(Horst)
Bevor wir nach diesem aufregenden Tag unser Ziel erreichen, müssen wir mehrmals einen kleinen Fluss, den "Flat-Mountain River" überqueren. Rolf gibt die Losung aus, die Zügel lang zu lassen, das Pferd findet den Weg alleine. Doch er scheint BUDDY schlecht zu kennen, der säuft erst mal in aller Ruhe, um sich dann an den Grasbüscheln am Flussufer gütlich zu tun. Nur mit energischem kicken ist er schließlich bereit, das Flussbett zu verlassen. Ein schmaler Pfad schlängelt sich direkt am sprudelnden und gurgelnden Wasser entlang und dann liegt auf einmal das Camp vor uns, das Rolf und Ingrid für ihre Gäste bereits gemütlich eingerichtet hatten. Geräumige 2-Personen-Zelte sind im Wald unter den Bäumen aufgebaut. Mit ihrer leuchtend gelben Farbe inmitten der herbstlich gefärbten Blätter strahlen sie so etwas wie Behaglichkeit aus. Es gibt eine mit einer großen Plane überspannte Koch- und Grillstelle. Pferdefutter, Werkzeuge und Kochgeschirr sind ebenfalls vorhanden. Nachdem die Pferde abgesattelt sind, machen sie sich hungrig über die im Corral ausgelegten Heuballen her. Ein fehlendes Zelt wird aufgebaut und wir richten uns in unserem "Waldhotel unter Sternen" gemütlich ein. Es ist nicht nur ein Wildnis-Camp unter Sternen, es hat von der Ausstattung her auch solche verdient! Es gibt in einer Kiste versteckt unter einem Baum sogar Klappsessel, die uns an den kommenden Abenden ein heimeliges Wohngefühl am Lagerfeuer vermitteln werden.
(Inge)
Und dann kam die Krönung. Rolf bedeutete uns mit einem verschmitzten Lächeln, wir sollten ihm doch ins Bad folgen. Fragezeichen in unseren Gesichtern ... Der Weg dort hin war zwar weitaus länger als von zuhause gewohnt, aber dann konnten wir uns alle ein Grinsen nicht mehr verbeißen: Mitten im Wald von der Abendsonne angestrahlt stand da ein richtiges Plumpsklo! Als Katja mit mühsamer Beherrschung forderte, die Badtür zu schließen, weil sie jetzt allein sein wolle, war es vorbei mit der Stille in der Yukonwildnis. Schallendes Gelächter hallte durch den Wald, aber wir taten ihr den Gefallen und traten den Rückzug an. Von nun an blieb der Satz: "ich geh mal eben ins Bad" ein geflügeltes Wort. Ja, dieses Camp übertraf alle unsere Erwartungen.
(Horst)
Die beiden Hunde haben es sich schon längst in der Nähe des prasselnden Feuers gemütlich gemacht. Sie sind platt, denn auf dem Weg hierher sind sie mindestens drei- bis viermal so weit gelaufen wie wir auf unseren Pferden. Manchmal waren sie weit voraus, manchmal hinter uns, oftmals sah man sie lange Zeit gar nicht. Sie lassen sich auch durch Franziska nicht stören, die inzwischen begonnen hat, das Abendessen vorzubereiten, während wir anderen die Pferde zum Fluss führen, damit sie ausgiebig trinken können. Irgendwann sitzen wir alle hungrig in den gemütlichen Sesseln um das Lagerfeuer herum. Zum Abendessen gibt es Bohnen mit Fleisch und Reis (Wagon-Boss Chili), angeblich ein einfaches Cowboy-Essen. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass die Cowboys früher wirklich so gut gegessen haben! Vermutlich war das Verhältnis Fleischanteil zu Bohnen damals 1:9. Heute Abend dagegen war es eher 9:1. Es schmeckt köstlich. Selbst Nachtisch fehlt nicht in unserem Wildnis-Gourmet-Restaurant!
Nach dem Essen wird abgewaschen und alle Lebensmittel werden in geruchsicheren Behältern verstaut. Dort hinein kommen später auch unsere Beutel mit Zahnpasta und sonstigen Utensilien, die irgendeinen Duft abgeben könnten. Rolf weist auch noch mal extra darauf hin, keinerlei Lebensmittel mit ins Zelt zu nehmen, wenn wir keinen nächtlichen Bärenbesuch riskieren wollen. Und wer will schon mitten in der Nacht in seinem Schlafsack unsanft aus seinen Träumen gerissen werden? Die ausgebrannten Blechdosen nehmen wir wieder mit zur Ranch zurück, während Verpackungen verbrannt werden. Nach dem Abendessen werden die Pferde nochmals zum Fluss geführt und getränkt. Danach sitzen wir noch bis 23°° am knisternden Lagerfeuer, bevor uns die Kälte in die Schlafsäcke treibt. Nun werden auch die Hunde angeleint, was den beiden überhaupt nicht gefällt. Wären Wölfe oder Bären in der Nähe, und wir haben unterwegs entsprechende Spuren und Kothaufen gesehen, würden sie denen sofort hinterher rennen. Doch insbesondere Wölfe mögen keine Hunde und sind außerdem erheblich stärker. Sie würden die Hunde töten. Rolf hat zur Sicherheit aber außerdem noch ein Gewehr dabei. Müde sinken wir in die Schlafsäcke.
Was hat Inges skeptischer Blick zu bedeuten, den sie mir noch zuwirft, bevor sie im Schein der Taschenlampe den Reißverschluss ihres Schlafsackes bis zum Kinn hoch zieht? Ach so: Meine erste Nacht in der Wildnis und meine erste Zeltübernachtung überhaupt in meinem Leben!
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