Sie sind hier:

Pferdeabenteuer 2006

Angekommen

Weiche Landung in der Wildnis

Weiche Landung (2)

Berg und Tal

Alles hat ein Ende

Rundreise 2006

Frühling 2005

Winter 2005

Kanutour 2004

Wohnmobilreise 2003

Huskytour 2003

Huskytour 2001

Yukon und Alaska 1999

Allgemein:

Startseite

Gästebuch

Impressum

Kontakt



Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.



Bären, Beeren, Pferdeäpfel ...


A
benteuer durch Eis, Schnee und Wildwasser lagen nun schon eine Weile hinter mir. Es wurde Zeit für ein neues! Durch glückliche Zufälle und Umstände stand dann eines Tages fest: Wir reiten durch die Yukonwildnis! "Seid Ihr verrückt geworden? Ihr seid doch noch nie auf einem Pferd geritten" war der Kommentar, den Horst und ich am meisten zu hören bekamen. Na und? Ich stand vorher auch noch nie auf Schlittenkufen und hatte auch noch nie eine Kanutour gemacht und war von beiden Abenteuertouren völlig begeistert zurückgekehrt. Warum sollte das diesmal anders sein? Was Horst betraf, schienen gewisse Zweifel eher angebracht, denn im Gegensatz zu mir hatte er bisher noch nie eine Wildnistour mitgemacht. Trotzdem ließen wir uns nicht beirren. Für uns hieß es: Auf ins Abenteuer!

Ingrid und Rolf, bei denen wir das Pferdeabenteuer erleben wollten, hatten uns zuvor den Rat gegeben, hier zuhause ein paar Reitstunden zu nehmen, damit wir nicht völlig ahnungslos auf die Vierbeiner treffen würden. Nachher waren wir froh, ihrem Rat gefolgt zu sein, denn besonders ich hatte das Reiten unterschätzt, weil ich dachte, wenn ich die Huskytour geschafft habe, würde das hier auch nicht schwieriger sein. Mit der ersten Reitstunde auf einem Reiterhof in unserer Nähe änderte ich meine Meinung.

AIDA hieß mein Pferd, mit dem ich zuhause meine ersten Reitversuche machte. Ich hatte meine Reitlehrerin darum gebeten, dass sie mir nicht so ein Riesentier geben sollte. Selbstverständlich, das wäre doch kein Problem, und im nächsten Moment stand ich vor der AIDA-Pferdebox und schluckte. Dass Pferde größer sind als Huskys war mir ja bekannt, aber wirklich sooo groß? In meinem Hirn ratterte nur ein Gedanke: Wie soll ich da rauf kommen, ohne dass der gesamte Pferdestall und das Personal vor Lachen am Boden liegen? Zu meiner Beruhigung gab es einen Stuhl im Reitstall. Ich hatte also nicht als Einzige das Problem. Erleichterung pur. Aber nur so lange, bis ich sah, wie hoch der Steigbügel letztendlich vom Sattel hing, also trotz Stuhl immer noch viel zu hoch. Ich hing nun da, linker Fuß im Steigbügel, rechter auf dem Stuhl, Schweiß stand mir auf der Stirn, und ich gluckste nur noch vor mich hin: "Ich komm da nicht drauf!" Antwort: "Doch, das schaffen Sie!" Schwung nehmen, rechtes Bein über das Pferd schwingen und oben sei ich. Ich sah mich voller Elan übers Pferd fliegen und auf der anderen Seite im hohen Bogen unsanft auf der Erde landen. Außerdem gab es nur einen ganz schmalen Griff am Sattel, an dem man sich festhalten konnte und ich hatte Angst, ich würde mit meinem Schwung das ganze Pferd umwerfen ... Himmel! Wo war das nächste Mauseloch, in das ich mich am liebsten auf der Stelle verkrochen hätte?

Nach dem dritten Anlauf, nun schon voller Panik, saß ich auf einmal im Sattel. Erleichterung. Man, was war das hoch! Genickbruch wäre das Mindeste, was mir blühen würde. Noch stand der Vierbeiner ja brav auf der Stelle, aber wie um Himmels Willen sollte ich mich denn wo festhalten und vor allem oben bleiben, wenn der lostraben würde? Die nächsten Gedanken waren: Sofort die Pferdetour absagen, das kann man unmöglich überleben! Und dann noch in der Wildnis, wo es bergauf, bergab geht und womöglich noch an steilen Abhängen entlang. Minuten später trabte ich dann schon wesentlich lockerer an der Longe durch die Reithalle, fand sogar den Mut, den Griff am Sattel ganz loszulassen. Ich fand mich richtig klasse, auch wenn es mit der Haltung noch nicht stimmte. Dass so ein Hochgefühl nicht lange anhalten würde, hätte mir ja eigentlich spätestens zu diesem Zeitpunkt klar sein müssen. Jedenfalls kam die nette Dame am anderen Ende der Longe plötzlich auf die Idee, nun wäre es höchste Zeit, dass ich auch mal traben sollte, d.h., AIDA sollte traben und ich musste natürlich mit. Irgendwann hatte ich den Bogen raus, wann ich mich im Rhythmus des seichten Galopps in die Steigbügel stemmen und aus dem Sattel erheben und mich wieder setzen musste. Mittlerweile lief der Schweiß nur noch in Strömen, es war Anstrengung pur. Von wegen: In den Sattel setzen und los gehts! Aber von Runde zu Runde merkte ich, wie ich spürbar lockerer wurde. Es fing an, richtig Spaß zu machen, zumal ich auch immer mehr das Gefühl hatte, sicherer im Sattel zu werden. Einem beginnenden Übermut musste da natürlich sofort eine Grenze gesetzt werden. Also: Pferd anhalten, und nun ging es in der entgegen gesetzten Richtung im Kreis herum. Ich fand das sehr schwierig und verlor erst mal meine Sicherheit auf dem Pferd. Aber auch das ging irgendwann immer besser und auf einmal war die Reitstunde vorbei. Das Runterkommen war übrigens überhaupt kein Problem. Trotzdem hab ich mich eine Sekunde lang gefragt, wer von uns beiden wohl froher war, diese Stunde mit heiler Haut überstanden zu haben, das Pferd oder ich ...

Wenige Wochen später standen wir dann auf der Ranch im Yukon ...

FORTSETZUNG



Der Abenteuerbericht wurde auch in der Dezember-Ausgabe 2006 von Kanada Aktuell veröffentlicht.