier, da das Gestrüpp sehr dicht ist und man über all mit dem Schlitten aneckt. Gelegentlich rumpelt es dabei ganz schön, schließlich hat ein Schlitten kein Lenkrad, um elegant um die engen Kurven zu kommen. Später glitten wir durch eine leichte hügelige Landschaft und pflügten die ersten Spuren in den frischen Schnee. Die Berge um uns herum nahmen viel Licht weg, obwohl ein fast blauer Himmel unser Begleiter war. Während der Fahrt packte ich immer wieder meine Minox aus der Brusttasche, um ein paar Bilder zu schießen. Für drei bis vier Bilder war die Kamera schussbereit, länger hielt sie den Temperaturen nicht stand. So gegen Mittag machten wir unsere übliche kleine Rast. Schnell wurden einige kleine Äste und Zweige gesammelt, um ein kleines Lagerfeuer zu entzünden. Obwohl alles von Schnee bedeckt ist, fängt das Holz schnell an zu brennen, da es eigentlich knochentrocken ist und keine Feuchtigkeit gezogen hat. Die Hunde legten sich einfach in den Schnee und so mancher hoffte auf einen Leckerbissen. Die heiße Limonade wurde gerne getrunken, und auf einem Handrost wurden Sandwitches mit Würsten geröstet. Einige nahmen auch das Lagerfeuer zum Anlass, die nassen Arbeitshandschuhe zu trocknen. Es ist auch wichtig, viel zu trinken, denn man kommt schon arg ins schwitzen. Auf eine Wurst verzichtete ich, und teilte sie infünf gleiche Stücke, die gierig von meinem Team genommen wurden.
Nach der Rast fing langsam der Anstieg auf den Berg an und wir mussten dort, wo es wieder mal steil wurde, vom Schlitten runter. Gemeinsam ächzten wir den Berg rauf, und der Schweiß floss in Strömen. Eigentlich liefen wir den Berg rauf, denn sobald man vom Schlitten ist, legen die Hunde ein anderes Tempo vor. Mehr oder weniger hält man sich nur noch am Schlitten fest, sprintet mit den ganzen Klamotten am Leib hinterher in den klobigen Schuhen, mit denen man versucht, im Schnee Tritt zu fassen. Am Stück schafft man dann 40-50 Meter, legt eine Pause ein, und weiter geht’s. Nach etwa ¾ der Strecke wurden die Pausen immer länger, die Sprints immer kürzer und die Luft für mich am Berg immer dünner. Ich gebe zu, der einzige Weg für mich, einen Berg zu nehmen, ist eine Seilbahn! Mir reichte es und ich freute mich schon auf die anstehende Abfahrt. Steve versuchte mich noch zu animieren und meinte, da wäre nur noch ein einziger steiler Anstieg und wir wären oben. Aber genau das hörte ich mir schon eine Stunde lang an... Die Truppe zog an mir vorbei um nach ungefähr zehn Minuten wieder da zu sein. „So ein Mist“ dachte ich mir. Die Abfahrt machte bedeutend mehr Spaß und man musste schon recht kräftig in die Bremsen, um nicht den Hunden in die Hinterläufe zu fahren.
Außerdem schlug nun plötzlich das Wetter um und bedrohlich aussehende graue Wolken und einsetzender Schneefall hüllten den Berg ein. Das waren keine große Flocken, die vom Himmel fielen, sondern eher feine Eiskristalle, die wie Stecknadeln ziemlich unangenehm ins Auge stachen. Meine Brille konnte ich nicht anziehen, da durch den Atem die Gläser sofort vereisten. Mit der Skibrille wurde ich auch nicht viel glücklicher. Ergo zog ich meine Gesichtsmaske noch tiefer ins Gesicht und suchte mir genau den Blickwinkel, wo der Fahrtwind alles an mir vorbei trug. Auch die Minox kam wieder zum Einsatz und ich versuchte, während der Fahrt die Stimmung dieses beeindruckenden Wetters einzufangen. Die Handgriffe, Handschuhe ausziehen, sie sicher abzulegen, den Reißverschluss der Jacke zu öffnen, um die Minox zu finden, kannte ich nun in- und auswendig. Das ist zwar nicht schwierig, aber es muss recht schnell passieren, bevor die Kamera wieder vereist. Da muss jeder Griff sitzen, um ein paar wenige Bilder zu schießen. Klick, klick und alles wurde wieder verstaut. Etwa um 17 Uhr kehrten wir ins Camp am See zurück, und inzwischen hatte es zum Glück auch aufgehört zu schneien.
Am Camp angekommen machten wir uns sofort daran, die Hunde abzuschirren und sie an ihren Plätzen anzuleinen. Auch wir hatten heute das Gefühl, so schnell wie möglich an unseren „Fressnapf“ zu kommen. Die eine Truppe bohrte das Eisloch vom Tag zuvor auf, um etwa zwei bis drei Eimer Wasser zum Camp zu tragen. Da wir kein Holz mehr hatten, musste die andere Truppe tote Bäume ins Camp schleppen und zersägen, um den Ofen in Gang zu setzen. Der Benzinkocher wurde auch in Betrieb genommen, um darauf das Wasser zu erwärmen. Wir zerkleinerten die Hundenahrung wie gewohnt zuerst mit der Axt, sonst dauert das eine Ewigkeit, bis die Menge erwärmt ist. Bratkartoffeln und Schweinesteaks brutzelten nach dem Versorgen der Hunde in der Pfanne und wir warteten schon wie die Hyänen und Geier, um uns auf das Mahl stürzen zu können. Um 22 Uhr waren wir alle todmüde; Zapfenstreich.








