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I
ch wollte unbedingt noch einmal auf den Kufen eines Huskyschlittens stehen, und so unternahm ich in der zweiten Woche eine Tagestour beim Yukon-Quest-Teilnehmer Ed Hopkins in Tagish. Andri brachte mich zum Kennel. Als wir in die Zufahrt einbogen, hörte man schon von weitem das Bellen der Hunde. Sofort waren die Erinnerungen an meine Huskytour vor zwei Jahren in allen Einzelheiten wieder da. Am liebsten hätte ich wieder kehrt gemacht, als ich an das Anschirren der Hunde dachte, und erst Recht, als ich die Huskys von Ed Hopkins sah. Es war eine ganz andere Rasse als die von meiner damaligen Abenteuertour. Damals, das waren relativ kleine und schmale Rennhunde, die aber voller Power steckten. Diese hier, die waren fast doppelt so groß, hatten auch ein viel längeres Fell. Mein Herz rutschte mir bei ihrem Anblick gleich in die Hose, weil ich sofort dachte, dass ich die Fahrt mit diesen "Monstern" bestimmt nicht überleben würde. Im nächsten Moment hatte ich die Pfoten eines solchen Riesenviechs auf den Schultern liegen und der Kerl hechelte mir fröhlich grinsend ins Gesicht! Ach, das wäre Bruno, der machte das immer so.... Dann kam die absolute Krönung. Ed meinte zu mir, der Trail wäre heute wegen der geforenen Schneeoberfläche besonders schnell und deshalb würde er mir nicht acht Hunde für mein Gespann geben. Schluck! Acht??? Der hatte wohl gedacht, ich wäre reif für ein Rennen, weil Andri ihm am Telefon erzählt hatte, dass ich bereits große Erfahrung mit Huskys hätte, denn schließlich wäre ich mit denen schon 14 Tage durch die Wildnis gezogen. Wie oft ich im Schnee gelegen und vor mich hin geschimpft habe, wussten sie ja nicht... Jedenfalls bekam ich statt acht nur vier dieser Riesenmonster, drei davon waren schon mehrmals das Quest gelaufen, was mich natürlich sehr beruhigte. Keine Ahnung, wie hoch mein Blutdruck inzwischen war, es blieb auch keine Zeit zum Überlegen. Ich konnte mich nur noch schnell von Andri verabschieden, sagte ihm noch, er könne nachmittags meine Knochen einsammeln, dann ging es auch schon fast los. Diesmal musste ich die Hunde nicht selbst einspannen, das machten Ed und Michele. Irgendwann stand ich dann auf den Kufen, vor mir zerrten die vier Monster an ihren Leinen, und meine Gedanken kreisten nur darum, wie ich einigermaßen heil um die beiden Kurven kommen sollte, vor denen mich Michelle und der deutsche Guide warnten. Am besten wäre es, ich ließe mich (wörtlich!) "durch die Kurve schleudern"! Schweißausbruch! Und dann ging es los.

Die Kurven waren einfach lächerlich! Ich war schneller durch, als ich überhaupt denken konnte, ein kurzes Stück ging es auf einer schmalen Schotterstraße weiter, natürlich auf dem Schnee. Wir bogen kurze Zeit später von der Straße ab in ein Waldstück, ich sah vor mir Ed auf seinem Schlitten nur noch um die Kurve schlittern. Er konnte sich kaum noch auf den Kufen halten, dann waren meine Hunde mit dem Schlitten auch schon um die Ecke gebogen. Allerdings ohne mich, ich flog geradeaus in den Wald zwischen die Bäume in den hohen Schnee ... Passiert war mir nichts, nur mein Brillenetui in meiner Jackentasche war total verbeult. Spätestens da wollte ich nur noch eins: aufhören und zurück. Aber aufgeben ist nicht meine Stärke. Ich bin also dem leeren Schlitten hinterher gerannt, Ed hatte ihn inzwischen gestoppt, und dann ging es weiter, nachdem sich herausstellte, dass meine Knochen noch alle heil waren. Es blieb übrigens mein einziger unfreiwilliger Abgang vom Schlitten! Der Trail war einfach ein Traum. Hoher, in der vom blauen Himmel strahlenden Sonne glitzernder knirschender Schnee auf Wegen durch eine wunderschöne Winterlandschaft. Mit jedem Meter wurde der Spaß an der Tour immer größer, und von diesem Zeitpunkt an habe ich sie bis zur letzten Sekunde genossen. Die Hunde waren offensichtlich genauso davon angetan, denn der Leithund, ein Traum von einem Husky, pinkelte mir vor lauter Freude bei unserer Rückkehr an meine Hose und über die Schuhe.

Zum Abschluss meines Wintertraums gab es dann eines abends noch ein besonderes Erlebnis: Auf dem Weg ins Bett warf ich immer noch einen Blick durch das kleine Flurfenster. Und da war es! Ein riesiges, helles bogenförmiges Polarlicht flackerte über den Bergen. Ich hab mich in Windeseile angezogen und bin mit meiner Stirnlampe auf den See gegangen. Da stand ich dann mitten in der Nacht, über mir tanzten quer über den ganzen Himmel die Nordlichter, am Horizont war sogar ein rötliches. Dieses bogenförmige war inzwischen in grünliche Schleier übergegangen. Es war genauso, wie ich mir das Zuhause vorgestellt hatte: ich steh mitten auf dem See und über mir diese überirdisch schönen, tanzenden bunten Lichterspiele, von denen die Ureinwohner glauben, dass sie Zeichen ihrer Verstorbenen sind. Leider schob sich dann immer mehr ein Wolkenvorhang vor die Sterne, so dass man sie dann nicht mehr richtig sehen konnte. Man sah nur noch, dass es an manchen Stellen am Himmel sehr hell war und sich diese Stellen ständig veränderten, die Lichter als solche konnte man nicht mehr sehen. Ich bin nachts noch ein paar mal aufgestanden, aber die Bewölkung war leider immer noch da.

Drei Monate später war ich dann schon wieder im Yukon, Aber das ist eine andere Geschichte.