Sie sind hier:

Pferdeabenteuer 2006

Rundreise 2006

Frühling 2005

Winter 2005

Kanutour 2004

Wohnmobilreise 2003

Huskytour 2003

Huskytour 2001

Yukon und Alaska 1999

Yukon 99 (2)

Yukon 99 (3)

Yukon 99 (4)

Yukon 99 (5)

Yukon 99 (6)

Yukon 99 (7)

Yukon 99 (8)

Allgemein:

Startseite

Gästebuch

Impressum

Kontakt




Sonntag, 12.9.99
- 17.542 km –
- Cassiar Highway, Stewart, Hyder, Fish-Creek -

Als wir wach werden, hören wir schon das gleichmäßige Plätschern des Regens vor unserem Fenster. Als wir einige Zeit später losfahren und unterwegs auf einem Rastplatz gemütlich frühstücken, klarst es sich auf, und bei unserer Weiterfahrt durch eine wunderschöne Landschaft haben wir bald strahlenden Sonnenschein. Vor Medizin Junction geraten wir in eine zehn Kilometer lange Baustelle, bei deren Anblick wir vermuten, dass der ursprüngliche Alaska-Highway früher mal so ausgesehen haben mag. Auf dem rutschigen und matschigen Untergrund schlingert der Camper von einer Seite zur anderen. Wenige Kilometer hinter Iskut haben wir vorhin einen Schwarzbären mit zwei Jungen an der Straßenböschung gesehen. Während Horst bei unserer kurzen Rast das tief unter uns liegenden Tal fotografiert, sind die zotteligen Gesellen hinter seinem Rücken die Böschung hochgetapst, um die Straße zu überqueren. Bei unserer Weiterfahrt sehen wir nur wenige Kilometer später einen weiteren Schwarzbären. Unsere heutige Mittagspause verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen an einem idyllischen See und verspeisen den geräucherten Lachs (köstlich!). Gegen 16.30 Uhr haben wir dann nach langer Fahrt endlich Stewart erreicht. Hier sieht es noch genauso aus wie bei unserem Besuch im vergangenen Jahr. Uns kommt es auch diesmal so vor, als hätte man hier das Rad der Zeit etwas zurückgedreht. Da mich eine unangenehme Erkältung erwischt hat, werden wir heute im King Edward Hotel übernachten, wo wir auch letztes Jahr schon waren. Dann hält uns nichts mehr in Stewart. Uns zieht es wie magisch zum Fish-Creek nach Hyder und damit zu "unseren" Bären. Als wir auf der Schotterstraße am dortigen Parkplatz ankommen, steht auch dieser wie vergangenes Jahr voller parkender Wohnmobile und Mietwagen. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir den kleinen Camper unserer "Arizona-Lady" dort stehen sehen, die wir im vergangenen Urlaub hier kennengelernt haben. Das kann doch nicht wahr sein! Aber sie ist es tatsächlich, und freudestrahlend fallen wir uns in die Arme. Wenige Wochen vor unserem Abflug haben wir von ihr noch eine Urlaubskarte aus Kanada bekommen, in dem sie uns schrieb, dass sie dieses Jahr hoch in den Norden Kanadas fahren wollte. Eines ihrer Ziele war Inuvik, und nun steht sie hier mit uns am Fish-Creek, um die Bären zu beobachten. Sie ist erst gestern Nachmittag hier angekommen. Wir können es immer noch nicht fassen, dass wir uns in diesem riesigen, teilweise fast menschenleerem Land, hier wiedertreffen.

Im Fluss sind im Gegensatz zum letzten Urlaub sehr wenig Lachse zu sehen. Auch die Ranger sind schon abgezogen. Offensichtlich ist die Saison für dieses Jahr vorbei, so dass wir befürchten, auch keine Bären mehr zu sehen. Aber innerhalb weniger Stunden kommen vier von diesen Pelztieren durch den flachen Fluss gewatet, immer auf der Suche nach einem dicken fetten Lachs. Mit etwas Glück werden sie auch fündig. Das Wasser spritzt hoch zu allen Seiten, als sie mit einem plötzlichen Sprint ihrer Beute nachjagen. Mit dem Wetter haben wir auch diesmal ein Riesenglück. Die Sonne strahlt noch lange vom wolkenlosen blauen Himmel, so dass ich mit der Videokamera hoffentlich einen schönen Bärenfilm drehen werde. Neben der Alaska-Lady erblicken wir dann auch noch ein weiteres bekanntes Gesicht. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um den Bärenforscher (Keith Scott), der schon seit über 25 Jahren den Bären auf der Spur ist. Er selbst hat sich die Bezeichnung gegeben "Der Mann, der mit den Bären spricht" und hat über die Grizzlys und Schwarzbären am Fish-Creek ein Buch geschrieben, das ich kaufe. Als schöne Erinnerung an unsere Bärenerlebnisse in Hyder schreibt er für Horst und mich eine Widmung hinein. Ich bin so von dem Buch fasziniert, dass ich sogleich mit dem Lesen beginne. Dabei achte ich einen Moment lang nicht auf den Weg und das, was um mich herum geschieht, als ich plötzlich ziemlich unsanft am Ärmel zurückgerissen werde: Ich wäre um ein Haar mit einem dicken Grizzly zusammengestoßen, der nur wenige Meter vor mir den Weg überquert, um den gegenüberliegenden kleinen, von dichten Bäumen umstandenen See zu erreichen! Nach diesem Blutdrucksteigernden Erlebnis lasse ich mich durch nichts mehr ablenken und bin immer auf der Hut vor plötzlichen auftauchenden Petzen. Ich will schließlich nicht als Bärenfutter enden.
Die üblichen Befragungen am Grenzübergang nach Stewart (Hyder liegt schon in Alaska), lassen wir bei unserer Rückfahrt gelassen über uns ergehen. Das kennen wir ja nun schon vom letzten Jahr.


Montag, 13.9.99 - 17.960 km –
- Hyder, Fish-Creek -

Der Himmel ist heute morgen zwar blau, aber wir müssen uns wegen der Kälte dick anziehen. Unser Frühstück ist nur eine Nebensache, denn uns zieht es schnell wie möglich wieder zum Fish-Creek. Die Arizona-Lady ist schon vor uns da, und auch ein fischender Schwarzbär gehört mit den zu den Frühaufstehern. Während ereignisloser Zeiten ziehe ich mich zwischendurch in den Camper zurück und schreibe mein Tagebuch weiter. Wenn man die Menschen mal genau beobachtet, die hierher zur Bärenbeobachtung kommen, kristallisieren sich klar zwei Gruppen heraus. Zu der einen, die ich "Muss-man-gesehen-haben"-Gruppe getauft habe, gehören diejenigen, die für zwei, drei Stunden ihre Autos abstellen und erwarten, dass sofort ein Bär vor der Linse ihres Fotoapparates bzw. der Videokamera auftaucht und sich fotogen vor ihnen aufbaut (wie im Zoo!). Manche von ihnen verlieren ziemlich schnell die Geduld, wenn manchmal für längere Zeit (oftmals stundenlang) nichts passiert. Kaum haben sie den Teddy "im Kasten", schwingen sie sich in ihre Autos und fahren mit wehender Staubfahne zur nächsten Attraktion. Die zweite Gruppe stellen die wirklichen Bärenliebhaber, die stundenlang und keineswegs gelangweilt auf das Auftauchen eines Grizzlys oder Schwarzbären warten. Dazu gehören wir natürlich. Ich kann mir selbst nicht erklären, wie man hier ganze Tage am Fluss zubringen kann, ohne dass es einem langweilig wird. Zuhause ist man den ganzen Tag fast rund um die Uhr mit irgendwelchen "wichtigen" Dingen beschäftigt und kann sich kaum vorstellen, mal auch nur eine Stunde untätig herumzusitzen. Aber hier ticken die Uhren wirklich anders, und viel zu schnell ist auf einmal der Tag vorbei. Aus diesen Gründen halten es die wirklichen Bärenfreunde auch problemlos drei, vier Tage oder auch länger hier aus, und morgens stößt man dann immer auf dieselben Gesichter.

Unser "Taucher" vom letzten Jahr ist plötzlich auch wieder da. Er schwimmt durch den von der Sonne beschienenen See und hat die meiste Zeit seinen Kopf unter Wasser, um plötzlich pfeilschnell nach einem Lachs zu angeln, den er gemütlich am Uferrand verspeist. Wir können bis zum Weg das Brechen der dicken Fischgräten hören (schaurig), während um uns herum die Fotoapparate klicken und die Filmkameras surren. Und auch als er dem armen Tier bei lebendigen Leib die fettreiche Haut abzieht, trägt das nicht gerade zu unserer Beruhigung bei. Gegen Mittag meldet sich dann auch unser knurrender Magen zu Wort, und wir fahren zum Essen ins Bitter-Creek-Cafe nach Stewart (heute habe ich mal frei von Herd und Küche). Auf meinem Teller liegt ein leckeres Lachsfilet (Bärenfutter!), während Horst sich das Tagesmenü schmecken lässt. Den Nachtisch sparen wir uns und kehren statt dessen zum Bärenfluss zurück. Zwischendurch gibt es immer wieder interessante Gespräche mit den anderen Bärenliebhabern. Die Arizona-Lady will auch noch einen Tag hier bleiben und morgen Richtung Süden und damit Richtung Heimat weiterfahren. Am Spätnachmittag taucht fast aus jeder Richtung ein Bär auf. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst gucken soll. Allein vier Grizzlys fischen nach Lachsen flussaufwärts. Ihre dicken vollgefressenen Körper sieht man dann um die nächste Flussbiegung verschwinden, während unterhalb der Aussichtsplattform schon wieder ein anderer Bär auftaucht! Zeitweilig hat man den Eindruck, dass es heute hier bald mehr Bären als Lachse gibt. Ein dicker Grizzly sitzt am anderen Teichufer gemütlich im Gras und streckt alle Viere von sich. Dann taucht auch noch der aggressive Bär auf, der diesen Sommer sogar hier am Fluss Touristen attackiert haben soll. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass er dazu wohl Grund gehabt hat, wenn ich sehe, wie sich hier manche Leute den Tieren gegenüber benehmen. Die meinen nämlich, sie wären hier in einem großen Freiluftzoo und die Bären zum Anfassen da. Keith, der hier ein wenig die Rolle der nicht mehr anwesenden Ranger angenommen hat, mahnt jedenfalls zur besonderen Vorsicht. Vor allen Dingen soll man den Tieren sehr viel Platz lassen und ihnen nicht im wahrsten Sinne des Wortes "auf den Pelz rücken". Bis zum Abend können wir in aller Ruhe insgesamt sieben Bären beobachten Wenn gegen 20 Uhr nicht die Dämmerung hereinbrechen würde, führen wir wahrscheinlich immer noch nicht nach Stewart zurück. Wir gehören heute mit zu den Letzten, die den Fish-Creek verlassen.


Silbermine am South Klondike Highway